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Große Kunst: Adele bezaubert in Berlin

Die Königin der Nacht Große Kunst: Adele bezaubert in Berlin

Die Britin Adele wird im Moment verehrt, wie sonst wohl kleine Frau im Popgeschäft. Am Samstagabend zeigte sie bei ihrem ersten von zwei Berliner Konzerten, warum sie derzeit konkurrenzlos ist: Weil sie Königin der Nacht und trinkfeste Freundin sein kann, beide Rollen wechseln binnen Sekunden. Und immer sitzt die Stimme. Große Kunst!

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Adele hat die Aura einer Patti Smith - und sie überzeugt mit ihrer Stimme.

Quelle: dpa-Symbolbild

Berlin. Adele schießt scharf, das erste Lied des Abends ist ihr bisher größter Hit: „Hello“. Sie fällt gleich mit der Tür ins Haus, keinerlei Geplänkel, keine Platzpatronen, sofort das Publikum umarmen. „Hello“ – was für eine Begrüßung. Die ausverkaufte Berliner Mercedes-Benz-Arena steht Samstagabend auf, erhebt sich von den Sitzen. Aus Huldigung, vor allem aber, um der eigenen Ergriffenheit ein wenig Luft zu machen. Am Sonntagabend spielt sie gleich noch ein Konzert in dieser Halle.

Adele hat die Aura einer Patti Smith

„Hometown Glory“ dann als zweiter Song, ihre Debütsingle aus dem Jahr 2007. Es folgen das getragene „One And Only“ und „Rumour Has It“, ein feines Stück Northern-Soul. Adele trägt ein langes Kleid, Pailletten überall, es blitzt wie eine Discokugel. Adele Adkins ist zwei Tage vor ihrem Auftritt in Berlin 28 Jahre alt geworden, doch sie hat bereits die Aura einer Patti Smith, jedes ihrer Wörter ist beglaubigt, sie singt, als würde sie das Alte Testament zitieren – und dann schaltet sie zwischendurch doch immer wieder in den Modus eines sehr vergnügten Mädchens.

Sie kann lachen wie ein Huhn und böse Witze reißen, wie man das als Deutscher nur von Harald Schmidt kennt. Sie redet schnell, nicht jede Pointe kommt an. Ihre Stimme teilt sich in der Halle wie durch ein Echo mit, man hört sie manchmal doppelt. Die Akustik ist nicht optimal, der Bass in ihrer Band beginnt zu wummern. Doch das sind nur Details an diesem Abend, den Adele so souverän im Griff hat, weil sie pendelt zwischen Königin der Nacht und bester Freundin, die robust genug scheint für zwei Flaschen Wein, die bis zum Morgengrauen leer sind.

Ihre Kunst besteht aus Handwerk

Ihre Stimme predigt den Soul auf eine altmodische, doch nie unmoderne Art, ihre Kunst besteht aus Handwerk, selten aus koketter Pose. Sie covert Bob Dylans „Make You Feel My Love“, sie darf das, denn ihre Stimme taugt auch für die großen Nummern. Lebenserfahrung klingt durch, die ihre Fassung von Dylan beglaubigt. Schließlich „Skyfall“, der Titelsong des Bondfilms.

Und als die Herzen in der sachlichen Arena längst geöffnet sind, schürt sie nochmal die Glut: „Someone Like You“ und als letzter Song „Rolling In The Deep“ setzen den Punkt hinter zwei Stunden Programm, das wie eine kurzweilige Show aus jenen 60ern gewirkt hat, als man nur auf die Bühne durfte, wenn man Aura hat, gutsitzende Kleider und einen Hauch von nicht zu ordinärer Sinnlichkeit. Adele punktet in allen Kriterien, sie liebt die Vergangenheit, doch kann uns in der Gegenwart bezaubern.

Von Lars Grote

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