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Kultur Geheim-Gig von U2 in der Linie U2
Nachrichten Kultur Geheim-Gig von U2 in der Linie U2
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15:15 06.12.2017
Bono, Sänger der irischen Band “U2“. Hier bei einem Auftritt im Berliner Olympiastadion in Berlin. Quelle: dpa (Archiv)
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Berlin

Die irischen Rockmusiker Bono und The Edge von der Band U2 haben am Mittwochmittag einen kurzen Auftritt in der Berliner U-Bahn absolviert.

Der Radiosender RadioEins hatte 500 Hörer zu dem Geheimkonzert eingeladen.

Passend zum Bandnamen traten die Musiker an der U2-Haltestelle „Deutsche Oper“ (fast) wie normale Straßenmusiker auf – mit aufgeklappten Gitarrenkoffer.

Neues Album veröffentlicht

Erst vor ein paar Tagen wurde das neue Album der Iren veröffentlicht. Das 14. Studioalbum von U2 beginnt zutiefst melancholisch. „This Is No Time To Be Alive“ singt Bono fast zerbrechlich im Opener „Love Is All We Have Left“. Ist es der Frust über die öffentliche Schelte nach den Enthüllungen der Paradise Papers, in denen sein Name in Zusammenhang mit Steuervermeidung auftaucht? Heuchelei wurde dem Frontmann vorgeworfen, der sich gern als Weltverbesserer inszeniert. Oder bezieht er sich auf seinen schweren Fahrradunfall vor ein paar Jahren? Oder den Shitstorm zum letzten Album „Songs Of Innocence“, das iTunes-Nutzern ungefragt auf ihr Gerät geladen, also quasi aufgezwungen wurde und dann - kaum überraschend - auch kommerziell enttäuschte? Es waren jedenfalls turbulente Jahre für Bono und U2.

Worauf auch immer sich der Sänger bezieht, „Songs Of Experience“ ist für ihn eine sehr persönliche Angelegenheit. Das machte die Band bereits im Vorfeld der Veröffentlichung in Interviews deutlich. Die Songs seien wie Briefe von Bono an die Menschen, die dem U2-Frontmann am nächsten stehen. Passend dazu hört man bei „Love Is All We Have Left“ zunächst kein Schlagzeug und keine Gitarre, nur dezente Streicher, Bass und Synthesizer begleiten Bonos Gesang. Ein schöner Auftakt - trotz des überflüssigen Auto-Tune-Effekts über seiner Stimme, den man sonst bei Künstlern wie Rihanna oder Kanye West hört.

Mit der melancholischen Ruhe ist es vorbei, wenn bei „Lights Of Home“ die verzerrten Gitarren einsetzen. Zwar wirkt auch dieser Song inhaltlich zuerst bedrückend. „I Shouldn’t Be Here Cause I Should Be Dead“ („Ich dürfte nicht hier sein, weil ich tot sein müsste“) heißt es in der ersten Strophe. Und laut Gitarrist The Edge reflektiert das Album auch eine nicht näher bezeichnete «todesnahe Erfahrung» seines Bandkollegen im vergangenen Jahr. Aber «Lights Of Home» entwickelt sich bald zu einer schwungvollen, positiven Hymne, die in einem wunderbaren Finale mit Chor gipfelt.

Unter den 13 neuen Songs sind einige starke Melodien. Und wenn „Get Out Of Your Own Way“ oder „Red Flag Day“ auch mal nach Bands wie The Killers und Coldplay klingen, sollte man sich in Erinnerung rufen, dass U2 einst Vorbilder und Inspiration für die heutigen Weggefährten waren. Einige, nicht unbedingt direkte, musikalische Nachkommen sind auf „Songs Of Experience“ als Gäste zu hören. US-Rapper Kendrick Lamar liefert das Intro zum stampfenden Protest-Rocker „American Soul“, der zwar Wumms hat, aber doch nicht richtig zündet. Und wer Lady Gaga bei „Summer Of Love“ raushören will, der muss schon sehr die Ohren spitzen. Bei den Gastauftritten ging es wohl eher um Namen als um einen bedeutenden musikalischen Beitrag.

Der zähe Entstehungsprozess mit zahlreichen verschiedenen Produzenten hat dem neuen Album nicht geschadet. U2 besinnen sich auf alte Qualitäten, auf starke, gut produzierte Rocksongs mit eingängigen Melodien. Das Paradebeispiel dafür ist die Single „You’re The Best Thing About Me“, die geradezu gemacht ist für Auftritte in Europas großen Fußballstadien. Als der Song auf der letzten Tournee seine Live-Premiere feierte, war er noch zu neu. Aber jetzt sieht man Bono vor dem geistigen Auge schon das Mikrofon in Richtung des Publikums halten, das den Refrain zu Tausenden lautstark mitsingt. Die Frage nach der Relevanz dürfte damit beantwortet sein. Und aus Fehlern haben U2 gelernt. „Songs Of Experience“ wird nicht verschenkt.

Von MAZonline/ Philip Dethlefs

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