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Kultur „Große Kunst muss sich bewähren“
Nachrichten Kultur „Große Kunst muss sich bewähren“
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00:18 29.05.2017
Ortrud Westheider Quelle: Friedrich Bungert
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Potsdam

Das Barberini ist Potsdams neuer Kunsttempel. Das von SAP-Gründer Hasso Plattner gestiftete Museum gilt bereits jetzt als eines der schönsten privaten Museen Deutschlands – zur großen Freude von Direktorin Ortrud Westheider.

Frau Westheider, mehr als 300 000 Besucher haben in nur fünf Monaten die Eröffnungsausstellung besucht– wie wichtig sind Ihnen Besucherzahlen?

Wir machen Ausstellungen und natürlich wünschen wir uns, dass möglichst viele Menschen diese Ausstellungen sehen. Und vor allem hoffen wir, dass die Besucher begeistert sind und das Museum mit einem Lächeln wieder verlassen.

Auch die Vortragsveranstaltungen und Symposien im Museum Barberini waren gut besucht. Manche Referenten verfolgten einen sehr akademischen Ansatz. Ist auch daran gedacht, Künstler, Galeristen oder populärere Autoren zu Wort kommen zu lassen?

Sie fanden uns zu akademisch? Das habe ich bisher von den Besuchern noch nicht so gehört. Aber Sie haben natürlich insofern recht: Es geht uns darum, die neuesten Forschungsergebnisse einem interessierten Publikum vorzustellen. Dass es da aber nicht nur akademisch zugeht, zeigt schon die spontane Performance von Strawalde auf unserem Symposium zur Kunst in der DDR, ebenso wie lockere Formate, wie etwa Barberini After Five.

Sind die Bilder aus Privatsammlungen, die in Potsdam so viel Beachtung finden, jetzt auf dem Kunstmarkt noch mehr wert?

Wenn ein international angesehenes Museum Werke aus Privatsammlungen zeigt, wird der Kunstmarkt aufmerksam und die Preise steigen. Nach einer einzigen Ausstellung ist es noch etwas früh, das für das Barberini zu sagen. Aber wenn es so ist, wäre das natürlich eines der schönsten Komplimente, das wir bekommen können.

Sind die teuren Bilder auch die besseren Bilder?

Es ist in der Kunstgeschichte nicht anders als in anderen Bereichen: Qualität setzt sich auf Dauer durch. Und Qualität ist eben teurer als der Durchschnitt. Das heißt nicht, dass jedes moderne Kunstwerk, das heute auf einer Auktion Millionenpreise erzielt, auch in ein paar Jahren noch so viel wert sein wird. Wirklich große Kunst muss sich bewähren, sie muss auf verschiedenen Ebenen und in verschiedenen Zeiten Menschen anrühren können. Erst dann zeigt sich, was Bestand hat und was nicht. Ein Monet wird auch in dreihundert Jahren noch zu den Ikonen der Kunst zählen – egal, was dann der Kunstmarkt gerade macht.

Gibt es einen Künstler, der bisher kaum Beachtung findet und den Sie gern einmal durch eine Ausstellung aufwerten würden?

Natürlich! Ich entdecke ständig neue Künstler, die mehr Bewunderung verdienen und von denen ich überzeugt bin, dass sie die auch noch bekommen werden. Zum Beispiel Henri-Edmund Cross – ein französischer Maler, der vor gut hundert Jahren gestorben ist und wunderbare Landschaften gemalt hat. Über den würde ich gern einmal eine Einzelausstellung machen.

Welches Kunstwerk hat Sie zuletzt irritiert – und warum?

Positiv irritiert? Oder negativ? Ein Beispiel aus der Kunst der Gegenwart: Es gibt diese wunderbaren riesigen Köpfe von Jaume Plensa, die verzerrt in der Landschaft stehen. Da kann man einfach nicht wegschauen und ist verzaubert. Und dann gibt es manches in der zeitgenössischen Kunst, das eher verstimmt als verzaubert. Ich möchte keine Namen nennen, aber ich finde: Kunst darf und soll irritieren, aber zu wirklich großer Kunst gehört mehr als das.    

Viele Besucher bedeuten für die Stiftung auch Mehreinnahmen. Erhöht sich dadurch der Ankaufsetat für die stiftungseigene Sammlung?

Sie müssen sich vor Augen führen, dass Herr Plattner jeden einzelnen Museumsbesucher ganz erheblich bezuschusst. Höhere Einnahmen freuen uns natürlich und sie erlauben uns, hier und da noch großzügiger zu sein. Aber sie ändern nichts daran, dass unser Mäzen die große Hauptlast trägt – nicht nur in Bezug auf die Sammlung, sondern auch im laufenden Betrieb.    

Sie haben zuletzt einen Gerhard Richter erworben. Damit unterscheidet sich die Sammlung des Hauses nicht von anderen Gegenwartssammlungen. Ist das Absicht?

Was heißt Absicht? Sie werden in jeder guten Autosammlung auch einen Mercedes finden – das ist weder verwerflich noch macht es die Sammlung automatisch schlechter oder gleichförmiger.

Wie lange brauchen Sie für den Umbau?

Drei Wochen. Das klingt vielleicht lang, aber wir sind wirklich schnell: Alles wird auf Vordermann gebracht, die Wände neu gestrichen, jedes Kunstwerk wird eingehend von Experten untersucht, jedes bekommt einen sorgfältig angebrachten Text, der Shop wird neu bestückt, das Kassensystem umgestellt – und tausend Sachen mehr. Es ist so, als müssten Sie Ihre Wohnung komplett neu einrichten, aber sie hätten dafür nur drei Wochen Zeit. Und: Wir öffnen bestimmte Räume an den meisten Tagen auch während des Ausstellungswechsels für unsere Besucher.

Werden die Besucher wiederkommen, auch wenn weniger gefällige Bilder hängen?

Haben Sie Angst, die nächsten Bilder gefallen Ihnen oder den Besuchern nicht mehr? Lassen Sie sich überraschen!

Fühlen Sie sich hinreichend von der Stadt Potsdam unterstützt?

Ja, wir stoßen überall in der Verwaltung auf viel Begeisterung und Hilfe. Es ist nicht nur Herr Jakobs –  jeder im Rathaus fragt: „Wie können wir Sie unterstützen?“. Dafür sind wir sehr dankbar.

Die Direktorin

Die Ausstellung „Impressionismus. Die Kunst der Landschaft“ geht am Sonntag nach gut fünf Monaten zu Ende. Mit der Schau wurde das Museum Barberini eröffnet, das der Software-Milliardär Hasso Plattner in Potsdam am Alten Markt errichten ließ. Viele der gezeigten Bilder stammen aus der Privatsammlung des Museumsstifters.

Ortrud Westheider (52) wurde von Hasso Platter im April 2016 als Direktorin des Museum Barberini eingesetzt. Zuvor war sie künstlerische Leiterin am Bucerius Kunst Forum in Hamburg. Die promovierte Kunsthistorikerin (Thema: „Die Farbe Schwarz in der Malerei Max Beckmanns“) lebt mit ihrem Mann in der Potsdamer Innenstadt.

Nächste Ausstellung: Von Hopper bis Rothko. Amerikas Weg in die Moderne. Die Phillips Collection, Washington D.C. präsentiert Leihgaben,die die Entwicklung der amerikanischen Kunst vom Impressionismus bis zum abstrakten Expressionismus veranschaulichen. Vom 17. Juni bis 3. Oktober 2017. Anschließend ist eine Schau mit DDR-Kunst geplant.

Von Karim Saab

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