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Grönemeyer begeistert Zuschauer in Berlin

Volkslieder vor vollen Rängen Grönemeyer begeistert Zuschauer in Berlin

Die Berliner Waldbühne war Dienstagabend mit 22 000 Leuten ausverkauft, als Herbert Grönemeyer bei bestem Wetter gekonnt zwischen den Tonlagen „gut gelaunt“ und „bodenständig“ wechselte. Er tanzte ausgelassen, doch forderte auch auf, die Flüchtlinge, die zu uns kommen, zu „beschützen“.

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Herbert Grönemeyer beim Open-Air-Tourstart im Mai in Mainz.

Quelle: dpa

Berlin. Grönemeyer möchte alle umarmen, doch weil das nicht geht, wirft er die Hände zum Himmel. Immer wieder ballt er die Faust, als habe er ein Tor geschossen – nach den Liedern macht er einen Knicks, schüttelt heftig die Hand, als habe er sie sich verbrannt, und wenn das Publikum wie angestochen johlt und applaudiert, dann ruft er: „Wo soll das hinführen!“ In Berlin hat es am Dienstag zu einem warmen, friedlichen, deutlich länger als zwei Stunden dauernden Sommerabend geführt, durchzogen von Volksliedern. Denn wie soll man Songs wie „Männer“ oder „Flugzeuge in meinem Bauch“ sonst nennen? Jeder kennt sie, und wenn sie angespielt werden, dann singt man mit, oder schwingt vorsichtig die Hüften.

„Nach rechts wollen wir nicht“

Die Waldbühne war ausverkauft mit 22000 Leuten, die Fans haben Herbert Grönemeyer gefeiert, doch auch sich selbst, denn sie wissen, dass beides zusammengehört. Grönemeyer ist der deutsche Lippenleser. Bevor sich eine Stimmung hierzulande festigt, hat er schon ein Lied dazu geschrieben.

„Wunderbare Leere“, „Fang mich an“, „Unser Land“, „Bochum“ und „Schiffsverkehr“ zählen zu den ersten Songs, Grönemeyer lockert die Glieder, hüpft, bebt, tänzelt wie ein Held des Balletts über die Bühne. Er braucht die Ironie, um warm zu werden mit der weiten, unübersichtlichen Kulisse. Dann strafft er den Ton: „Wir sollten Zivilcourage und Haltung zeigen, deutlich machen, nach rechts wollen wir nicht. Und die Menschen, die zu uns kommen, beschützen wir.“ Ernst, herzlicher Applaus.

Er singt „Roter Mond“, ein Stück über Flüchtlinge, die ihr Leben auf der Fahrt über das Mittelmeer riskieren. Und beweint seine vor Jahren verstorben Frau: „Das Leben ist nicht fair!“ Jüngst hat er in Südfrankreich wieder geheiratet. Neulich ist er 60 geworden. Und er macht sich lustig über den eigenen Job: „Wir Künstler spielen gerne Klavier und verdrehen Frauen den Kopf, denn wir wissen, was gefällt. Doch eigentlich sind wir ziemlich merkwürdig.“

Es geht um Gefühle

Er nutzt den weiteren Abend, um diese Zweifel zu zerstreuen. Grönemeyer ist eben nicht merkwürdig, sondern maximal normal. Er ist ein Künstler, ja, und er trägt schwarz, als wolle er seinen Beruf noch unterstreichen, der immer auch die coole Uniform benötigt. Doch selbst, wenn er ohne wirklich frisches Album auf Tour geht, tritt er so geerdet, lustig und pointiert auf, wie man sich das als Deutscher wünscht von einem Landsmann, weil diese Tugenden in Deutschland selten sind.

Herbert Grönemeyer ist ein routinierter Unterhalter, doch er weiß, dass man auch zwischendurch mal die Leviten lesen muss. Vor allem zeigt er: Tanzen lässt sich lernen. Im Zweifel lacht er einen ungelenken Schritt ganz einfach weg, als wäre nichts geschehen. Bei Grönemeyer nämlich geht es nicht um Perfektion, sondern um die großen Gefühle. Das hat er am Dienstag in großer Form bewiesen.

Von Lars Grote

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