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Göran Gnaudschun auf der Straße

Ausgezeichneter Potsdamer Fotograf Göran Gnaudschun auf der Straße

Dreieinhalb Jahre brachte Göran Gnaudschun Tage und Nächte rund um den Berliner Alexanderplatz zu. Bei jungen Menschen, die mit Obdachlosigkeit und Sucht kämpfen. Die Gemeinschaft suchen. Gnaudschuns Fotografien machten den Potsdamer bundesweit bekannt. Der 44-Jährige erhielt den Rom-Preis. In Italien will er seine Erkundungen bald fortsetzen.

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Dieses Foto ist Teil der Erfolgsserie „Vorher müsst ihr uns erschießen“ (1996–2000).

Quelle: Gnaudschun

Potsdam. Die Fotos der Gestalten, die ihre Tage und Nächte rund um den Berliner Alexanderplatz verbringen, haben Göran Gnaudschun im vergangenen Jahr deutschlandweit bekannt gemacht. Jetzt ist dem Potsdamer der Rom-Preis verliehen worden, der als eine der höchsten Auszeichnungen für Künstler in Deutschland gilt. Vom Klischee der „Punks vom Alex“ will er nichts hören. „Das sind Jugendliche und junge Erwachsene, die mit der Obdachlosigkeit und Süchten kämpfen. Die treffen sich am Alex, weil sie dort eine Gemeinschaft finden. Nur eine der Identitäten, die sich die Leute dort zulegen, ist Punk“, sagt Gnaudschun. Dreieinhalb Jahre war er regelmäßig vor Ort, hat nach und nach die Menschen kennengelernt, fotografiert und auch über ihre Lebenswege interviewt. „Diese Arbeit wurde oft als Reportage bezeichnet, das ist es aber nicht. Ich nehme die Geschichten, die mir die Menschen dort erzählt haben hin, mache aber keine Gegenrecherchen. Wenn ich neben den Bildern ihre Geschichten aufschreibe, hat es eher etwas Literarisches“, sagt der 44-Jährige.

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Der Potsdamer Fotograf Göran Gnaudschun hat den Rom-Preis für seine Fotografien erhalten. Bekannt wurde er mit seinen Eindrücken der Potsdamer Hausbesetzerszene und Porträts von Menschen, die am Berliner Alexanderplatz leben. Jetzt wird er neun Monate in Rom verbringen und die Welt der römischen Jugendlichen kennenlernen, denn in seinen Fotografien versucht er das Potenzial junger Menschen auszudrücken.

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Seine eigene Vergangenheit in der linken Szene war seine Eintrittskarte in diese Welt, die sich nicht gerne fotografieren lässt. In den Neunziger Jahren war Göran Gnaudschun Mitgründer und Gitarrist der Punkband „44 Leningrad“. Dieser Name verschaffte ihm am Alex Zugang. Die Band war es aber auch, die am Anfang seiner Karriere als Fotograf stand. 1989 besetzt der damals 18-Jährige erstmals mit Freunden ein Haus im vollkommen heruntergekommenen Holländischen Viertel in Potsdams Innenstadt. Seine Jugend hatte er in einem Potsdamer Plattenbauviertel verbracht. Seine Eltern waren Ingenieur und Bauzeichnerin, er selbst absolvierte eine Lehre zum Wasserbauer. Doch als die Mauer fällt, sucht er ein anderes Dasein. „Davon gibt es kaum Fotos. Das war für uns ja das normale Leben.“, erzählt Gnaudschun. Doch spätestens bei den Konzerten seiner Band fällt ihm die Ästhetik der Punkszene auf, „ich hatte gemerkt, dass ich diese Zeit festhalten muss und zwar mit dem subjektiven Innenblick als Musiker.“

Der Rom-Preis

Der Rom-Preis wird seit 1913 vergeben. Damals schenkte der Berliner Unternehmer und Kunstmäzen Eduard Arnhold die gerade von ihm erbaute Villa Massimo in Rom samt Stiftungskapital dem preußischen Staat.

Anfangs waren nur Bildende Künstler, später auch Architekten, Literaten und Komponisten zu kostenfreien Aufenthalten in der Villa eingeladen. Die gegenseitige künstlerische Anregung ist ein wichtiger Gedanke dieser „Deutschen Akademie“ in Rom.

Mittlerweile wird der mit einem Stipendium verbundene Preis von der Kulturstaatsministerin Monika Grütters vergeben. Er gilt als eine der wichtigsten deutschen Kunst-Auszeichnungen.

Unter den bisherigen Preisträgern finden sich der Architekt Hans Poelzig, der Maler und Bildhauer Anselm Kiefer, sowie die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller.

Göran Gnaudschun ist nicht der erste Rom-Preisträger aus Brandenburg. 2011 wurde diese Ehre auch dem Schriftsteller Lutz Seiler („Kruso“) zuteil, der in Wilhelmshorst bei Potsdam lebt.

Der Bildsprache dieser Zeit war es egal, ob Fotos körnig oder sogar unscharf waren, „Hauptsache farbig und wild. Beim Entwickeln dachte ich nur: Ich fotografiere genau so wie ich lebe“, beschreibt er diese Zeit. 1994 wird Gnaudschun zum Fotografie-Studium an der Leipziger Hochschule für Buchdruck und Gestaltung zugelassen. Direkt danach erhält er ein erstes Stipendium. „Ich hatte mein Diplom in der Tasche, den Dispo ausgereizt und dann kam die Einladung ein Jahr im Künstlerdorf Worpswede zu verbringen.“ In Potsdam fotografierte er die Porträts von Hausbesetzern, in der Ruhe des niedersächsischen Künstlerdorfes sortierte er die Bilder für seine erste große Publikation: „Vorher müsst ihr uns erschießen“ zeigte schon damals einen intimen Einblick in eine eigene Welt.

Göran Gnaudschunin seinem Potsdamer Atelier

Göran Gnaudschunin seinem Potsdamer Atelier.

Quelle: Peter Degener

Mittlerweile ist Gnaudschuns Leben bürgerlicher geworden. Er ist mit der Fotografin Anne Heinlein verheiratet. Mit ihren drei Kindern lebt die Familie in einer großzügigen Potsdamer Wohnung. Neben seinen künstlerischen Arbeiten nimmt Gnaudschun auch Aufträge am Theater an und reproduziert Gemälde für private Sammler. Als Liebhaber von Renaissance-Kunst finden sich in Gnaudschuns Serien viele klassische Posen. „Diese eigenartige Würde von Herrscherporträts löst im Betrachter auch dann etwas aus, wenn er die Menschen vom Alexanderplatz anschaut. Sie bleiben ihm dann dank dieser Aura nicht fremd“, erklärt er die Wirkung seiner Erfolgsserie.

Das einjährige Stipendium, das ihm der Rom-Preis an der dortigen Villa Massimo ermöglicht, möchte er für eine Arbeit mit römischen Jugendlichen nutzen: „Im Gesicht eines Jugendlichen scheint das Mögliche eines Lebens am besten auf. Das sind offene Porträts in denen der Betrachter selber erforschen kann, was aus diesen Menschen wohl einmal werden wird.“

Von Peter Degener

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