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Kultur Gunnar Porikys in den Römischen Bädern
Nachrichten Kultur Gunnar Porikys in den Römischen Bädern
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02:15 18.05.2017
Polnische Restauratoren wurden Ende der 1970er Jahre damit betraut, aus 2,80 Meter hohen Sandsteinblöcken Figuren wie diesen Pferdebändiger zu hauen. Gunnar Porikys hat mit seiner Kamera und mit künstlerischem Anspruch die Arbeiten verfolgt. Seine Serie dokumentiert, wie der barocke Figurenschmuck über dem heutigen Filmmuseum vervollständigt wurde. Quelle: Porikys
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Potsdam

Einen philosophierenden Stadtindianer könnte man Gunnar Porikys nennen. Der 73-Jährige hat Potsdam nie den Rücken gekehrt. Schon immer inspirieren ihn Geistesgrößen, die mit Potsdam biografisch verbunden sind. Und wenn die großen Meister heute auf der Abschussliste des politisch-korrekten Zeitgeistes stehen, fühlt sich Porikys um so mehr berufen, ihnen einen Sockel zu errichten.

Als Privatgelehrter befasste er sich eingehend mit dem umstrittenen deutsch-jüdischen Philosophen Constantin Brunner (1862–1937), dem antimarxistischen Sozialisten Eugen Dühring (1833–1921) und dem Schriftsteller Hermann Kasack (1896–1966) und dessen Sohn Wolfgang Kassack (1927–2003). Auch esoterischen und abstrakten Fragen ist Porikys stets aufgeschlossen. Zur Zeit brennt er für Martin Heidegger (1889–1976), den er entdeckte, weil dessen ehemaliger Assistent und heutiger Interpret Friedrich-Wilhelm von Herrmann (82) bis in die 1950er Jahre in Potsdam lebte.

Um Fragen des Seins zu klären, greift man gewöhnlich nicht zu einer Kamera, denn Fotos können nur Oberflächen zeigen. So mag es überraschen, dass die Stiftung Schlösser und Gärten bis Ende Oktober eine Ausstellung mit Fotografien von Gunnar Porikys in den Römischen Bädern zeigt. Sichtlich stolz steht Saskia Hüneke, Kustodin der Skulpturensammlung, im Seitenflügel und erläutert zwei eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Zyklen.

Aus eigenem Antrieb verfolgte Gunnar Porikys als Mittdreißiger zwischen 1977 und 79 die Restaurierungsarbeiten am Königlichen Marstall. Damals wurden polnische Fachkräfte geholt, um den monumentalen barocken Skulpturenschmuck im Herzen der Stadt wiederherzustellen. Zwei lebensgroße Gruppen mit jeweils fünf Pferden arrangierte der Bildhauer Friedrich Christian Glume (1714–1752) über den Eingängen der einstigen Orangerie („Pomeranzen-Hauß“), die der Soldatenkönig dann zum Marstall umfunktionierte. Bevor 1981 das Filmmuseum einzog, sollten fehlende Teile ergänzt werden.

Gipsmodelle wurden angefertigt und bis zu 2,80 Meter hohe Sandsteinblöcke aus Sachsen rangekarrt. Die Kopisten bedienten sich eines Punktiergerätes, einer archaischen Stangenkonstruktion, um Markierungen vorzunehmen. Einige ausliegende Objekte erleichtern die Veranschaulichung.

Doch es ist weniger die Mühsal der Schwerstarbeit, die Porikys einfängt, sondern die Komplexität der archaischen Aufgabe. Riesige Stifte klaffen aus den Armen der bärtigen Pferdebändiger. Einzelne Gliedmaßen hängen an Seilen und werden, geschützt durch Matratzen, mit dem Kran hochgezogen und mit den Rümpfen verbunden. So märchenhaft rau und berserkerhaft diese Kolosse im Entstehen anmuten, so graziös und anmutig schimmern am Ende ihre muskeldurchzogenen Körper. Der einst helle Sandstein ist heute längst nachgedunkelt, das Original von der Kopie kaum noch zu unterscheiden.

Der Fotograf

1944 wurde Gunnar Porikys in Potsdam als Sohn eines Schaufenstergestalters geboren. Er erlernte den Beruf eines Fotografen und arbeitete als Kamera-Assistent im Dokumentarfilmstudio Babelsberg. Nach einem Arbeitsunfall wurde er vor allem in der Dunkelkammer eingesetzt und entwickelte eigene Techniken.

1985 trat er erstmals als Kleinverleger in Erscheinung. Seinen illegalen Selbstverlag nannte er „Edition Babelturm“. Eine Professionalisierung nach der Wende scheiterte.

Der Vater zweier Söhne zählte 1990 zu den Mitgründern der ersten Waldorfschule in Potsdam.

In einem Lesekreis beschäftigt sich Porikys privat seit Jahrzehnten mit Schriften von Rudolf Steiner, Hugo Kükelhaus, Martin Heidegger usw. (Foto: Michael Lüder)

Gunnar Porikys. Quelle: Michael Lueder

Saskia Hüneke setzt über die Biografie von Gunnar Porikys die drei Worte „Licht-Bild-Hauer“. Seine Leistung hat die Stiftung vor drei Jahren durch den Ankauf der Sechs-mal-Sechs-Negative gewürdigt. Porikys setzte sich bis in die 1980er Jahre intensiv mit dem Medium Fotografie auseinander. Als Fotokünstler blieb er aber Außenseiter. Seine „Gelatypien“ in einem weiteren Raum zeigen ihn von einer modernen, innovativen, spontanen Seite. Die großformatigen Prints beruhen auf Negativen, die er mit Rasierklingen und Drahtbürsten kreativ beschädigt hat. „Irgendwann habe ich nicht mehr weitergemacht, denn bei mir zu Hause stapelt sich alles“, räumt er ein.

Wer war für Porikys der wichtigste Meister? Karl Foerster (1874– 1970). „Ich habe ihn mit 16 kennengelernt. Er war für mich eine weltanschauliche Vertrauensperson. Er wird heute als ,Staudenförster’ verniedlicht, hat vieles aber durch die Blume gesagt. Neben Gartenbüchern schrieb er auch ,schwebende Bücher’, wie er es nannte.“

Von Karim Saab

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