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Kultur Hans Albers, das Mannsbild der Ufa
Nachrichten Kultur Hans Albers, das Mannsbild der Ufa
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02:15 20.05.2017
Der blauäugige Hans Albers, Star der Ufa. Quelle: dpa-Zentralbild
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Potsdam

„Hoppla, jetzt komm ich“ – kaum ein anderer Spruch charakterisiert Hans Albers so treffend. Der 1891 geborene Sohn eines Fleischermeisters aus dem Hamburger Stadtteil Sankt Georg, der gegen den Willen seines Vaters Schauspieler wurde, stieg in den 1930 und 1940er Jahren zum umjubelten Ufa-Mega-Star auf. Wie das gelang, zeigt eine Ausstellung im Foyer des Potsdamer Filmmuseums anlässlich des 100. Geburtstag der Universum Film AG, genannt Ufa.

Albers war für die Ufa ein Erfolgsgarant, mit seinen Auftritten in Action- und Spionagefilmen lockte er die Massen in die Kinos. „Großgewachsen, blond und blauäugig, dazu optimistisch und zupackend, verkörperte Albers das nationalsozialistische Idealbild“, sagt der Kurator der Schau, Stephan Ahrens. Dass Albers dabei half, in Potsdam-Babelsberg ein zweites Hollywood aufzubauen, wie es sich der Reichspropagandaminister und selbst ernannte Herr über den Film, Joseph Goebbels dringend wünschte, ließ er sich mit wahnsinnig hohen Gagen bezahlen. Auch sonst nahm sich Albers alle Freiheiten, er weigerte sich etwa, Mitglied der Reichsfilmkammer zu werden, eigentlich Pflicht für alle Beschäftigten im Filmwesen. Die Ufa machte mit. Vergebens hatte sie nach einem Schauspieler gesucht, der Albers ersetzen konnte. Schließlich wurde der Import amerikanischer Filme um mehr als 50 Prozent reduziert, ab 1940 durfte kein ausländischer Farbfilm mehr in den heimischen Lichtspielhäusern laufen. Hans Albers sorgte dafür, dass der Laden lief. Die Zuschauer liebten ihn, für Millionen war er ein Mann der Tat, ein tollkühner Draufgänger und ein strahlender Sieger, raubeinig und unverstellt, so Ahrens. „Ein lieber Jung, kess und anständig“, notierte einst Goebbels in sein Tagebuch.

Der erste Ufa-Tonfilm, „Der blaue Engel“, verhalf Hans Albers 1930 zum Durchbruch. In einer kleinen Rolle neben Marlene Dietrich überzeugte er nicht nur mit seiner Präsenz, sondern auch mit seiner Sprache. Er murmelte und nuschelte und streute auch mal halbe Wörter ein. Instinktiv verzichtete er auf ein gekünsteltes Bühnendeutsch. Während zahlreiche Akteure den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm nicht überstanden, machte Albers mit seinem Norddeutsch das Rennen. „Quick“ mit Lilian Harvey, „F.P. 1 antwortet nicht“ mit Sybille Schmitz, „Ein gewisser Herr Gran“ mit Albert Bassermann, „Gold“ mit Brigitte Helm oder „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ mit Heinz Rühmann hießen die Kassenknüller der 1930er Jahre. Und die Ufa, ganz der moderne Medienkonzern, vermarktete ihren Star, brachte Autogrammkarten, Sammelbilder, Jahreskalender, Quartett- und andere Gesellschaftsspiele heraus, wie in der Schau zu besichtigen ist.

Besonders sein Image als tollkühnes Mannsbild wurde ausgeschlachtet, nachdem Albers bei den Dreharbeiten zu dem Film „Der weiße Dämon“ eine Kollegin vor dem Ertrinken rettete. In heldenhafter Pose blickt er für das Foto in die Kamera, nachdem er sich sein Toupet wieder zurecht gerückt hatte. Schütteres Haar brachte sein Selbstvertrauen nicht ins Wanken. Sich in Szene zu setzen, verstand der Lebenmann. Immer wieder beschwerten sich Kollegen bei Dreharbeiten über ihn, wie etwa Lilian Harvey: „Gestatten Sie Hans, aber ich soll hier auch mit aufs Bild“.

Legendär ist übrigens bis heute auch sein Blick. Selbst Udo Lindenberg schwärmt vom „unkopierbaren Geilblick des blonden Hans’“. Dabei hatte dieser verklärte Blick in die Ferne, sein häufig lallender Sprechgesang einen einfachen Grund: Er hatte am Abend zuvor zuviel getrunken und konnte sich oft den Text nicht merken. Sein verträumter Blick zum Horizont ist daher in vielen Filmen nur ein Blick auf die dunkle Schiefertafel, den sogenannten „Neger“, auf dem sein Text zum Ablesen stand, wie der Filmwissenschaftler Tobias Hochscherf kürzlich auf einem Ufa-Symposium der Kinemathek in Berlin ausführlich erklärte.

Hans Albers wird bis heute verehrt – wer kann nicht „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, „La Paloma“ oder „Flieger, grüß’ mir die Sonne“ mitsummen? Gleichzeitig ist er umstritten, da er nie in Erwägung gezogen hat, das Land zu verlassen und sich auch nicht für seine jüdischen Schauspielkollegen einsetzte. Offiziell trennte er sich von seiner „nichtarischen“ Lebensgefährtin Hansi Burg, die beiden blieben aber heimlich ein Paar.

Nach dem Krieg, so heißt es beim Kritiker Friedrich Luft, fährt Albers mit einer Limousine durch Berlin und „winkt mit der Geste eines niedergestiegenen Gottes“.

Von Claudia Palma

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