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Glanzpunkt der Hippie-Ära

Rockoper Jesus Christ Superstar in Berlin Glanzpunkt der Hippie-Ära

Die Rockmusik konnte mit dem Musical „Jesus Christ Superstar“ Anfang der 1970er eindrucksvoll ihren Anspruch untermauern, auch das Musiktheater zu revolutionieren. Den Soundtrack der neu erzählten Kreuzigungsgeschichte schuf übrigens der damals noch unbekannte Komponist Andrew Lloyd Webber. Dafür griff er viele unterschiedliche Musikstile auf.

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Glenn Carter als Jesus Christ Superstar.

Quelle: Pamela Raith

Berlin. Mit dem Musical „Jesus Christ Superstar“ konnte die Rockmusik Anfang der 1970er eindrucksvoll ihren Anspruch untermauern, auch das Musiktheater zu revolutionieren. Ein großer Stoff, nämlich die biblische Kreuzigungsgeschichte, wurde anhand von 26 Liedern neu erzählt.

Dabei setzte der damals noch unbekannte Komponist Andrew Lloyd Webber keinesfalls nur auf laute Gitarrenmusik. Der Soundtrack beeindruckt noch heute durch die vielen Stimmungs- und Rhythmuswechsel und die Vielfalt der musikalischen Farben. Die Rockoper greift ganz unterschiedliche Stilistiken auf – Soul und Blues, Ragetime und Charleston, gefühlvolle Balladen und geradlinigen Rock’nRoll. Die lyrisch-ekstatische Grundstimmung der Hippie-Zeit wird durch einen Chor geschürt, der sowohl Gospel anstimmt wie auch gregorianische Gesängen und am Ende vibrierende Cluster. Das Stück wurde 1971 am Broadway in New York uraufgeführt und erlebte parallel in London 3358 Aufführungen. Es wurde auch häufig in Westdeutschland inszeniert. DDR-Bürger konnten die Songs bestenfalls im Radio hören oder die Verfilmung im Westfernsehen sehen. Ihnen und den nachfolgenden Generationen, die sich für die Kulturrevolution der 68er-Generation interessieren, bietet sich nun für knapp eine Woche in der Deutschen Oper die Gelegenheit, eine Rekonstruktion der Londoner Aufführung zu erleben.

Bühnenbild und Kostüme sind historisierend angelegt und erinnern an kitschige, christliche Bilderbücher der 1960er Jahre. Die Blumenkinder hatten ein Faible für die langen weiten Gewänder der Jesus-Zeit. Der Orient wird auf der Bühne recht rustikal und düster dargestellt. Über eine Treppenanlage, die natürlich auch als Showtreppe dient, erfolgt der Einzug der Jesus-Leute in Jerusalem. Später markieren die Stufen die hierarchischen Machtverhältnisse im Römischen Herrschaftspalast in Jerusalem, in dem der Priester Kajaphas und der römische Statthalter Pontius Pilatus über Jesus richten. Jesus wird ganz und gar als sinnenfroher Mensch stilisiert. Mit der theologischen Interpretation des biblischen Mythos vermag das Musical sicher auch heute noch den ein oder anderen Christen vor den Kopf zu stoßen. Der Zuschauer bekommt das Geschehen aus der Perspektive des Judas vermittelt, der allen Grund hat, an Jesus als geweissagten Messias zu zweifeln. Denn der lässt sich offenbar auf ein Liebesverhältnis mit der ehemaligen Prostituierten Maria Magdalena ein, die dann auch eine süßliche Schnulze anstimmt, in der es heißt „He is just a man“ („Er ist nur ein Mann“). Die Zuschauer werden dann zum Glück mit dem mitreißenden Lied Blood Money (Blutgeld) in die Pause geschickt. Atemberaubend geht es in der zweiten Hälft zur Sache. Die Leidensgeschichte wird in dieser Inszenierung, dramaturgisch gekonnt, dem Zuschauer wirklich nahe gebracht. Auf die Verspottung Jesu in Form einer vergnügten Revue, durchbrechen 39 Peitschenhiebe die Stille. Später singt Judas unplugged zur Gitarre sein Lied der Reue. Schließlich wird Jesus in naturalistischer Darstellung wirklich auf ein Kreuz genagelt, das noch am Boden liegt und dann aufgerichtet wird.

„Jesus Christ Superstar“ war im Berliner Raum lange nicht zu sehen. Nun bietet sich die Gelegenheit, den Klassiker der Musicalgeschichte in einer originalgetreuen Inszenierung zu erleben.

Die Konzerttermine: 29.7. bis 1.8., jeweils 20 Uhr. 1. 8. 15 Uhr, 2.8. 14 und 19 Uhr. Deutsche Oper Berlin, Bismarckstraße 35, Berlin-Charlottenburg. Karten unter 0331/2840284. MAZ-Ticketeria

Von Karim Saab

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