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Kultur Hardrock-Pioniere Uriah Heep in Neuruppin
Nachrichten Kultur Hardrock-Pioniere Uriah Heep in Neuruppin
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06:50 11.12.2015
Vitale Truppe: Uriah Heep. Quelle: Heiko Roith
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Potsdam

„Der alte Marley war so tot wie ein Türnagel.“ Diese Zeilen eröffnen das Weihnachtslied von Charles Dickens über den herzlosen Geizkragen Ebenezer Scrooge. Ein Klassiker zum Fest. Und wer denkt da Uriah Heep? Ist schließlich ebenfalls eine Figur aus Dickens Werk, die in „David Copperfield“ auftaucht. Gemeinhin jedoch wird der Anhänger klassischen Hardrocks beginnen, ungehindert von der langlebigen britischen Formation gleichen Namens mit literarischem Direktbezug zu schwärmen. Doch geht es hier nicht um das muntere Aufzählen alter Heldentaten wie „Easy Livin’“, „Sunrise“, „Free Me“ oder das an den Lagerfeuern dieser Republik lustvoll zu Schanden geklampfte „Lady in Black“.

Vielmehr ist der Auftritt von Uriah Heep angezeigt: Die Veteranen des Genres stellen sich am Freitagabend im Kulturhaus Neuruppin vor. Im Tour-Gepäck haben Mick Box, der Gitarrist ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied der Truppe aus Brentwood/Essex, und Co. ihre jüngste Platte „Outsider“, das inzwischen 24. Studio-Album. Was soll man sagen? Die Genre-Pioniere haben ja bereits beizeiten ihre Formel gefunden. Fraglos gehört dazu die Entscheidung, die Hammondorgel in den Gruppen-Sound zu integrieren. Das hatte zwar Jon Lord bei den Klassen-Kameraden Deep Purple schon erledigt, aber sei’s drum. Das grandiose Dräuen und hymnische Schwellen ist bei Box und Gefährten einfach unverzichtbar. Auch sonst geben sich die dynamischen Dinos angriffslustig, spielfreudig und gut motiviert. Wozu saftige Doppel-Bässe, heftiger Riff-Donner und Bernie Shaw’s kraftvoller Gesang gehören. Altersschwäche? Von wegen tot wie ein Türnagel.

Keineswegs unerwähnt soll bleiben, dass die Briten eine brillante Vorband im Programm haben - WolveSpirit aus Kleinrinderfeld bei Würzburg, die jüngst ihre Platte „Free“ vorlegte. Die Schlaghosen-Kommune aus dem Süden – man musiziert und lebt zusammen - wird von der amerikanischem Front-Frau Debbie Craft angeführt, wenn sie sich in der Spätsechziger und Frühsiebziger versenken. Ooch, nörgelt so mancher, wieder so eine Vintage-Truppe. Ja. Eine mit fabelhafter Röhre, feistem Orgelwerk und zwingenden psychedelischen Gitarren noch dazu. Frauen als Lautsprecher im hardrockenden Gewerbe der jüngeren Zeit keine Seltenheit mehr, siehe Blues Pills oder Spiders aus Schweden. WolveSpirit sind die selbstbewussten, lustvoll glühenden wie einfallsreichen Enkel und Erben einer großartigen Ära, die in Neuruppin bei der „Rock The Haus“-Tour ausgiebig beschworen wird. Gott segne uns!

Konzert: 20 Uhr im Kulturhaus Neuruppin, Karten: 03391/26 87

Von Ralf Thürsam

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