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Kultur „Geheimdienste heuern noch immer an Eliteunis an“
Nachrichten Kultur „Geheimdienste heuern noch immer an Eliteunis an“
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17:34 19.12.2017
Das MI6-Gebäude am Südufer der Themse, Hauptquartier des britischen Geheimdienstes. Quelle: picture alliance / dpa-tmn
London

Hannah Coler ist das Pseudonym der Historikerin und Autorin Karina Urbach, 49, die in Cambridge studiert und danach an deutschen und britischen Universitäten gelehrt hat. Ihr jüdischer Vater ging als junger Student in die USA und musste nach der Übernahme der Nazis in Amerika bleiben. Er begann, für den dortigen Nachrichtendienst zu arbeiten, kam nach Kriegsende zurück nach Deutschland und war darauf spezialisiert, Kriegsverbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Später war er im Einsatz gegen den Kommunismus. „Cambridge 5 – Zeit der Verräter“ ist der erste Roman von Karina Urbach.

In Ihrem Roman „Cambridge 5“ erzählen Sie auch die Geschichte jener Gruppe von Spionen um den legendären Doppelagenten Kim Philby, die im Auftrag der Sowjetunion den britischen Geheimdienst ausspioniert hat. Warum der Bezug zur Realität?

Mich hat fasziniert, wie aus ganz harmlosen nette Studenten aus privilegierten Familien harte Fanatiker werden können. Das ist zeitübergreifend und beschäftigt uns auch heute. Wie werden Leute umgedreht, beispielsweise von einer Terrorgruppe wie dem Islamischen Staat? Anfangs waren die Cambridge Five Idealisten, wollten eine bessere Welt. Dann plötzlich gehen sie über Leichen und verlieren alle Hemmungen.

Für die Briten ist das bis heute ein echtes Trauma.

Ja, denn Leute wie Philby gehörten zur Elite des Königreichs. Sie haben die beste Ausbildung genossen, bekamen tolle Jobs und stellten sich dann trotzdem gegen das eigene Vaterland, wurden zu Verrätern.

Trotzdem sind – im Gegensatz zu Deutschland – Geheimdienste im Vereinigten Königreich hochangesehen. Woran liegt das?

Da gibt es einen großen kulturellen Unterschied. Auf der Insel herrscht eine gewisse Bewunderung für Nachrichtendienste, weil sie im Zweiten Weltkrieg wahnsinnig erfolgreich waren. Was Agenten geleistet haben, um den Krieg zu verkürzen, wird bis heute gefeiert. In Deutschland verbinden wir mit Nachrichtendiensten dagegen immer grauenhafte Dinge wie die Gestapo oder die Stasi und keinen einzigen Erfolg. Wegen der Nazis und der kommunistischen Vergangenheit setzen wir Geheimdienste mit der Bespitzelung der eigenen Bürger gleich. Viele haben Angst, dass sie zu große Macht bekommen. In Großbritannien dagegen weiß man, wie wichtig sie sind, zum Beispiel jetzt bei der Terrorbekämpfung, damit nicht noch Schlimmeres passiert.

In Cambridge, wo auch Sie studiert haben, wurden bekannterweise viele Agenten rekrutiert, so auch Kim Philby. Ist das noch immer der Fall?

Cambridge und Oxford haben als Eliteuniversitäten eine lange Spionagetradition und man weiß, dass der MI5 und der MI6 noch immer dort anheuern. In Oxford war beispielsweise der berühmte Schriftsteller John Le Carré aktiv, der selbst zugegeben hat, als Student andere linke Studenten bespitzelt zu haben. Dahinter steckt die Idee, dass man an Unis wie in Cambridge Eliteleute rekrutieren will, die viele Sprachen sprechen, die von ihrem Hintergrund als patriotisch gelten. Zudem geht es so international zu, dass es nicht auffällt, wenn ein Doktorand oder Student mal ein paar Monate weg ist. Heute sind in Cambridge aber auch sehr viele Geheimdienste aus aller Welt zugange, etwa aus Russland oder China, um Industriespionage zu betreiben. Es gehört zu den wichtigsten Hightech-Zentren.

In Ihrem Buch führen Sie aus, dass die Rolle von Frauen in Geheimdiensten unterschätzt wird. Warum?

Judi Dench spielt die Chefin von James Bond, sonst aber wird fast nie über Frauen geschrieben und wenn, dann sind sie als Verführungsobjekte beziehungsweise Sexfallen dargestellt. Dabei gibt es kluge Agentinnen, die an Operationen beteiligt sind, weil sie psychologischer denken, meistens mehr soziale Kompetenz haben und deshalb sensibler sind, um Situationen einzuschätzen oder auch zu entschärfen. Bis heute werden Frauen leider als nicht so wichtig wahrgenommen und übersehen. Das macht sie aber auch ideal für diese Position.

Ihr Vater war selbst Agent. Wie haben Sie das erlebt?

Als Kind hab ich manchmal gemerkt, dass bei meinem schon älteren Vater etwas anders war. Offiziell arbeitete er als Ingenieur für eine amerikanische Firma in Düsseldorf, hatte aber diesen Nebenjob. Meine Mutter hat sich dafür geschämt. Sie hat die Geheimdienstwelt als etwas Schmutziges, Düsteres empfunden und wollte damit nichts zu tun zu haben. Das sehe ich anders. Natürlich müssen Geheimdienste kontrolliert werden, aber die Aufgabe eines Staates ist es, seine Bürger zu schützen. Dafür braucht man Nachrichtendienste.

Von Katrin Pribyl, RND

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