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15:58 01.06.2018
Gerdy Zint ist immer wieder in Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. . Quelle: Jacqueline Schulz
Berlin

Immer wieder dieser Blick. Er fixiert sein Gegenüber, legt seine Hände auf dessen Schultern, legt die Stirn in Falten, guckt grimmig. „Digger, ich bin einzigartig. Es gibt keinen wie mich.“ Dann lacht er, wedelt mit den Armen.

Ein Tatort-Regisseur hat über Gerdy Zint mal gesagt: „Er ist wie eine Lokomotive, die den Film vorantreibt.“ Viel besser lässt sich der 39-Jährige nicht beschreiben. Nehmen wir seinen aktuellen Film „In den Gängen“ (Kinostart am 24. Mai): Ein Film, der vor sich her plätschert, die Vergangenheit der Hauptfigur, gespielt von Franz Rogowski, bleibt im Dunkeln. Bis Zint seinen kurzen, effektvollen Auftritt hat – er besucht Rogowski an seiner Arbeitsstelle im Supermarkt. Zint macht seinen alten Freund von der Seite an, spielt den Macker, führt sich ekelhaft auf. Und da wird klar: Wer mit Typen wie Zint rumhängt, muss ’ne harte Vergangenheit gehabt haben.

Es ist wie bei so vielen Rollen, die Zint spielt. Er spielt sie so energiegeladen, so extrovertiert, oft mit einer Portion Wut, dass sich der Zuschauer dem Sog nicht entziehen kann. Zint schafft es, dass dank seiner kraftvollen Auftritte auch durchschnittliche Filme im Kopf hängen bleiben. „Ich mache etwas, das es noch nie gab“, beschreibt er ziemlich selbstbewusst sein Spiel. Zum Treffen kommt er in Handwerkerhose und weißem T-Shirt. Auf dem Spielplatz, wo das Foto gemacht wird, reißt er das Geschehen an sich. Mit weit aufgerissenen Augen und schwingenden Armen erzählt er von seiner Arbeit auf dem Bau und seinen Dreharbeiten. Zint ist Dachklempner, Schauspieler und Ereignis.

Vom Jugendtheater zu den Profis

Zint hat eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. Als junger Mann macht er eine Ausbildung zum Dachklempner, einige Jahre später ist er festes Ensemblemitglied an der renommierten Schaubühne in Berlin. Entdeckt wurde er auf einer Party in der Schaubühne. „Ich habe da einfach jeden angequatscht“, sagt Zint. Energiegeladen, aufbrausend, mit wedelnden Armen. Ein paar Tage später spielt bei den „Zwiefachen“, einer Jugendtheatergruppe der Schaubühne. Wenig später spielt er mit Thomas Ostermeier, jenem Regisseur, der an Schaubühne Hamlet oder Richard III. inszeniert hat. Von der Jugendbühne zu den Profis, das hat vor ihm noch keiner geschafft. Und immer wieder ist Zint im Kino oder Fernsehen zu sehen. In „Kriegerin“ zum Beispiel spielt er einen Neonazi, im „Tatort“ und im „Polizeiruf“ hat er immer wieder Rollen. Zuletzt war er an der Seite von Wotan Wilke Möhring zu sehen. Demnächst kommen mehrere Filme mit ihm ins Kino – einen davon hat Detlev Buck gedreht.

„Digger, ich habe zuviel Energie“

Das, was ihn abhebt, ist aber nicht nur sein Gespür für effektvolle Nebenrolle. „Ich bin Arbeiterklasse“, sagt er. Wenn er nicht vor der Kamera steht, schuftet er als Dachklempner auf dem Bau. „Ich brauch das als Ausgleich“, sagt er und wedelt. „Digger, ich habe zuviel Energie.“ Und dann in einem ruhigeren Moment. „Die Arbeit erdet mich.“ Er hat für sich die perfekte Mischung gefunden. Mit Kumpels und Kollegen auf dem Bau arbeiten und vor der Kamera spielen. Eine Schauspiel-Ausbildung hat Zint nicht. Er kann das auch so. Er lernt jeden Tag auf dem Bau oder wenn er sich auf der Straße umguckt.

Als Kind bekommt er zwei Jahre Hausverbot im Kadewe

Und er packt sein bewegtes Leben in seine Figuren. Zint kommt 1979 in Ost-Berlin zur Welt, vier Jahre später reist seine Mutter mit ihm und seinen Geschwister nach West-Berlin aus. Weil die Eltern Einreiseverbot in den Osten haben, werden Zint und sein Bruder zu Familienkurieren. Immer wieder fahren sie über die Grenze und versorgen die Verwandtschaft mit Geld, Kaffee, Klamotten. Gerdy Zint beschreibt sein Leben so: „Ich habe so viele Geschichten zu erzählen. Stundenlang“. Eine geht so: Als Fünfjähriger bekommt er zwei Jahre Hausverbot im Kadewe, über Woche ließen er und sein Bruder „Krieg der Sterne“-Figuren mitgehen. Nur durch einen Zufall fliegen die Brüder auf.

„Ich will immer spielen“

Auch als Jugendlicher sei er nicht einfach gewesen. Wild, umtriebig, Prügeleien. „Ich wollte immer Schwächere beschützen“, sagt er. Kloppereien blieben da nicht aus. Dann lacht er, weil ihm eine Geschichte aus Potsdam einfällt. Dort hatte er als junger Erwachsener mal auf dem Bau gearbeitet und zufällig den Chef vom „Club Charlotte“ kennengelernt. Ein paar Tage später legte er dort mit seinem Bruder auf – Hip Hop. Ein Fehler. Vor dem Club hatte sich eine Gruppe Neonazis zusammengerottet. „Da mussten wir dann ziemlich schnell abhauen.“

Wenn Zint redet, ist er ständig in Bewegung. Er dreht sich eine Zigarette, zieht einmal daran, redet weiter, vergisst die Zigarette. Wedelt mit den Armen. Eine Stunde später hat er noch dieselbe Zigarette zwischen den Fingern. Gefragt, ob er sich als Schauspieler oder Bauarbeiter sieht sagt er: „Ich will spielen. Immer.“

Von Christian Meyer

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