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22:13 24.07.2013

Mick Jagger ist ein König ohne Konkurrenz, mitunter steigt ihm das zu Kopf – doch wenn es nur der Kopf wäre... Jaggers Kraftzentrum liegt im Unterleib. Bei Elvis war es noch das Becken, bei Jagger wird die Sache heikler. Um von dem Unterleib keusch abzulenken, hat Jagger Lippen, dick und wülstig, als wären sie gemalt von Rubens. Ein Blickfang, doch auch seine Lippen sind ein Instrument der Unzucht. Predigen Teufelszeug, singen im bessten Falle „Angie“, ein Lied, zu dem auch Mütter weinen. Im nicht so guten Falle singen sie „Let’s Spend The Night Together“, mit diesem Lass-uns-eine-große-Kissenschlacht-veranstalten, waren die Mütter nicht mehr gemeint.

Die Mütter mussten sich fragen, Anfang der 60er, als die Steine ins Rollen kamen: Würde ich meine Tochter diesem Kerl zur Heirat geben? Dem Charlie Watts vielleicht, einem gut erzogenen Typen mit sicherem Taktgefühl, oder Bill Wyman, Bassist mit Hundeblick. Doch keine Mutter zog Mick Jagger in Erwägung für das eigene Kind. Waren sie erst in seiner Hand, half nur noch Teufelsaustreibung. Auf Jagger waren die Mütter insgeheim natürlich selber scharf.

Dieser Jagger, König ohne Konkurrenz, regiert unangefochten, denn sein Nebenbuhler starb zu früh. Brian Jones hatte sich übernommen, wollte die Stones führen, doch war mental zu instabil. Wollte den Dandy geben, doch wusste nicht, wie man mit Drogen haushaltet. Jones ertrank im Pool, Juli 1969. Jagger spendete dürre Worte der Trauer, doch er wusste: Der Weg ist frei für die Alleinherrschaft.

Keith Richards? Nein, kein Konkurrent. Ein netter Typ, der nicht besonders artgerechte Sachen mit seiner Gitarre machte – doch einer ohne Machtinstinkt. Nach Jahrzehnten treuer Dienerschaft hat er sich ausgesprochen, nicht mit Jagger, sondern mit dem Schreiber seiner Memoiren. „Life“ heißt das Werk, es geht um Gott und die Welt, Gott steht für Jagger. In „Life“ hat er sich über dessen Allüren beklagt, die Großspurigkeit, das Chefgehabe. Als Revanche hat Richards ihn kleingemacht, den Mick, den Unterleibsmick, der mickriger sei, als viele glauben. Zahlreiche Damen, die es wissen müssen, rückten die Sache freilich zurecht. Selbst Jerry Hall, Ex-Frau von Jagger mit diversen Gründen, dem Schürzenjäger eine reinzusemmeln, ließ anatomisch auf den Kerl nichts kommen. Nur mental gebe es diese verhängnisvolle Dialektik, die fatale Doppelköpfigkeit: „Mick ist ein wunderbarer Mann, aber ein furchtbarer Ehemann“, sagt sie.

Mick Jagger wird morgen 70 Jahre alt, längst wird über ihn gespottet. Er verhalte sich nicht altersgerecht, tanze wie ein Gockel, flirte wie ein wild gewordener Pavian, singe wie ein – ja, wie eigentlich? Langweilige Zeitgenossen stellen immer wieder fest, der Mann könne nicht singen. Das aber stimmt hinten und vorne nicht, besonders stimmt es hinten nicht, im Rachenraum, wo die Unzucht ihren Anfang nimmt. Jagger moduliert die Stimme, als öle er sie täglich, er wendet sie, je nach Bedarf, ins Arglos-Konfirmandenhafte („Lady Jane“, „As Tears Go By“), oder in das aggressive Säuseln eines Lustmolchs (alle anderen Lieder).

Auf dem Video zum neuen Lied „Doom And Gloom“ bewegt sich Jagger wie ein Yogi, elegant, geschmeidig, reißt den Mund doch wieder auf wie eine Wildkatze. Junge Menschen sagen: Peinlich, das könnte mein Opa sein. Doch es sind ausgerechnet jene Leute, die am Wochenende klagen: „Nicht wieder zu Opa, da gibt es nur Geschichten von früher.“ Auch bei Mick gibt es Geschichten von früher, aber hallo, was für welche!

Zum Beispiel die von seiner Hochzeit mit Bianca, gefeiert 1971. Gefeiert? Paul McCartney, Ringo Starr und Eric Clapton wurden Zeugen, wie Jagger heftig mit der Braut stritt, weil er vor der Hochzeit hastig um den Ehevertrag feilschte. Tatsächlich bekam sie nach der Scheidung nur 500.000 Pfund. Mick sagte während der Trauung öfter „Fuck“ als Hugh Grant am Anfang von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Bianca weinte. Mick und sie wurden aus der Kirche gesperrt, als sie die uneingeladenen Gäste fern halten wollten. Als es trotzdem zum Ja-Wort kam, lief die Filmmusik der „Love Story“ vom Band. Wer ein Star ist, muss sich nicht mal dafür rechtfertigen.

Wer möchte nicht so einen Opa haben? Nur die eigene Freundin sollte man nicht mitbringen. Sie kommt einem abhanden, wenn der Opa wolllüstig die Lippen schürzt. Bono, Sänger von U2 sagt: „Die Falten haben Mick schöner gemacht“. Aber Bono ist ja auch erst 53.
Jagger kommt aus gutem Hause, es hätte auf Anwalt hinauslaufen können, der Turnlehrer Basil Joseph Jagger und seine Frau Eva wären froh gewesen. Als Mick im Frühjahr 2002 erfuhr, dass ihn die Queen zum Ritter schlägt, rief er als erstes seinen Vater an: Papa, es hat sich gelohnt, trotz allem.

Trotz all der Zeilen, die Eltern nicht gerne hören von den Kindern: „I’m no schoolboy/But I know what I like/You should have heard me/Just around midnight“, gesungen 1973 im Lied „Brown Sugar“, dem Wort für Heroin. Ich bin kein Schuljunge, trotzdem weiß ich, was ich will, du hättest mich um Mitternacht hören sollen – so singt er, vom Missbrauch der Sklaven und der Gefahr, sich in die Hände harter Drogen zu begeben. Ja, Jagger kann nicht nur tanzen wie ein notgeiler Clown, sondern auch relevante Themen beackern.

Dieses Tanzen, dieses Räkeln, woher kommt es? Andy Warhol war vom Tanzstil zunächst irritiert: „Ich war immer der Meinung, dass Tina Turner Mick Jagger kopiert, aber dann erzählte mir jemand, dass sie ihmdas Tanzen beigebracht hat.“ Im Herbst 1966 traten die Rolling Stones mit Ike und Tina Turner auf, Tina versuchte, Jagger hinter der Bühne den Sideways Pony zu zeigen, ohne Erfolg, weil Mick ein weißer Brite war, keine schwarze Amerikanerin. Doch irgendwann gelang es, die Schritte saßen. Seither tanzt er wie eine coole schwarze Dame, bleibt ein weißer Schwerenöter, und alles fließt bei ihm, die Farben, die Geschlechter, nichts ist klar. Das ist ein großes Glück, für uns und für den König ohne Konkurrenz.

Von Lars Grote

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