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Grabstein für Günter Grass errichtet

Literatur Grabstein für Günter Grass errichtet

Am 29. April wurde Literaturnobelpreisträger Günter Grass in Behlendorf bei Lübeck beigesetzt. Jetzt wurde der Grabstein errichtet. Ob Grass, der selber Steinmetz gelernt hatte, noch Vorgaben für die Gestaltung machte, ist nicht bekannt.

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Ein schlichter Grabstein für Günter Grass.

Quelle: Markus Scholz

Behlendorf/Lübeck. Ein halbes Jahr nach der Beisetzung von Günter Grass schmückt seit dem Wochenende ein schlichter Grabstein die letzte Ruhestätte des Literaturnobelpreisträgers auf dem Friedhof in Behlendorf im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Auf dem grauen Grabstein in Form eines Felsens stehen lediglich der Name Günter Grass und die Lebensdaten 16.10.1927 - 13.4.2015.

Ob Grass Vorgaben für die Gestaltung seines Grabsteins gemacht hat, ist öffentlich nicht bekannt. Das Ratzeburger Unternehmen, das den Stein erstellte, machte hierüber keine Angaben.

Grass hatte 1947 das Steinmetz-Handwerk in zwei Betrieben in Düsseldorf selber gelernt und viele Grabsteine bearbeitet, wie er in seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" (2006) berichtet. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit schuf Grass, der an den Kunsthochschulen in Düsseldorf und Berlin studierte, als bildender Künstler auch Skulpturen, Aquarelle, Zeichnungen und Grafiken.

Schwielen, Hornhaut, verhärtete Muskeln: "Zünftig wie ein Handwerker sah ich aus und konnte mir einreden, notfalls, etwa im Fall des politischen Rückfalls, der abermals verhängten Zensur und des staatlich verordneten Schreibverbots, als Steinmetz meine Familie ernähren zu können", schrieb Grass in "Beim Häuten der Zwiebel". "Denn das ist allgemein bekannt: weil der Tod keine Pause kennt, wird nach Grabsteinen selber in Notzeiten verlangt."

In seinem Welterfolg "Die Blechtrommel" lässt Grass seinen Romanhelden Oskar Matzerath ebenfalls als Steinmetz arbeiten. Bei der Bewerbung um die Anstellung will der bucklige, kleinwüchsige Oskar dem Betriebschef schmeicheln: "Ihre Grabsteine gefallen mir außerordentlich." Die lakonische Antwort in rheinischer Mundart: "Dat soll man nicht laut sage, sonz kriecht man ehn druppjestellt."

Grass war am 13. April in einem Lübecker Krankenhaus im Alter von 87 Jahren an den Folgen einer schweren Infektion gestorben. Die Beisetzung fand am 29. April im engsten Familienkreis statt - ohne religiöse Zeremonie. Grass, als Kind katholisch aufgewachsen, war aus der Kirche ausgetreten. Mehr als ein Vierteljahrhundert hatte Grass am Rande von Behlendorf, gut 20 Kilometer südlich von Lübeck, gelebt. Die große Trauerfeier mit Bundespräsident Gauck fand am 10. Mai in Lübeck statt.

Der kleine Friedhof ist wie ein großer Rasenteppich mit Gräbern um die örtliche evangelische Kirche herum angelegt. Das Gotteshaus im romanisch-gotischen Stil stammt aus dem 13./14. Jahrhundert und ist überwiegend aus Feldsteinen, aber auch aus Backstein gebaut. Vor der Kirche steht ein Denkmal aus Granit für die Toten des Ortes in den beiden Weltkriegen.

Sein Gedicht "Des Wiederholungstäters halbherzige Beichte" lässt Grass mit dieser Strophe enden: "So will ich denn mit meinen nachgeschminkten Sünden/mir Richter suchen unter Tauben, Stummen, Blinden./Ein Rest soll bleiben und als Mehrwert oder Hypothek/wenn ich mich fügsam in die Erde leg/mein Grabstein sein, für Freund und Feind zu finden."

dpa

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