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"Gott liebt Cowboys"

BossHoss Sascha "Hoss Power" Vollmer über den Ruhm, Elvis, das bandeigene Bier und Castingshows "Gott liebt Cowboys"

The BossHoss aus Berlin kreieren unverwechselbare Rock- und Popsongs mit Versatzstücken von Blues, Country, Calypso, Funk und Soul. Nachzuhören ist das auf dem neuen Album "Flames Of Frame". Darüber hinaus sucht Sascha "Hoss Power" Vollmer (42) auf Sat.1 und ProSieben gerade wieder "The Voice of Germany".

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Sascha von The BossHoss.

Quelle: Erik Weiss

Berlin. MAZ: Herr Vollmer, Ihr neues Album heißt "Flames Of Fame", "Flammen des Ruhms". Wie gehen Sie mit dem Ruhm um?
Sascha Vollmer: Wir nehmen unsere Musik schon ernst, uns selber manchmal nicht. The BossHoss spielen gern mit Klischees. Die Flammen des Ruhms können extrem heiß und verlockend sein, aber man muss aufpassen, sich daran nicht zu verbrennen. Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir in einem Haifischbecken schwimmen, sind aber lange genug dabei, um damit souverän umzugehen.
 

In "God Loves Cowboys" stellen Sie sich ironisch auf eine Stufe mit Gott. Glauben Sie, dass Sie jetzt noch in den Himmel kommen?
Vollmer: Wir haben keine Angst vor dem Höllenfeuer! Aber ich finde, es ist Fakt, dass Gott Cowboys liebt. Wir sind quasi gesegnet mit dem, was wir da tun, weil so viel zurückkommt. Wenn es einen Gott gibt, dann mag er Großstadtcowboys wie uns. Die logische Folgerung daraus wäre: Wenn du dich mit Cowboys anlegst, dann legst du dich gleichzeitig mit Gott an!

Ist das Streben nach Ruhm Antrieb zum Songschreiben?
Vollmer: Wir streben nicht nach Ruhm, wir sind in erster Linie Musiker. Der Spaß ist das Benzin für unseren Motor, der schon sehr früh zu laufen anfing. Wenn man Glück hat, kommt irgendwann der Ruhm. Wir haben eigentlich gar nicht mehr daran geglaubt. Vor The BossHoss waren wir beide Grafiker und haben in verschiedenen Bands gespielt. Ruhm war nie der Antrieb beim Songschreiben. Aber wenn man nebenbei auch noch berühmt wird, sagen wir nicht nein.
Welche Zeilen waren diesmal besonders schön und versprachen Ruhm?
Vollmer: "What If"! Dieser tiefgehende Song beschreibt, was passiert, wenn jemand von heute auf morgen einfach weggeht. Besonders am Herzen liegt mir auch "My personal Song". Jeder sollte einen besonderen Song haben, der einen eine Zeitlang im Leben begleitet.

Welches ist Ihr "personal Song"?
Vollmer: Bei mir ist es kein Song gewesen, sondern ich habe die Musik von Elvis Presley für mich entdeckt. Davon handelt die Nummer "Still Crazy 'Bout Elvis" von unserem letzten Album. Und das kam so: Mein Vater hatte 1977 im Supermarkt eine Kassette mit den besten Songs von Elvis gekauft, nachdem ich im Bahnhof von Heidenheim, wo ich herkomme, ein riesiges Plakat mit der Aufschrift "Elvis lebt!" gesehen hatte. Dieses Bild und diese Kassette haben sich in mein Gedächtnis gebrannt.

"Do It" klingt wie eine Hommage an Stevie Wonder. Haben Sie in Amerika den Soul für sich entdeckt?
Vollmer: Direkt in Amerika nicht. Wir gelten als Countryband, aber wir sind viel mehr. Durch die Verwendung eines Clavinets, das insbesondere durch Stevie Wonder etabliert wurde, konnten wir unser musikalisches Spektrum noch erweitern. Viele wissen gar nicht, dass es ein uraltes Zupfinstrument ist, sondern halten es für einen modernen Synthie. Ein Clavinet ist ein Klavier, bei dem die Saiten nicht gehämmert, sondern gezupft werden. Wir haben zudem schräge Instrumente wie Theramin oder Stylophon ausprobiert. Letzteres ist ein analoger Synthie aus den 1960ern.

