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Halloween-Hype: Im Zweitjob Monster

Gesellschaft Halloween-Hype: Im Zweitjob Monster

Eine angehende Zahntechnikerin, ein Masseur, eine Psychologie-Studentin oder ein Ingenieur - sie sind im Alltag nette, aufgeschlossene Wesen. Aber wehe Halloween naht.

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Gruselparty in Babelsberg.

Quelle: Ralf Hirschberger

Potsdam. Dann zeigen sie als Zombie, Mutant oder Vampir ihr zweites Gesicht. "Da muss man sich nicht mehr an gesellschaftliche Zwänge halten", schwärmt Carina. "Da kann man die Leute anpöbeln, anschreien, ihnen Furcht einflößen - seine ganze Aggressivität rauslassen", meint die 23-Jährige und bleckt ihre Zähne. Sie sind spitz und raubtierähnlich, so wie es sich für den "Grinsekater" aus "Alice im Wunderland" gehört.

Das Gebiss hat die Berlinerin gemacht - für die angehende Zahntechnikerin ein Klacks. Im "Zweitberuf" ist Carina Monster. Seit sieben Jahren schlüpft sie regelmäßig in schaurige Kostüme. Früher reiste sie zur Halloween-Party im "Movie Park Germany" nach Bottrop. Inzwischen ist das nicht mehr nötig: Auch der Filmpark Babelsberg lockt inzwischen Zombies und Monster zu "Horrornächten". Für ein kleines Taschengeld sollen sie Gäste des Parks erschrecken.

"Die Fan-Gemeinde ist größer, als ich selber dachte", sagt der Berliner Visagist Andrej Baranow. Gemeinsam mit Kollegin Tina Knaus gibt er den Fans Tipps für die Verwandlung in Monster, Zombies, Mutanten oder Außerirdische. Dank aufklebbarer Narben, diverser Bluteffekte oder Kontaktlinsen und speziellem Make-up gelingt auch Laien der Gruseleffekt.

Natalie (23) gehört jedoch wie Carina eher zu den Profis. Schicht um Schicht trägt sie Papiertücher und flüssiges Latex auf ihr Gesicht - und schafft sich so eine zweite Haut. Vorsichtig schneidet sie diese mit einer Nagelschere auf - der erste Schritt zur klaffenden Wunde. Hier etwas schwarze Schminke, dort künstliches Blut - fertig ist der furchterregende Schnitt quer über das Gesicht.

"Wenn's gut läuft, bin ich in zwei Stunden fertig. Ich rechne aber lieber mit drei Stunden", sagt Natalie. Die Psychologie-Studentin will als geisterhafte "weiße Dame" schockieren. "Es ist total spaßig zu sehen, wie die Leute schreiend wegrennen", sagt sie und ihre Augen funkeln orange. Ihre Deko-Kontaktlinsen verändern nicht nur ihr Antlitz - sie sorgen bei UV-Licht auch noch für besondere Effekte.

   "Die Kontaktlinsen sind schon eine Verkleidung für sich", meint Jörg Reisemann, Geschäftsführer von Deko Behrendt in Berlin. Auf etwa 45 Prozent der Ladenfläche finden sich Kostüme und Utensilien zur Halloween-Saison, die am 31. Oktober ihren Höhepunkt hat. "Das Sortiment ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren enorm gewachsen", berichtet er. Gefragt sind Klassiker wie Hexen, Vampire und Zombies. Am beliebtesten seien aber Figuren aus Horrorfilmen wie Michael Myers, Freddy Krüger oder der Killer aus "Scream", berichtet Bernd Schneider, stellvertretender Geschäftsleiter bei Karnevalswierts in Köln.

Etwa 200 Millionen Euro dürften dieses Jahr in Deutschland mit dem Thema Halloween umgesetzt werden, schätzt die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. Neben Kostümhändlern freuen sich auch Süßwarenhersteller, Bauern, Gaststätten und Discos auf ein gutes Geschäft. 2012 setzte allein der Kostümhandel laut Fachgruppe Karneval 28,9 Millionen Euro zu Halloween um.

Jeder Fünfte in Deutschland will Halloween feiern, wie eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen will demnach fast ein Drittel den Spuk mitmachen. Viel Geld investieren wollen die meisten jedoch nicht: Nur 5 Prozent der Befragten gaben an, mehr als 60 Euro ausgeben zu wollen.

In völlig anderen Kategorien denkt Gerd Willenberg in Hamm: Etwa 10 000 Euro hat er nach eigenen Angaben schon für die Deko-Artikel ausgegeben, mit denen er sein Haus bereits zum fünften Mal in ein Horrorhaus verwandelt. Noch bis 1. November treiben Schrumpfköpfe und Untote hier ihr Unwesen, Skelette erheben sich auf Knopfdruck aus Plastiksärgen, aufblasbare Gruselfiguren versuchen, Besucher zu erschrecken. Im vergangenen Jahr kamen rund 4500 Besucher.

dpa

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