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Gespannt, gelöst, gelassen

Ausstellung in Kloster Lehnin Gespannt, gelöst, gelassen

Abstrakte Kunst macht es ihren Betrachtern nicht immer leicht. In Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) zeigen nun Isabel Kerkermeier und Elisabeth Sonneck ihre Werke, die auf figürliche Themen weitgehend verzichten. Die Arbeiten überzeugen im Kontrast zur sehr greifbaren Natur rund um den Klostersee, die jede Abstraktion ins Gleichgewicht bringt.

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„Sundowner“ von Isabel Kerkermeier, 80x30x5 Zentimeter.

Quelle: Lars Grote

Kloster Lehnin. Wenn man abstrakt malt, also auf das Greifbare, Einleuchtende und Fleischliche verzichtet, dann sollte man sich einen Ort für solche Werke suchen, der diese Weltflucht sanft und doch entschieden ausgleicht. Isabel Kerkermeier und Elisabeth Sonneck stellen ihre Arbeiten derzeit in der Galerie am Klostersee der Gemeinde Kloster Lehnin (Potsdam-Mittelmark) aus. Es sind Bilder und Installationen ohne Kopf, Bauch und Arme – eher kolorierte Gedanken als wirkliche Erfahrungen. Keine Erfahrung jedenfalls, die uns unmittelbar bekannt vorkäme aus unserem Büroalltag, vom Kind-Ins-Bett-Bringen oder aus dem abendlichen Fernsehprogramm. Manche Werke erinnern an ein fein komponiertes Testbild, aber das Testbild gibt es ja nicht mehr.

Die Galerie am Klostersee kann den Verzicht auf handfeste Motive und die Unlust auf menschliche, allzu menschliche Wechselfälle (Büro, Kindergeschrei, Fernsehprogramm) spielend auffangen. Draußen Vogelzwitschern, Tannenrauschen, kurz ein Regenprasseln. So viel wuchernde Natur – mancher wird sich freuen, in die Arme der Abstraktion unter das Dach der Galerie zu flüchten. Und sei es vor dem Sommerregen.

Ausgefranste Fasern - die Weihe der Hochkultur wird gebrochen

Isabel Kerkermeier zeigt Bilder, die im buchstäblichen Sinne angefressen wirken. Als Happs am unteren Bildrand könnte man die Lücke deuten, die „Schulterschluss“ aufweist, auf einer Werbeplane gemalt, 180x81 Zentimeter groß und zwei Zentimeter tief. Die Tiefe entsteht durch ausgefranste Fasern, die aus dem Bild heraushängen. Die Weihe der Hochkultur wird hier gebrochen, ohne präzise Rahmung hängt das Bild wie eine wettergegerbte, vom Sturm zerrupfte Fahne an der Wand.

Graue und grüne Farbtöne durchziehen das Bild, die Konturen sind nicht fassbar. Sie wirken, als wollen sie die Trocknung und die Pressung eines Laubbaumblattes illustrieren. Das wäre eine hübsche, unverhofft ironische Volte und ein Zwinkern mit Blick aufs Grün, das draußen vor der Galerie derzeit in vollem Saft steht.

Doch Kerkermeier, 1963 in Heidelberg geboren, kann auch anders. Sehr gegenständlich und in ihrem Willen zur Gestaltung überdeutlich zeigt sie die Skulptur „Sundowner“ aus Glas und unterschiedlichen Kunststoffen in den Maßen 80x30x5 Zentimeter. Sundowner ist ein alkoholisches Getränk, das man vor allem in Ländern des Südens trinkt, wenn die Sonne untergeht und man das Schauspiel wie ein Kinostück betrachtet. Der „Sundowner“ von Isabel Kerkermeier ist ein Drahtverhau, der wie ein Kleiderbügel wirkt, zwei Zacken zeigen gen Himmel, hier und dort ein buntes Tuch, zentral ein grelles Etikett vom Obst aus Spanien. Ungewohnt sinnenfroh zeigt sich die Installation, auch wenn letztlich ein zwingender Bezug, eine naheliegende Metapher fehlt.

Paris, Ottersberg, Lehnin

Isabel Kerkermeier wurde 1963 in Heidelberg geboren. Sie studierte an der Kunstakademie Stuttgart. Stipendien führten sie nach New York und Paris.

Elisabeth Sonneck wurde 1962 in Bünde/Westfalen geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung im Buch- und Kunsthandel in Bremen und studierte an der Fachhochschule für Kunst in Ottersberg (Niedersachsen).

Die Galerie am Klostersee (Am Klostersee 12b, 14797 Kloster Lehnin, Tel.   03382/734123 ) ist Teil des Instituts für Kunst und Handwerk e.V., das 1991 vom Maler und Bildhauer Eckhart Haisch gegründet wurde.

Die Ausstellung von Kerkermeier und Sonneck ist bis 7. September zu sehen, Di bis So 11 bis 18 Uhr.

Erhaben gibt sich schließlich Kerkermeiers „Ariadne“ aus Stahl, Lack und verschiedenen Kunststoffen, gut drei Meter hoch. In der griechischen Mythologie war Ariadne die Gattin des Weingottes Dionysos, sie half Theseus, den Minotaurus – ein Wesen mit menschlichem Körper und Stierkopf – zu besiegen. In Kloster Lenin wiederum scheint die Installation „Ariadne“ selbst diesen Zwitter aus Mensch/Stier darzustellen, gefertigt mit den Mitteln der ausrangierten Designermöbel. Hinter dem Werk das Fenster zum See, dort leben Enten und Schwäne. Wie mit einfachen Schwüngen gemalt, stehen sie als Gegenthese zur hochkünstlichen Formung von Kerkermeiers Figur.

Die Arbeiten von Elisabeth Sonneck, 1962 in Westfalen geboren, sind weniger zugänglich, scheinen stärker aus der Theorie geboren. Sie reiht Farbfacetten aneinander, stellt die Bilder lose in den Raum, rollt sie zuweilen aus, wie eine Treppe, und lehnt sie wiederum an eine echte Treppe. Gedankenspiele. Anmutig, aber auch beliebig.

Unterm Strich freilich ist abstrakte Kunst gut aufgehoben in einem Ort wie Kloster Lehnin. Ein Kloster hält sich ans biblische Gebot: Du sollst dir kein Bildnis machen! Zumindest kein konkretes.

Von Lars Grote

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