Steht "Do It" für die Idee, dass jeder einzelne seinen Lebensstandard durch Entschlossenheit, harte Arbeit und Begabung entscheidend verbessern kann?
Vollmer: Nicht lang schnacken - Kopf in’n Nacken: do it! Wir haben nie lange überlegt, was die Nachbarn oder die Kollegen über uns denken. ,Seid ihr wahnsinnig’, hieß es zu Anfang oft. Wenn man aber voll hinter dem steht, was man macht, dann ist man dem Ziel schon entscheidend näher gekommen.

Das Album wurde einerseits in Berlin, andererseits in einem Studio nahe Los Angeles aufgenommen. Haben Sie zwei Heimaten - eine reale und eine gefühlte?
Vollmer: Wir haben am Prenzlauer Berg in Berlin unser eigenes Studio. Hier entsteht eigentlich alles. Die Inspiration kommt immer von ganz allein. Wir sind in den vergangenen zehn Jahren sehr viel rumgekommen - von Moskau bis Los Angeles. Vor zwei Jahren sind wir durch Texas getourt, die Musik und die Kultur, die wir dort eingeatmet haben, fanden wir beeindruckend. Für dieses Album wollen wir den Easy Rider wieder auf die Straße bringen, allerdings in unserem Stil. Durch eine Brandenburger Kiesgrube zu fahren ist nicht das gleiche wie über die kalifornischen Highways zu düsen. Also sind wir dorthin gefahren und haben bei der Gelegenheit gleich das Schlagzeug in einem Studio bei L.A. aufgenommen.

Und in Kalifornien kamen Sie dann auf die Idee, ein eigenes Bier auf den Markt zu bringen?
Vollmer: Wir sind die erste Band in Deutschland, die sowas tut. Wir trinken einfach gerne Bier - auch auf der Bühne. Wir waren mal mit dem Babelsberger Filmorchester auf Tour. Die Musiker waren geschockt und positiv überrascht, dass sie als Geiger und Cellisten bei uns auf der Bühne Bier trinken durften. Das war ihnen sonst immer verboten.

Und wie kamen Sie schließlich zu Ihrem Bier?
Vollmer: Eine Brauerei aus Eschwege kam auf uns zu. Das war für uns ein Zeichen. Wir haben nicht gleich Ja gesagt, sondern erst viele Bierproben gemacht. Am Ende entschieden wir uns für ein Pils, es ist sehr malzig und nicht zu herb. Diese Braumischung gibt es nur unter unserem Namen, The BossHoss Beer. Wir wollen damit nicht den fetten Euro machen, eigentlich ist es nur ein Gag.

Auf Sat.1 und ProSieben suchen Sie bereits zum dritten Mal "The Voice of Germany". Weshalb halten Sie einer Castingshow die Treue?
Vollmer: Zuerst hielten wir überhaupt nichts von Castingshows, weswegen wir die Anfrage sofort absagten. Dann hakte unsere Plattenfirma nach, aber wir waren immer noch nicht wirklich überzeugt. Erst nachdem wir uns DVDs mit der holländischen und amerikanischen Version von "The Voice" angesehen hatten und uns versichert wurde, dass es sich um keine Freakshow handele, bei der sich der Zuschauer fremdschämt, waren wir überzeugt. Bei "The Voice" wird tatsächlich niemand vorgeführt. Und dann hat unser Team mit Ivy Quainoo auch noch die erste Staffel gewonnen! Ivy ist eine ernstzunehmende Künstlerin, die gerade ihre zweite Platte veröffentlicht hat.

Haben Sie sich selbst schon mal coachen lassen?
Vollmer: Als Kind hatte ich Klavier- und Geigenunterricht und spielte in einem Orchester. Die Liebe zur Musik habe ich aber erst richtig entdeckt, als ich mir eine Gitarre geschnappt und zusammen mit Schulfreunden eine Band gegründet hatte. Einen Band-
coach hat es bei mir nie gegeben.

Wollten Ihre Eltern, dass Sie Orchestermusiker werden?
Vollmer: Sie fanden es natürlich toll, dass ich in einem Orchester spielte, aber sie sahen mich nicht als Berufsmusiker. Sie sagten immer: ,Junge, lern was Anständiges!’ Ich bin trotzdem lieber in den Proberaum gegangen als zur Schule oder zur Arbeit. Ich möchte nicht behaupten, dass Eltern immer Unrecht haben, ich hatte einfach Glück. Es gibt viele gute Musiker, doch nur ein kleiner Prozentsatz kann von der Musik leben. Deshalb macht es keinen Sinn, eine Ausbildung der Musik wegen abzubrechen.
Interview: Olaf Neumann
The BossHoss: Flames Of Fame. Island/Universal.

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