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Gregor Gysi zeigt „Rosen für den Staatsanwalt“

Cinéma privé im Filmmuseum Potsdam mit radioeins und MAZ Gregor Gysi zeigt „Rosen für den Staatsanwalt“

“Rosen für den Staatsanwalt“ ist eine bitterböse Komödie über die Nazi-Vergangenheit, die Wolfgang Staudte 1959 in der Bundesrepublik gedreht hat. Gregor Gysi hat sie schon immer gut gefallen. Am Freitag zeigt er sie im Potsdamer Filmmuseum. Der MAZ hat er erzählt, was ihn an dem Film fasziniert.

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Martin Held als Oberstaatsanwalt Dr. Wilhelm Schramm (r.) in Wolfgang Staudtes Nachkriegskomödie „Rosen für den Staatsanwalt“.

Quelle: Kurz Ulrich

Potsdam. Sein Lieblingsfilm? Na ja, unter den Filmen aus der Bundesrepublik ist „Rosen für den Staatsanwalt“ von Wolfgang Staudte aus dem Jahr 1959 auf alle Fälle einer von denen, die ihm am besten gefallen, sagt er. Am Freitag wird Gregor Gysi ihn in der von radioeins und MAZ präsentierten Reihe Cinéma privé im Potsdamer Filmmuseum vorstellen.

 

Quelle:

Gysi sitzt in seiner Kanzlei in einer Seitenstraße hinterm Berliner Ku’damm. Eine noble Gegend, in der der Linken-Politiker seinem zweiten Beruf als Anwalt nachgeht. Ateliers, Juweliergeschäfte, Antiquitätenhändler, ein Degussa-Goldhandel residieren hier. Oben in der Kanzlei ist es betont schlicht. Im Wartezimmer ein fast leeres Regal mit etwas Kinderspielzeug, Zeitschriften vom konservativen „Cicero“ bis zur „ADAC-Motorwelt“.

Über Kino, nicht um Politik soll es also gehen. Gysi empfängt mit jovialer Gestik und schwärmt sogleich von den vielen Filmen, die ihm so gut gefallen: Seine Lieblingskomödie „Manche mögen’s heiß“ von Billy Wilder (USA 1959), der Italo-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone (Italien/USA 1968) oder „Das Wirtshaus im Spessart“ von Klaus Hoffmann (BRD 1958) sind darunter. „Das sind doch großartige Filme“, sagt er und nennt sofort den nächsten – endlich ein Film aus dem Osten: den in der Sowjetunion 1969 gedrehten Streifen „Leuchte mein Stern, leuchte“ über einen Wanderschauspieler im russischen Bürgerkrieg.

 Gregor Gysi

Gregor Gysi.

Quelle: dpa

Und kein Defa-Film? Doch, da habe es auch gute Sachen gegeben – „Die Mörder sind unter uns“ von Wolfgang Staudte mit Hilde Knef, gleich der erste Defa-Film 1946 oder „Ehe im Schatten“ von Kurt Maetzig ein Jahr später über einen Schauspieler, der sich in der Nazi-Zeit weigerte, sich von seiner jüdischen Frau zu trennen. Zwei Filme, in denen die deutsche Vergangenheit aufgearbeitet wurde. Filme die zeigten, dass die DDR das Thema viel konsequenter angepackt habe. „Im Westen hat das ja bis 1968 gedauert“, gibt Gysi zu bedenken.

„Rosen für den Staatsanwalt“ sei da eine der wohltuenden Ausnahmen. Der Film mit Walter Giller als Straßenhändler Rudi Kleinschmidt und Martin Held als Dr. Wilhelm Schramm, Oberstaatsanwalt in einer westdeutschen Kleinstadt, ist eine Klamotte mit bitterem Hintergrund. Kleinschmidt wurde kurz vor Kriegsende von Schramm zum Tode verurteilt, weil er zwei Päckchen Schokolade geklaut hatte. Ein Luftangriff verhindert die Hinrichtung und Kleinschmidt, dem bei einer Explosion groteskerweise sein eigenes Todesurteil mit Schramms Unterschrift vor die Füße fällt, kann fliehen. Nun treffen sie wieder aufeinander. Doch „wenn ein großer Mann und ein kleiner Mann zusammenstoßen?“ – Kleinschmidt schwant von Anfang an nichts Gutes. Der Showdown endet im Gerichtssaal, weil Kleinschmidt erneut Schokolade geklaut hat, doch Oberstaatsanwalt Schramm ist von dem Déjà-Vu so durcheinander, dass er versehentlich erneut die Todesstrafe fordert.

„Großartig“ freut sich Gysi und klatscht sich auf den Oberschenkel. Das ist wirklich gute Unterhaltung, findet er. Da komme ein Film mit einem hochpolitischen Thema ganz ohne Pädagogik aus. Solche Filme wurden auch in der DDR gezeigt – mit klaren politische Interesse versteht sich. „Aber das Schöne war“, sagt Gysi, „dass wir aus dem Westen nur die guten Filme zu sehen bekamen.“ Denn 90 Prozent sei ja nun mal Schrott gewesen – wie im Osten übrigens auch. „Nur: die Ost-Filme kriegten wir alle vorgesetzt.“ – abgesehen von denen freilich die gleich verboten wurden.

Warum gibt es eigentlich über die Schrecken der DDR nur seichte Komodien und nichts derart Bissiges? Gysi weiß die Antwort: Weil die Ostdeutschen nur ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen und die anderen vier Fünftel meinen, besser Bescheid zu wissen. Da lacht er lieber über Nazi-Komödien: „Das ist unser gemeinsames Schicksal.“ Und schieb sofort die Szene aus „Das Spukschloss im Spessart“, der Fortsetzung des Wirtshauses, hinterher, wo der Richter auf den Tisch haut, dass der Bundesadler von der Wand fällt und darunter ein Hakenkreuz hervorlugt.

Wie häufig gehen Sie eigentlich ins Kino, Herr Gysi – jetzt, da Sie im November den Fraktionsvorsitz Ihrer Partei abgegeben haben und doch mehr Zeit haben müssten? Gar nicht. Er tingelt von Talkshow zu Talkshow. Demnächst will er sich wöchentlich einen Tag frei nehmen, im kommenden Jahr sogar zwei. Und dann will sich Gysi endlich „Der Gott des Gemetzels“ anschauen. Den Film hat Roman Polanski 2006 nach dem Theaterstück von Yasmina Reza gedreht hat. Zumindest am Donnerstag kann er mal wieder „Rosen für den Staatsanwalt“ gucken.

Von Mathias Richter

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