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00:26 08.05.2018
Die Berlinerin Gisela Baesecke vor einer Vitrine mit Leihgaben, darunter der blaue Wöchnerinnentopf mit Deckel. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Obendrauf hat ein Schmetterling seine grünen Flügel ausgebreitet. Ringsrum ist der Konfitürentopf mit lauter Blüten wie Vergissmeinnicht und Röschen bemalt. Das schöne Stück aus Sévres-Porzellan entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich.

Sonntags stellt es Gisela Baesecke aus Berlin-Wilmersdorf immer auf den Frühstückstisch. Und es erinnert die 74-Jährige an eine Episode. „Im Sommer 1980 bin ich mit einer Jugendfreundin, einer Opernsängerin, nach Venedig gereist“, erzählt sie. „Sie hat da Konzerte gegeben und von der Gage haben wir am Markusplatz ein paar kleine Antiquitäten gekauft. Bei den Preisverhandlungen hat meine Freundin plötzlich eine Arie aus ,La Traviata’ gesungen. Das hat das Herz des Händlers erweicht. Er hat den Preis für den Topf gesenkt und uns noch zum Espresso eingeladen“.

Brandenburger und Berliner brachten ihre Lieblingsstücke

Der Konfitürentopf ist jetzt als Leihgabe in der sehenswerten Ausstellung „Tischlein deck dich!“ in den Römischen Bädern im Park Sanssouci zu bewundern, die über 50 persönliche Exponate aus Privathaushalten sowie etliche aus dem Bestand der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg vereint.

Kerstin Schilling, dort Direktorin Schlossmanagement, sagt: „Wir wollten nicht bloß unsere Depots öffnen, sondern auch die Brandenburger und Berliner einladen, uns ihre Lieblingsstücke zu bringen. Es ist beeindruckend, was da alles zusammengekommen ist.“

Und was für Geschichten es doch dazu so gibt! Wie die zu jener Tasse, Untertasse und dem Teller von 1918. Die Potsdamerin Christine Tilgner hat sie von ihrer Großmutter geerbt. Diese sollte das Service der Marke „Alt-Bayern“ für eine jüdische Familie aus Litauen, die deportiert wurde, aufbewahren. Sie kam nicht zurück.

Tischgespräch über Tafelkultur

Die AusstellungTischlein deck dich!“ ist Teil des europäischen Kulturerbejahres „Sharing Heritage“ 2018, bei dem sich 19 Schlösserverwaltungen aus elf Ländern beteiligen. Zur Schau gibt es ein Veranstaltungsprogramm. So heißt es am 16. Mai um 18 Uhr „Es ist angerichtet“ – ein Tischgespräch mit Dr. Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen, SPSG, über Tafelkultur am preußischen Hof.

Am 23. Mai kann man von 18 bis 20 Uhr einen Rundgang durch die Parkgärtnerei machen und mit Blumen aus dem Garten kleine Arrangements für den Tisch gestalten. Am 3. Juni, 14 bis 17 Uhr, können Familien mit Kindern ab sechs Jahren Tafelschmuck aus Papier kreieren.

Zum Mitmachen gibt’s auch allerhand in der Ausstellung selbst. So können Besucher Teller nach Vorlagen aus der Zeit Friedrichs des Großen bemalen. Servietten falten oder einen Tisch decken. In einem Regal steht dafür alles bereit.

infoTischlein deck dich!“, bis 31. Oktober, Römische Bäder im Park Sanssouci in Potsdam, Die bis So 10 - 17.30 Uhr, letzter Einlass: 17 Uhr

Oder da ist der blaue Wöchnerinnenkrug mit bunten Blumen und güldenem Rand am Deckel aus Böhmischem Porzellan von etwa 1910, den ein Potsdamer zur Verfügung stellte. Tina Jakob-Schlossarczyk, die die Schau kuratiert hat, sagt, dass ihn einst eine Frau geschenkt bekam, die gerade entbunden hatte. „Und da war ’ne kräftige Suppe drin.“

Man kann lesen, was der Leihgeber berichtete: „Als die Wehen einsetzten, war es früher Vormittag, um die Mittagszeit wurde nach einer Hebamme geschickt. Ohne Komplikationen erblickte Tochter Gertrud an einem Septembertag, es war der 15.9. 1924, das Licht der Welt. Der Vater war wie so oft mit dem Schiff auf Fahrt ... Von der Mutter ging der Krug zur Tochter Gertrud über. Noch heute ist er in unserem Familienbesitz.“

Geerbtes, Bewahrtes der Tischkultur. Da ist auch Besteck, wie der Löffel, um 1900. Obstbauer Paul Spiess aß seit den 1940ern nur damit seine Suppe. Ganz dünn und verbeult ist das versilberte Teil deshalb mit der Zeit geworden.

Teller mit der Darstellung eines goldenen Butts aus einem Service Friedrich Wilhelm IV., KPM-Porzellan, gefertigt 1832-1834. Quelle: Bernd Gartenschläger

Prunkvoll tafelten die Könige. So gab Preußens Friedrich II. 1765 ein Tafelservice für das Neue Palais in Auftrag – quasi der Grundstock der insgesamt 21 Hofservices, die die Königliche Porzellanmanufaktur Berlin bis zu seinem Tod für die Schlösser herstellte.

Vom „Ersten Potsdam’schen Service“ wird eine reich verzierte Wärmeglocke ausgestellt. Unter ihr wurden die Gerichte auf dem langen Gang zum Speisesaal nicht kalt. Und sie war auch deswegen praktisch, weil sie die Köstlichkeiten vor dem Haarpuder der Tischdiener schützte.

Wie eine Pampelmuse sieht die KPM-Butterdose von 1763/1764 aus dem Schloss Charlottenburg aus. Ein wunderbares Beispiel für sogenannte Schaugerichte. Dereinst wurden einfach naturalistisch aus Porzellan oder Keramik geformte Speisen auf der königlichen Tafel drapiert. Als eine Art schmückende Atrappe.

Gedeck von der Festtafel im DDR-Staatsratsgebäude, das Porzellan um 1964, die Gläser um 1968. Quelle: Bernd Gartenschläger

Geschummelt wurde auch bei Staatsbanketten der DDR-Regierung. Im Staatsratsgebäude wurde festlich mit Reichenbacher Porzellan eingedeckt. Jedenfalls so der Stempel auf der Unterseite. Dabei war das Porzellanwerk Reichenbach bloß fürs kobaltblaue Dekor zuständig. Das Geschirr stammte eigentlich aus der thüringischen Manufaktur Graf von Henneberg. Aber mit Reichenbacher, das auch exportiert wurde, konnte man mehr punkten.

Von Angelika Stürmer

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