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00:28 07.10.2015
Christian M. Goldbeck in seinem Blumenladen im Berliner Wedding. Quelle: Friedrich Bungert
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Babelsberg

Wie wohnt wohl ein fast vergessener Maler, abgeschirmt vor der Öffentlichkeit? Eremitenhaft. Im Schweizer Alpenörtchen Promotogno trimmte Szenenbildner Christian M. Goldbeck ein Chalet filmreif aufs Domizil des (fiktiven) blinden Jahrhundertmalers Manuel Kaminski. Am Computer wurde das Knusperhäuschen vergrößert, die benötigten Räumlichkeiten wurden in ein Kölner Filmstudio gebaut. Das Kellertonnengewölbe wiederum, das großformatige Bilder Kaminskis beherbergt, befand sich in der ehemaligen Schultheiß-Brauerei in Berlin.

Für die an Schauwert reiche Literaturverfilmung „Ich und Kaminski“ von Regisseur Wolfgang Becker („Good bye, Lenin“) blieb kein Motiv naturbelassen. Eine „komplett gebaute Realität“ hat Goldbeck, Absolvent der Babelsberger Filmhochschule „Konrad Wolf“ (jetzt Filmuniversität), erschaffen: „Ein wahnsinniger Spaß, reizvoll wegen der Liebe zum Detail.“ Die Tragikomödie nach Daniel Kehlmanns Roman um den fiktiven Maler (Jesper Christensen) und den schnöseligen Kunstkritiker Zöllner (Daniel Brühl) spielt in den späten 1990ern und ist damit tatsächlich schon ein historischer Film. Wir erinnern uns: Die Autos hatten andere Nummernschilder, bezahlt wurde mit D-Mark.

Also konnte nicht einfach drauflos gefilmt werden. Goldbeck musste jedes der 74 Motive (ein durchschnittlicher Film hat nur die Hälfte) aufwendig anrichten. Etliche (Aus-)Blicke, etwa auf den Pariser Monmartre, wurden nachträglich am Computer hinzugefügt. Gewissermaßen als Bonbon kam dazu, dass Kaminskis Werke bislang nur in Kehlmanns Phantasie und jener der Leser existierten. Der Künstler Manfred Gruber malte die „echten Kaminskis“. Zur Szenenbild-Abteilung gehörten 65 Leute, sonst steht Goldbeck etwa 30 vor. Allein fünf Grafiker waren mit dem Film beschäftigt, imitierten die Handschriften berühmter Malerkollegen, mit denen sich Kaminski schrieb, entwarfen auch das Fake-Cover des „Times Magazine“.

Zwischen Filmprojekten widmet sich Goldbeck einer duftenden Leidenschaft. Vor einigen Wochen hat der 41-Jährige im Berliner Wedding einen Blumenladen eröffnet und sich damit einen „Traum erfüllt, seit ich zwanzig gewesen bin“. Wo Goldbeck auch auf Filmreisen war, ob in Köln, Bukarest oder Tel Aviv – „Entspannung habe ich immer in Blumenläden gefunden“. Sein Geschäft in der Tegeler Straße sei nun ein „Konglomerat“ aus den gesammelten Eindrücken geworden. Als Geschäftsführerin fungiert Innenrequisiteurin Jutta Lilli Erasin, zwei Floristinnen sind angestellt. Nach eineinhalb Jahrzehnten beim Film brauchte Goldbeck „einen Ausgleich“. Aber was läge näher, als das Illusions-Business bei Bedarf mit Blumen auszustatten? Für Andreas Dresens aktuelle „Timm Thaler“-Verfilmung kamen aus Goldbecks Laden beispielsweise opulente Gestecke für eine Szene in einer Hotellobby. Auch für die Berliner Premiere von „Ich und Kaminski“ wurden florale Arrangements geliefert.

Momentan bereitet Goldbeck das Regie-Debüt von „Fack ju Göhte“-Star Karoline Herfurth (31) vor: „SMS für Dich“ nach dem gleichnamigen Liebesroman von Sofie Cramer. „Wir erzählen und entdecken in dem Film das kiezige Berlin abseits der typischen Berlin-Bilder“, erzählt Goldbeck. Gedreht wird ab Mitte Oktober.

Ab 10. Dezember kommt „Heidi“ auf die Leinwand – auch hier hat Goldbeck die Filmwelten erschaffen.

Info: „Ich und Kaminski“ läuft im Thalia-Kino, Mo.-Mi. um 16.15 und 21 Uhr.

Von Ricarda Nowak

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