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Große Goldmedaille für Trio aus Potsdam

Internationale Gartenausstellung (IGA) Große Goldmedaille für Trio aus Potsdam

Die drei Potsdamer bekommen kein Honorar, aber eine Große Goldmedaille für ihre einwöchige Ausstellung auf der Internationalen Gartenausstellung (IGA) in Berlin. Die Künstlerin Dorothea Nerlich, der Gartenarchitekt Peter Herling und der Gärtner Wolfgang Kautz zeigen in der Blumenhalle „Tischgärten, Keramikskulpturen, Rittersporn“.

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Die Keramiken von Dorothea Nerlich (o. r.) setzt Peter Herling (u. l.) mit üppigem Blumenschmuck in Szene. Die Vogeltränke (o. l.) folgt wie viele der Arrangements den Anregungen des Gärtners und Philosophen Karl Foerster.

Quelle: Michael Lüder

Berlin. Morgentau, Augenweide und Jubelruf. Berghimmel, Ballkleid und Völkerfriede. Der Potsdamer Gärtner Wolfgang Kautz verbindet mit jedem dieser Doppelsubstantive eine Variation des Rittersporns. Seine Züchtungen sind hell- oder tiefblau, manche werden ein, andere 1,70 Meter hoch und sie haben ganz verschieden ausgeformte Blütenstände.

Wer sich die nächsten Tage zur Internationalen Gartenaustellung (IGA) nach Berlin-Marzahn aufmacht, kann auch viele Rittersporne in der großen Blumenhalle bewundern. Sie bilden einen malerischen Abschnitt auf einer langen, reich gedeckten Tafel, die den Raum als Mittelachse durchzieht und von beiden Seiten abgeschritten werden kann.

„Tischgärten, Keramikskulpturen, Rittersporn“ nennt ein Potsdamer Trio sein Gastspiel auf der IGA. Ein Jury kürte ihre Schau gestern mit der Großen Goldmedaille. Der Gartenarchitekt Peter Herling und die Künstlerin Dorothea Nerlich sind ebenfalls Idealisten. Auch sie möchten im Geiste ihres Lehrmeisters Karl Foerster (1874-1970) wirken.

In dem weitläufigen Gelände zwischen den Plattenbausiedlungen Marzahn und Hellersdorf wurde bereits 1987 ein Karl-Foerster-Staudengarten angelegt, der vor neun Jahren noch einmal überarbeitet worden ist. Er gehört zu den „Gärten der Welt“ und liegt zwischen einer chinesischen Parkanlage und dem Pavillon der Kulturen. „Ein echter Senkgarten wie in Potsdam-Bornim mit einem tiefer liegenden Teich in der Mitte ist es aber nicht“, sagt Kautz. Dafür hätten die Berliner eine Pergola, die in Potsdam fehlt.

„Stopp, stopp! Ich mach‘ die ganze Vase nochmal, hier ist schon was abgebrochen“, ruft der 81-jährige Herling erregt. Zu dritt versuchen sie eine volle Riesenvase auf eine Platte zu wuchten. Die Arrangements aus Rittersporn und Schleierkraut sollen sich nämlich ringsum im Wasser spiegeln, das auf der Tischoberfläche steht. Herling hat sich sein Leben lang als Foersterianer engagiert. Dorothea Nerlich bezeichnet den Weißhaarigen mit den gütigen Augen als „unsere Seele, unseren Inspirator“. Vor Jahren wurde die Drei für eine Hohenzollern-Hochzeit in der Potsdamer Friedenskirche engagiert. Nun laufen sie noch einmal für die IGA zur Höchstform auf.

Mehr als 50 Keramiken, Vasen, Pflanzschalen und Skulpturen, hat die Künstlerin in Potsdam ein- und in Berlin ausgeladen. „Der LKW-Fahrer war so fasziniert, dass er bis zum Abend blieb, obwohl er das gar nicht musste“, erzählt sie. Die Hälfte ihrer Arbeiten sind neu. „Inmitten üppiger Blütenfülle möchte ich Ruhepunkte schaffen“, erklärt sie und berichtet, dass es gar nicht so einfach ist, Keramik so zu brennen, dass sie wetterfest ist.

Peter Herling, gelernter Blumenbinder und studierter Denkmalpfleger, setzt ihre originellen Exponate mit Moosen, Grünpflanzen, exotischen Strelitzien und Lilien raffiniert in Szene. Die Baukeramikerin hat im Laufe der Jahre einige Techniken entwickelt, um der gebrannten Erde eine interessante, haptische Oberflächenstruktur zu verleihen. Sie arbeitet gern mit schamottehaltigem Ton, den sie selten glasiert, um die Kiesel nicht zu verstecken. Sie schafft mit feinem Porzellan und verschiedenfarbigen Materialien starke Kontraste. Und wenn der Ton lederhart ist, ritzt und faltet sie das Material. Zwischen dem angewandten Blumengeschirr stehen auch figürliche Arbeiten von ihr. Einige haben sich beim „Rakubrand“ dunkel eingefärbt. Sie werden in brennbares Material geworfen, um eine Sauerstoffreduktion herbeizuführen.

Mit der Seilbahn zur Blumenhalle

Die Internationale Gartenausstellung (IGA) verbindet die vor vielen Jahren geschaffenen Gärten der Welt mit dem neuen Kienbergpark. Zwischen Hellersdorfer Straße (U 5, Station Kienberg) und Blumberger Damm (Bus X 69) wurde eine Seilbahn in Betrieb genommen, die auf dem 108 Meter hohen Kienberg Station macht.

Die Ausstellungen in der Blumenhalle wechseln wöchentlich. Das temporäre Gebäude besteht aus gebogenen Holzleimbindern und einer lichtdurchlässigen Außenhaut.

Die Tageskarte kostet 20 Euro, ermäßigt 18 Euro. Die IGA in Berlin-Marzahn ist täglich von 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet und findet bis zum 15. Oktober statt. Erwartet werden zwei Millionen Besucher.

Dorothea Nerlich arbeitet nicht an der Drehscheibe, sondern baut ihre skulpturalen Gefäße aus Flächen zusammen. Ihre Vogeltränken sind stark eingedellte Kugeln und erfüllen in einem Beet wirklich die Funktion, Regenwasser für die Vögel aufzufangen. Doch viele ihrer IGA-Objekte sollen gar nicht im Außenraum stehen. „Tischgärten sind eine Idee aus Japan, wo Platz besonders knapp ist“, erklärt sie. Einige Pflanzkästen bieten gleichzeitig Abstellflächen. „Hier kann man bei einer Teezeremonie seine Teeschale abstellen“, sagt sie.

Das Potsdamer Trio liebt das Wechselspiel zwischen Drinnen und Draußen, zwischen Natur und Kultur. Auf der langen Tafel liegen auch Schwemmhölzer, von denen einige Imitationen aus glasiertem Ton sind. Am liebsten möchte man alle Arbeiten anfassen, auch die Blumen, um sie auf Vergänglichkeit zu prüfen.

Den Rittersporn hat Kautz in der Frühe fünf Uhr in seinem Garten geschnitten. Am Ende zeigt er auf seine neueste Errungenschaft, die er „Bunzlau“ getauft hat, weil er in dem Ort in Schlesien geboren wurde, der für seine steingutblaue Keramik bekannt ist.

Von Karim Saab

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