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Hanako-Porträts von August Rodin

Moderne Kunst Hanako-Porträts von August Rodin

Es sind emotionale Porträts, die der französische Bildhauer August Rodin zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Tänzerin Hanako angefertigt hat. Die Japanerin bedient im damaligen Europa die Klischees von Exotik, betrieb damit aber zugleich ihre eigene Emanzipation aus der starren Tradition ihres Heimatlandes.

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Hanako-Portät in Gips von 1909.

Quelle: Foto: Agence photographique du Musée Rodin /Pauline Hisbacq

Potsdam. Sie war eine Tänzerin. Doch August Rodin hat immer nur ihr Gesicht modelliert. Meist mit zusammengekniffenen Augen, den Blick verdreht, den Mund angespannt oder gar die Zähne auf die Lippen gepresst. Rund 50 Skulpturen und Zeichnungen, die der Wegbereiter der modernen Plastik in den Jahren 1906 bis 1911 von der japanischen Tänzerin Hanako angefertigt hat, sind derzeit im Berliner Kolbe-Museum zu sehen.

Die Faszination am Exotischen ist typisch für diese Zeit – und bescherte der nur 1,40 Meter großen zierlichen Frau aus Fernost in Europa einen kometenhaften Aufstieg. 1901 war sie mit einer Tanzgruppe im Scala Theater in Kopenhagen aufgetreten und nahm den Kontinent anschließend im Sturm: London, Paris, Berlin, München, Düsseldorf.

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Der französische Künstler August Rodin hat nur das Gesicht der japanischen Tänzerin Hanako dargestellt. Ihn interessierte die Emotionen, vor allem in der Sterbeszene zum Abschluss ihrer Darbietungen. Den damaligen Bedarf an Exotik bedienten eher folkloristische Fotografien.

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Hanako präsentierte ein Programm, das Elemente des japanische Kabuki- und des Nô-Theaters verarbeitete, dieses aber an europäische Sehgewohnheiten anpasste. Und sie tat damit etwas, was sie in Japan nie gedurft hätte, denn im traditionellen japanischen Theater werden auch die Frauenrollen allein von Männern gespielt. Ein Akt der Befreiung in der Fremde – sozusagen.

Höhepunkt jeder Aufführung war der Abschluss mit einer Harakiri-Sterbe-Szene, in der die Tänzerin Minutenlang in einer Art Todesstarre verharrte. Rodin muss von dieser Szene so beeindruckt gewesen sein, dass er den Gesichtsausdruck der Sterbenden in einer ganzen Serie von Masken, Porträts, Zeichnungen und Büsten zu erfassen versuchte.

Zum ersten Mal begegnet sind sich der französische Künstler und die japanische Tänzerin im Juli 1906 auf der Kolonialausstellung in Marseille. Danach hat er sie immer wieder porträtiert. Seltsamerweise nie in einer Ganzkörperskulptur, was bei einer Tänzerin doch nahe gelegen hätte. Lediglich gezeichnete Studien fertigte er von Tanzbewegungen an. Über die Gründe sind sich die Kunsthistoriker bis heute nicht klar, sagte am Mittwoch François Blanchetière vom Pariser Musée Rodin, wo die Ausstellungsstücke normalerweise zu sehen sind. Beeindruckend jedenfalls sind die Darstellungen der Japanerin. Sie demonstrieren, wie Rodin in dieser späten Schaffensphase versuchte, die emotionale Innenwelt der Porträtierten nach außen zu kehren: Schmerz, Angst und schließlich die Empfindung des Todes.

August Rodin und Madame Hanako. Der französische Bildhauer und die Emanzipationsgeschichte der japanische Tänzerin. Kolbe-Museum Berlin, Sensburger Allee 25, täglich 10-18 Uhr, Eintritt: 7 Euro. Bis 18. September.

Von Mathias Richter

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