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Kultur Grit Poppe weckt Verständnis für Wölfe
Nachrichten Kultur Grit Poppe weckt Verständnis für Wölfe
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10:47 27.02.2018
Ein wildes Tier, das Menschen normalerweise meidet. Quelle: dpa
Potsdam

Von einem Handy ist auf Seite 195 einmal kurz die Rede. Der 250-seitige Jugendroman „Joki und die Wölfe“ entführt den Leser in die wildromantischen Restgefilde der Mark Brandenburg. Grit Poppe versetzt sich in einen zehnjährigen Jungen, der lieber durch den Wald stromert als seine Abenteuerlust zu Hause an einer Spielekonsole auszulassen. Am heutigen Samstag, einen Tag vor ihrem 54. Geburtstag, feiert die erfolgreiche Potsdamer Autorin die Premiere ihres neuesten Buches. „Mit Wolfsgeheul und anderen tierischen Überraschungen“, heißt es in der Einladung.

Ihr Schmöker für Kinder zwischen neun und zwölf Jahren setzt nicht auf Fantasy-Elemente wie „Käpten Magic“ oder „Anderswelt“ und auch nicht auf Gesellschaftskritik und DDR-Aufarbeitung wie „Weggesperrt“, „Abgehauen“ oder „Schuld“. Diesmal legt sie einen klassischen Abenteuerroman vor, der dem Verhältnis zwischen Tier und Mensch nachspürt.

„Die Menschen konnten so vieles nicht, was Tiere konnten“, stellt Joki nachdenklich fest. „Nicht fliegen und nicht übers Wasser laufen. Nicht im Dunklen sehen wie Katzen oder Gerüche erschnüffeln wie Hunde.“ Der Junge ist gerade von Groß nach Klein Pieskow gezogen, da sich seine Mutter mit einem netten Viehbauern zusammentut, der auch als Jäger aktiv ist. Aber Jokis Mitmenschen spielen nur in der Rahmenhandlung eine Rolle. Im Zentrum steht seine Freundschaft zu einem Wolfswelpen, der sein Rudel verloren hat. Joki rettet ihn, indem er den hilflosen Vierbeiner auf die Fährte setzt und beide gemeinsam die Wolfsfamilie suchen. Den Lebewesen kommt eine heftig befahrene Autobahn in die Quere.

Gritt Poppe wagt es, in der dritten Person auch aus der Sicht der Wölfe zu erzählen. Beide Perspektiven werden typografisch unterschieden und ergänzen sich. So kommt auch die gegenseitige Angst zu Sprache, die Vier- und Zweibeiner voreinander haben.

Aber das hilflose Welpen droht zu verhungern. Natürlich ist es mehr als brisant, dass Joki das Raubtier füttert. Dass er es sogar im Rucksack mit in sein neues Zuhause nimmt, rächt sich dann auch dramatisch. In einem Anhang mit sachlichen Erklärungen heißt es ausdrücklich: „Natürlich sollte man das in der Realität auf keinen Fall tun.“ Wölfe, die von Menschen gefüttert werden, verlieren die natürliche Scheu und drohen, Problemwölfe zu werden. Grit Poppe sagt, Experten hätten ihr versichert, dass Welpen mit Menschenkontakt von ihren Familien wieder aufgenommen werden und sich auch durchaus normal entwickeln können.

Joki ist sicherlich ein ungewöhnlicher Junge, weil er Mücken und Blutegel, die an ihm saugen, als naturgegeben hinnimmt. Toll an dieser Geschichte ist, dass sie in einfachen Worten die Poesie des Waldes vermittelt und auch mit Humor aufwartet. Etwa wenn Joki seinem Schutzbefohlenen ein Schlaflied singt: „Schlaf, Wölfchen, schlaf/ dein Vater frisst ein Schaf...“

Grit Poppe: Joki und die Wölfe. Peter Hammer Verlag, 256 Seiten, 14 Euro. Buchpremiere: 24. Februar, 15 Uhr. Literaturladen Wist, Dortustraße 17, Potsdam.

Von Karim Saab

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