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Kultur Grieche in der Schlangengrube
Nachrichten Kultur Grieche in der Schlangengrube
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18:41 11.12.2015
Gewaltig blonde Menschen im Bayern der sechziger Jahre. Quelle: HL Böhme
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Potsdam

Ihre strohblonden Perücken tragen sie wie eine Tarnung, den Bierkrug stemmen sie wie eine Waffe. Die Bürger fühlen sich mit dieser Ausrüstung gesichert vor dem Fremden. Denn ein Grieche ist im Ort, man glaubte erst, ein Italiener, weil einer aus dem Dorf, das kurz vor München liegt, mal in Italien war. Was er erzählt von seiner Reise in den Süden, heilige Maria! Die Menschen mit den falschen, blonden Haaren haben keine Weltkarte im Kopf, nur sagenhafte Zerrbilder. Die Männer fühlen sich nicht wohl mit dieser Konkurrenz: Der „Fremdarbeiter“ Jorgos (Björn Ingmar Böske), ein ruhiger Mann mit dunklem Haar, fängt an im kleinen Unternehmen von Elisabeth (Jacqueline Sophie Pawliczek), einer Frau mit Turmfrisur und einem Dekolletee, einladend wie ein Geschenkekorb. Was sucht der überhaupt? Arbeit, Fräuleins, deutsches Bier? Man schreibt die 60er Jahre, mit den Griechen war man nicht vertraut.

Das Stück braucht nicht viel Auslauf – man spielt es atemlos und eng

Die zehn jungen Akteure des 3. Studienjahres Schauspiel der Filmuniversität Babelsberg haben sich das Drama „Katzelmacher“ von Rainer Werner Fassbinder vorgenommen, in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Hans-Otto-Theater wurde es erarbeitet und feierte am Donnerstag in der Reithalle Premiere. Das Stück braucht nicht viel Auslauf, keinen Umbau, man spielt es atemlos und eng, fast wie in einem Keller, immer blitzt der Argwohn in den Augen. Der Grieche wirkt wie das Magnetfeld dieses Stücks, er sagt nicht viel, er kann kaum Deutsch, sein Schweigen aber treibt die Unruhe im Ort knapp an die Hysterie.

Unerbittlich ranken sich die Fantasien um den Eros dieses Mannes, denn der Ort ist sexuell im Grunde lahmgelegt. Franz (Alexander Sehan), ein gehemmter Hochstapler, vögelt Ingrid in ihren Netzstrümpfen (Nora Hickler), doch Ingrid lässt sich dafür gut bezahlen. Sie selbst will singen, hat einen Manager, der sagt, sie habe „eine Stimme“, doch nimmt sie finanziell nach Kräften aus. Gunda (Luca Lehnert) will was von Jorgos, fragt ihn, wie er die „deutschen Mädchen“ findet, doch Jorgos weist sie ab. Gunda also streut als Rache, dass „der Grieche“ sie ins Gras warf und ihr an die Wäsche wollte. Jorgos schließlich küsst die unverstellten Marie (Nadine Pape), weil sie erkennt, dass Jorgos „einen geraden Blick“ hat. Er ist ein Mann mit Wärme, Neid ist ihm fremd.

Katzelmacher war Fassbinders Durchbruch im Kino

Stark, was die Studenten auf die Bretter stellen, unter der klugen Regie von Andreas Rehschuh, der auch die Bühne entworfen hat: Ein karger Verhau, der zugleich Tanzclub, Unternehmerbüro und Puff ist. Immer geben deutsche Schlager aus den sauerstoffarmen 60ern den Ton an, der von Biedersinn geprägt ist.

Mit „Katzelmacher“, seinem zweiten Film, hat Fassbinder 1969 den Durchbruch im Kino geschafft. Sein Bühnenstück mit gleichem Namen, ein Jahr zuvor geschrieben, ist fast vergessen. Doch das junge Ensemble belebt es mit einem Schwung, der mit Macht die dumpfe, böse Fratze in den eigentlich so zarten Gesichter sucht. Ironie ist stets dabei, vor allem aber Spiellust, klug temperiert, nicht überdreht, und doch scheint sie bereit, jederzeit die Sau rauszulassen.

Eine eindrucksvolle Gesamtleistung

Unterm Strich steht eine eindrucksvolle Gesamtleistung der Gruppe, die selbstverständlich auf den Umgang mit den Flüchtlingen unserer Tage verweist. „Katzelmacher“, ein altes Schimpfwort für „Gastarbeiter“, ist ein Stück, das rüde übertreibt und noch in einer Zeit zu Hause wirkt, als Griechenland ein Sehnsuchtsort gewesen ist, kein finanzieller Pflegefall – jene Lesart, die sie nun in Potsdam anbieten, wirkt kraftvoller als viele Leitartikel.

Theatertipp: „Katzelmacher“, Hans-Otto-Theater Potsdam, Reithalle. Nächste Aufführungen: 17. Dezember, 21., 22. Januar. Karten unter 0331/98118.

Von Lars Grote

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