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Gila Lustiger: Ohne Klassenkampf keine Integration

Neuerscheinung Gila Lustiger: Ohne Klassenkampf keine Integration

Die deutsche Schriftstellerin Gila Lustiger lebt in Paris. „Erschütterung“ heißt ein Buch, das sie nach den Attentaten vom 13. November 2015 geschrieben hat und das der Berlin-Verlag kurzfristig druckte. Die Autorin schildert ihre Gedanken zum Flüchtlingsproblem und fragt nach den Ursachen des Terrors. Dabei zieht sie erstaunliche Schlüsse.

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Gila Lustiger in einem Pariser Café (Motiv vom Buchcover).

Quelle: promo

Paris. Die großartige deutsche Schriftstellerin Gila Lustiger lebt in der „Hauptstadt der Abscheulichkeit und der Perversion“. So nannten die islamistischen Terroristen Paris, um die Massaker am 13. November 2015 zu rechtfertigen. Mit „Erschütterung“ legt die 52-Jährige eine Selbstverständigungsschrift vor, wie sie aktueller nicht sein könnte. Auch die Kölner Silvester-Ereignisse finden in ihrem Buch Beachtung. Mit den Lesern teilt Gila Lustiger die Einschätzung, dass die Ängste vor Terror und vor Einwanderern die westlichen Gesellschaften spalten.

Gila Lustiger zieht zwei gedankliche Bögen. Der eine ruft die dreiwöchigen Jugendkrawalle in Erinnerung, die 2005 in 300 französischen Vorstädten wüteten. Ein sprachloser Mob setzte damals 10 000 Autos, 230 Schulen und auch Bibliotheken in Brand. Statt nach Paris zu marschieren und das Zentrum der Macht zu attackieren, zerstörten die Einwanderer-Kinder ihre Lebenswelt.

„Die Plattenbauten wurden für Arbeiter geschaffen, nicht für Arbeitslose“, stellt die Autorin fest. Durch das Beziehen von Sozialhilfe ohne Gegenleistungen sei kein respektvolles Verhältnis entstanden. Die Tochter des Historikers Arno Lustiger wirft den linken Parteien vor, dass sie „die Einwandererkinder nicht in den sogenannten Klassenkampf“ einbinden. Die brutalen Angriffe auf ein Café, ein Fußballspiel und ein Rockkonzert hätten den „Sinnbildern des Wohlfahrtsstaates“ gegolten. Die Migranten vegetierten ohne Glücksversprechen auf eine bessere Welt. Alles, was sie zu verlieren hätten, sei ihre „Ehre“. Im Terror aus einer „faschistoid rückwärtsgewandten Weltsicht“ sieht sie „die radikalste Integrationsverweigerung“.

Die Jüdin bedient sich in der leicht lesbaren Abhandlung auch geistesgeschichtlicher Motive. Der Flüchtlingsstrom erinnert sie den Exodus des israelischen Volkes aus Ägypten. Sie argumentiert mit Moses und mit Kafka und erwähnt auch, dass heute bereits 30 Millionen Muslime friedlich in Europa leben (fünf Millionen in Frankreich). Ihr Fazit? „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.“ Die Eliten sollten durchlässiger werden.

Gila Lustiger: Erschütterung. Über den Terror. Berlin Verlag, 160 Seiten, 16 Euro.

Von Karim Saab

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