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Nachrichten Kultur Gedrückte Stimmung beim Wettbewerb in Cottbus
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00:19 12.11.2017
Ivan Lashin in dem russischen Beitrag „Ein Kopf, zwei Ohren“. Quelle: promo
Cottbus

Er ist schmächtig, einfach gestrickt und arbeitet im dörflichen Kuhstall: Ivan Sergeevichs Leben besteht aus unaufgeregter Routine, die der 25-Jährige mit seiner Mutter teilt. Da ist es kein Wunder, dass er beim erstbesten Großstädter ins Auto steigen will, der anhält und ihm einen Job in der Stadt verspricht.

Am Tag drei des Festivals des osteuropäischen Films in Cottbus ist der Wettbewerb in vollem Gange. Der russische Regisseur Vitaly Suslin ist mit seinem Film „Ein Kopf, zwei Ohren“ dabei. Für Ivan Sergeevich ist die Fahrt in die Großstadt wie ein Sechser im Lotto: Er rennt los, um ein paar Dinge und seinen Pass zu holen. Das bleibt aber auch die einzige Szene, in der im diesjährigen russischen Wettbewerbsbeitrag mal ein bisschen Tempo aufkommt. Sonst plätschert der Film gemächlich vor sich hin, wie der schöne Fluss, an den Ivan Sergeevich in seinen Träumen denkt.

Ohne nachhaltigen Eindruck: „Ein Kopf, zwei Ohren“ von Vitaly Suslin

Wann und wo der Film genau spielt, bleibt unklar. Smartphones scheint es noch nicht zu geben, Mobiltelefone schon. Das Landei denkt langsam und handelt langsam – und wirkt dabei wie aus der Zeit gefallen. Von Kriminellen scheint er noch nie gehört zu haben, was ihn zum perfekten Opfer für den Großstädter und seine Partnerin macht. Die Betrüger lassen den naiven Mann an zahlreichen Stellen in der Stadt Kredite aufnehmen, um ihn nach erledigter Arbeit und Geldübergabe bei Schnee und Frost mittel- und obdachlos sitzen zu lassen.

Die Geschichte lässt sich als Allegorie auf die emotional verarmte, ausbeuterische russische Gegenwartsgesellschaft deuten: Doch ganz gleich wie schlecht es dem jungen Mann ergeht und wie mies ihn andere behandeln, er erträgt alles mit stoischer Gelassenheit. So viel Gleichgültigkeit macht schon fast wütend.

Glücklicherweise hat Regisseur Vitaly Suslin darauf verzichtet, in eine bittersüße Komödie abzudriften. Fast dokumentarisch begleitet er den Einfaltspinsel bei seiner kurzen Suche nach dem großen Glück. Zu berühren vermag er damit aber nicht: Suslin versagt Ivan Sergeevich jegliche sichtbaren Emotionen. Dialoge, die sein Innenleben nach außen kehren könnten, werden nicht geführt. Die Geschichte selbst ist gut, wird aber nicht lange in Erinnerung bleiben.

Blass: „Breaking news“ von Iulia Rudina

Das gilt leider ebenso für den Wettbewerbsspielfilm „Breaking news“: Der fällt zwar in der Riege hochwertiger rumänischer Festivalbeträge à la Cristian Mungiu nicht durch, ist aber auch nicht so provokant und präzise, wie es das Publikum seit Jahren aus Rumänien gewöhnt ist.

Der rumänische Film „Breaking news“ von Iulia Rugina. Quelle: promo

Die Story handelt von einem TV-Journalisten, der bei einer Katastrophenberichterstattung zusammen mit seinem Kameramann von einer herabstürzenden Decke begraben wird: Der Kameramann Andrej Parachiv stirbt, Journalist Alex Mazilu nicht. Das weckt Schuldgefühle.

Um sie zu besiegen, sucht Mazilu die Familie des alleinerziehenden Parachiv auf. Der Journalist möchte einen profunden Nachruf auf den Kollegen verfassen, der berührt. Daran sind die Familie des Toten und auch der TV-Sender allerdings nicht sonderlich interessiert. Nur seine Tochter Simona, ein aufgewühlter Teenager, schwankt zwischen unbedingtem Kooperationswillen und totaler Ablehnung. Hervorragend gespielt von Voica Oltean, nähern sich die 15-Jährige und der Reporter entlang der journalistischen Recherche an. Dabei kritisiert Regisseurin Iulia Rugina die schnelllebige Nachrichtenindustrie und zeichnet zugleich das posthume Porträt eines eigenwilligen, aber liebenden Vaters.

Preisverdächtig: „I’m a killer“ von Maciej Pieprzyca

Um das Zusammenfügen von Details zu einem großen Ganzen geht es auch bei den Polizei-Ermittlungen in „I`m a killer“. Der polnische Beitrag hat beim heimischen Filmfest in Gdynia den zweiten Preis und eine Auszeichnung für das beste Drehbuch erhalten. Auch in Cottbus kann Regisseur Maciej Pieprzyca auf eine Ehrung hoffen.

Der polnische Beitrag „I’m a killer“ von Marciej Pieprzyca. Quelle: promo

Mit „In meinem Kopf ein Universum“ war er in den deutschen Kinos bereits sehr erfolgreich. Beim Cottbuser Filmfestival erzählt er in „I’m a killer“ („Jestem Morderca“), auf einer wahren Begebenheit basierend, von einem polnischen Serienkiller. Der sollte im Polen der 1970er Jahre auf Geheiß des Regimes schnellstens dingfest gemacht werden. Und so nahm ein junger Ermittler auch rasch einen Verdächtigen fest. Genau so schnell, wie dieser zum Täter deklariert wurde, verwandelte sich der Ermittler in dessen Henker. Und so muss sich der Hüter über die gesellschaftliche Ordnung selbst für oder gegen die Moral entscheiden. Eine spannende Innenansicht vor dem Hintergrund des polnischen Sozialismus.

Von Barbara Breuer

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