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Kultur Grita Götze mag es exklusiv und erhaben
Nachrichten Kultur Grita Götze mag es exklusiv und erhaben
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02:17 06.05.2018
Blick in die Ausstellung von Grita Götze. Quelle: Lars Grote
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Potsdam

Das sind nicht mehr die Teller für den Sonntagmittag, die man bespielt mit Braten, Salzkartoffeln oder Blumenkohl. Denn was man hier in Händen hält, ist kein Geschirr und nicht die Bühne, die man mit Inhalt oder einer Mahlzeit füllen müsste. Dieses Geschirr macht satt, es kann verzichten auf die Beilage, weil es sich selbst genügt. Die Keramiken von Grita Götze wirken nicht mal auf den ersten Blick, als seien sie im Küchenschrank zu Hause. Man kriegt umgehend mit, dass hier eine Einmaligkeit geschaffen wurde, die strahlen möchte – die Tellerform ist quasi eine falsche, raffinierte Fährte. Auf ihnen wird kein Mittagessen präsentiert, sondern Geschichten.

„Geschichten“, das klingt so episch oder überhöht, in diesem Wort fehlt jene Form von Witz und Knappheit, auch dieser Schuss Poesie und eine Handvoll Anarchie, die man in den Motiven von Götze findet. Die Reihe „Frauenruheraum“ zeigt Teller mit guten 30 Zentimetern Durchmesser, darauf Engobemalerei, tückisches Material, weil sich Engobefarben erst entwickeln, wenn man sie aufgetragen hat. Man weiß nicht so genau, was man da macht, weil diese Farben eigenwillig sind, zuweilen störrisch und erst dann beherrschbar, wenn man ihnen mit perfektem Handwerk kommt.

Grita Götze hat drei Jahre in Bürgel gelernt, östlich von Weimar, wo sich die strengste Töpferei-Ausbildung der DDR etabliert hatte. Diese Lehre war die Voraussetzung für ihr Kunststudium an der Burg Giebichenstein in Halle/Saale.

Motive leicht wie eine Feder

Die strengen Lehrjahre, die perfekten Handgriffe finden in der Reihe „Frauenruheraum“ ohne Mühe zueinander, ohne Verbissenheit oder den Willen, alles das zu demonstrieren, was die Arbeit mit Keramik so unerhört schwer macht. Leicht wie eine Feder liegen die Motive auf dem Teller, es sind Bilder von schlafenden Mädchen, die mal den Arm über die Decke werfen, mal ein Bein, sich mal vollständig bedecken und dann wieder, mit nacktem Busen und sich aufrichtendem Oberkörper, hinausschauen in eine Welt, die ein paar Grad kühler ist als jenes wohlige Leben unter der Bettdecke. Fünf „Frauenruheraum“-Teller hat Grita Götze im letzten Jahr gefertigt, sie hängen in der Galerie „Kunst-Kontor“ von Friederike Sehmsdorf am Potsdamer Jungfernsee.

Diese ganze Ufer-Gegend ist ein Ruheraum, selbst die Hunde halten sich daran. Sie bellen nicht, als würden sie ahnen, dass es sich nicht ziemt, den Mund aufzureißen. Hier regiert Gediegenheit, die sich mit dem Willen zum guten, nicht ganz billigen Geschmack zusammentut. So gesehen hängt Grita Götze im „Kunst-Kontor“ an der richtigen Stelle.

Die Teller kosten je 1800 Euro, das ist die Arbeit wert, weil Götze gut vier Wochen über einem dieser Exponate sitzt. Sie müssen gebrannt werden, mit Lasur überzogen, damit die Farben zur Brillanz finden – mit Vorliebe widmet sie sich der schwarzfigurigen Malerei, die Frauen sehen aus wie die Skulpturen der Antike in ihren leichten, weiten Kleidern mit der engen Taille und der leicht gebauschten Brustpartie. Die Weiblichkeit mit ihren Wölbungen und Kurven, die Grita Götze so sensibel, selbstverständlich zeigt und doch ins Sinnliche zu kehren weiß, findet die Entsprechung in den Tellern oder Vasen, auf denen sie zu sehen sind.

Das ist eben nicht ein glattes Blatt Papier, dem die dritte Dimension fehlt, sondern jenes körperliche, runde Material, das in dem Hang zum Hügel dieser Weiblichkeit sehr nahe kommt, die Grita Götze präsentiert. Jede Wölbung ihrer Vasen oder Teller findet eine zeichnerische Entsprechung.

Objektkünstlerin Götze

Eigentlich sei Götze keine „Keramikerin“ mehr, das klinge zu profan, längst arbeite sie an „Objektkunst“, sagt Friederike Sehmsdorf. In die Vasen kommen keine Blumen, die Vasen stehen für sich. Sie wirken wie Trophäen oder Pokale, ganz ohne Großspurigkeit. Und immer wieder diese Ironie, das Pop-Art-Hafte dieser Arbeit, wenn Grita Götze neben die Vasen mit jungen Frauen, die sie wie griechische Göttinnen stilisiert, plötzlich ein Mädchen im Bikini malt, das aus der Gegenwart gegriffen scheint und vor der Haustür in den Jungfernsee zum Baden springen könnte.

Oder der Teller mit dem Titel „Küchengeräte“, ein bewusst weltlicher Name, der weder auf Exklusivität setzt noch eine exklusive Sprache suchen würde, die den Marktwert steigern soll. Es gibt Klobürsten, Kaffeemaschinen, Sieb und Kochtopf auf dem Teller, und dennoch wirkt das Stück erhaben.

Weil die Formsprache streng ist, doch der Inhalt spielerisch lacht, wird hier das Leichte mit dem Ewigen versöhnt. Denn Keramik hält länger als Papier. Und die leisen Motive der Künstlerin Götze sind zeitloser als die grellen, offensiven Statements ihrer männlichen Kollegen.

Von Lars Grote

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