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Geiger Gidon Kremer kommt nach Potsdam

Konzert Geiger Gidon Kremer kommt nach Potsdam

Starkult ist im fremd. Der lettische Geiger Gidon Kremer lebt nur für die Musik. In der Sowjetunion fiel er in Ungnade, doch auch in der BRD eckte er an. Denn unpolitisch ist er nicht. Der Putin-Kritiker feiert am Wochenende seinen 70. Geburtstag mit einem Konzert in Potsdam.

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Auf Geburtstagtour in Potsdam: Gidon Kremer

Quelle: Foto: Dpa

Potsdam. Das Wort „Stargeiger“ passt nicht zu ihm. Obwohl Gidon Kremer als einer der weltweit Besten seines Fachs gilt, sind ihm Glanz und Glamour fremd. Eine selbstgefällige Beweihräucherung anlässlich seines 70. Geburtstages ist daher nicht zu befürchten. Zwar wirft die Deutsche Grammophon eine Box mit 22 Kremer-CDs auf den Markt, der Künstler selbst jedoch nutzt den Rummel lieber, um dem talentierten Nachwuchs eine Plattform zu bieten. Doch selbstverständlich steht er bei seiner internationalen Geburtstagstournee, die am 23. April nach Potsdam führt, auch selbst auf dem Podium.

Geboren wurde Kremer am 27. Februar 1947 in Riga als Spross einer jüdisch-baltisch-deutschen Musikerfamilie. Nach dem Moskauer Studium bei dem weltberühmten Geiger David Oistrach feiert er bald große Erfolge – obwohl er sich weigert, das Klischee des üppig schwelgenden „russischen Geigentons“ zu bedienen und überdies gern neue Werke spielt. Das führt zu Repressalien. Kremer wird immer wieder mit Reise- und Auftrittsverboten belegt, bis er 1980 in die BRD auswanderte.

Doch auch im Westen eckte er bei Veranstaltern immer wieder an. So sorgte Kremer bei den pikfeinen Salzburger Festspielen für einen Eklat, weil er das beliebte Beethoven-Violinkonzert mit neu komponierten Kadenzen von Alfred Schnittke „verhunzen“ will. Auch sonst wirkt Kremers intensiver, geradliniger Geigenton wie ein Fremdkörper in der Ära Karajan, als man sich an einem strahlenden, körperlos brillanten Klangideal labte.

Kremer gibt sich nicht mit dem traditionellen Repertoire zwischen Bach und Beethoven zufrieden, sondern setzt sich intensiv für zeitgenössische Musik ein. So auch im Potsdamer Nikolaisaal, wo er Bewährtes von Mozart, Schubert und Piazzolla kombiniert mit Werken von Alfred Schnittke und dem lettischen Gegenwartskomponisten Georgs Pelecis.

Da neuartige Klänge den kommerziellen Konzertbetrieb stören wie Sand im Getriebe, schuf sich Gidon Kremer seine eigenen künstlerischen Oasen. Anfang der Achtziger gründete er ein Festival im österreichischen Lockenhaus, wo sich Musiker in spontanen Gruppierungen zum zwanglosen Kammermusizieren zusammenfinden. Ganz ohne Star-Rummel.

Zu seinem 50. Geburtstag erfüllte sich der Geiger einen weiteren Traum: Zusammen mit jungen Musikern aus Lettland, Estland und Litauen gründete er das Orchester „Kremerata Baltica“, das sich vor allem unbekannten und neuen Komponisten widmet. Das Ensemble, das gerade sein 20-jähriges Bestehen feiert, begleitet Kremer auf seiner derzeitigen Geburtstagstournee.

Auch wenn der Geiger sich eigene Nischen zur kreativen Entfaltung schafft – im Elfenbeinturm lebt er nicht. Im Gegenteil: Kremer meldet sich immer wieder politisch zu Wort. Er fordert eine offene russische Gesellschaft und protestiert gegen die autoritäre Regierung. Anders als etwa die Operndiva Anna Netrebko oder der Dirigent Waleri Gergijew, die Putins Kurs offen befürworten, erlebt man bei Gidon Kremer die Harmonie von künstlerischer und politischer Integrität.

info Gidon Kremer & friends

So 23 April 2017 20:00 Uhr

Nikolaisaal Potsdam

Von Antje Rößler

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