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„Geheimnis“ im Potsdamer Kunstverein Kunsthaus

Ausstellung „Geheimnis“ im Potsdamer Kunstverein Kunsthaus

Anregend und gewitzt wird das Thema „Geheimnis“ in der Ausstellung des Potsdamer Kunstvereins Kunsthaus aufbereitet. Grundlage ist die These, dass ein Geheimnis dann verlockend ist, wenn man es nicht umgehend lüftet. Knappe 20 arbeiten erzählen in Bild und Skulptur von diesem fruchtbaren Ansatz.

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Ein Geheimnis kann schön sein, erschließt sich aber meist erst auf den zweiten Blick: Eine Besucherin vor Martin Assigs „Mirakel“.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Potsdam. Das Haus war früher mal ein Pferdelazarett, die preußischen Soldaten ließen ihre Tiere aufpäppeln, den Kampf vor Augen, das Schlachtfeld im Blick. Den Puls fühlt man hier immer noch, die Diagnosen aber werden schwieriger: Es geht nicht mehr um kranke Pferde, sondern um die Gegenwart, die daran leidet, dass sie Geheimnisse umgehend lüften will. Der „Kunstverein Kunsthaus Potsdam“ verteidigt nun im umgebauten Krankenhaus das Recht, zu stauen, ohne zu verstehen.

Knapp 20 Werke loten das „Geheimnis“, so der Titel der Ausstellung, aus. Mitten im Haus ein weißer Raum, mannshoch, die Tür ist leicht geöffnet. Von drinnen leuchtet kaltes Neonlicht, man möchte dieser Quelle auf den Grund gehen. Doch wenn sich jemand nähert, schließt sich die Tür, mit leisem Knarzen. Ein Bewegungsmelder sorgt dafür, dass keiner einen Blick ins Innere des Raumes werfen kann – der Türspalt lockt, doch gibt nicht preis, was er verbirgt. Es ist ein Spiel, das bei Bedarf auch tiefere Gedanken offenbart. Die Künstlerin Jenny Brockmann hat den „scheuen Raum“, wie sie ihn nennt, entworfen. Sie sagt: „Am Ende werfen uns unsere Wünsche und Neugierden auf uns selbst zurück. Ein offener Türspalt lockt, aber letztlich zählt nur, was wir uns hinter der Tür ausmalen.“ Das Geheimnis, sagt Brockmann, sei der Anfang von Kreativität. Und diese Kreativität setze die Kunst in Gang.

Das Bild von Edward Snowden sieht aus wie eine Dollarnote

Es gibt ein Bild von Edward Snowden, dem großen „Geheimnisverräter“ unserer Zeit, der uns gezeigt hat, wie positiv so ein Verrat bei vielen Leuten wahrgenommen wird. Zumindest dann, wenn das Geheimnis eines ist, das Herrschaftswissen birgt und dazu bestimmt ist, die Macht der Eliten zu sichern. Das Snowden-Bild stammt von Gregor Cürten, es ist dem Bild einer Zeitung nachempfunden – fast ikonenhaft sieht Snowden aus, wie ein Wahrzeichen der Zivilcourage. Cürten hat mit Öl und Wachs gearbeitet, Snowden wirkt wie eingemauert, als schaue er aus einem kleinen Fenster. Die Farben des Bilder erinnern an eine Dollarnote, oben links sieht man den zarten Zahlencode: „00101101“. Ein Kürzel, das uns erzählt, wie sehr wir heute digital arbeiten, denken und unsere Geheimnisse verwalten. Festplatten sind das Ziel, es interessiert nicht mehr, heimlich in handgeschriebenen Tagebüchern zu blättern.

Ein Höhepunkt ist Peter Vogels Installation, die wie ein Stromzähler wirkt, präzise verlötet. Ein kleines Mikrofon fängt unser Lachen ein: Kybernetisch werden die Geräusche übersetzt in einer sechsstelliges Anzeige, halb Buchstabe, halb Zahl. Der willkürliche Code, gespeist von Ironie, birgt das Gefühl von tieferer Wahrheit.

Klug und gewitzt zeigt sich diese von Birgit Möckel kuratierte Ausstellung. Gerade darum, weil die Geheimnisse hier selten ausgeplaudert werden.

Info „Geheimnis“: Ausstellung im Kunstverein Kunsthaus Potsdam. Ulanenweg 9, Di 11-15 Uhr, Mi-Fr 11-18 Uhr, Sa/So 12-17 Uhr. Eintritt frei. Bis 29. Mai.

Von Lars Grote

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