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Verwunderung über Plattners Drohung

Streit ums Kulturgutschutzgesetz Verwunderung über Plattners Drohung

Im Brandenburger Kulturministerium versteht man die Bedenken des Software-Milliardär und Kunstmäzen Hasso Plattner nicht. Die geplante Novelle des Kulturgutschutzgesetz von Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sei doch nur eine Anpassung an EU-Standards. Bangt Plattner also zu Unrecht um seine Kunstwerke, wenn er sie aus den USA nach Potsdam bringt?

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Apoll-Skulptur im Marmorsaal von Sanssouci – eines der nationalen Kulturgüter in Brandenburg.

Quelle: Foto: dpa

Potsdam. Die Galeristenszene läuft seit ein paar Wochen Sturm gegen die Pläne von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) für ein neues Kulturgutschutzgesetz. Nun bringt sie in Brandenburg die Ersten auf die Palme. Allen voran den Software-Milliardär und Kunstmäzen Hasso Plattner, der um den Wert seiner Sammlung bangt, die in das von ihm finanzierte Museum im Potsdamer Palais Barberini einziehen soll. Nachdem Plattner drohte, in den USA deponierte Werke des Impressionismus nicht in die Landeshauptstadt zu holen, weil er Angst habe, sie könnten unter Grütters neues Gesetz fallen, streitet auch Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) dagegen. Einen „kulturpolitischen Skandal ersten Ranges“ nannte er Grütters Plan, bestimmte nationale Kulturgüter unter Schutz zu stellen.

Im SPD-geführten Brandenburger Kulturministerium zeigte man sich gestern irritiert. Nicht nur, weil es sich bislang erst um einen Referentenentwurf handelt, der erfahrungsgemäß am Ende nicht so durch den Bundestag gehen wird, sondern auch, weil sich für Plattner ohnehin nichts ändern werde. „Nach all dem, was wir derzeit wissen, wird die Sammlung von Hasso Plattner davon nicht betroffen sein“, sagt Kulturstaatssekretär Martin Gorholt.

Was Grütters für den Handel und die Ein- und Ausfuhr von Kulturgütern innerhalb der EU plant, gilt weitgehend bereits für Länder jenseits der EU-Grenzen und ist lediglich eine Anpassung der EU-Standards. Insofern müsste Plattner sich schon jetzt darum sorgen, dass eines seiner Kunstwerke zum nationalen Kulturgut erklärt werden könnte und damit nicht mehr ohne Weiteres weiterzuverkaufen ist. Denn für Bilder aus den USA trifft das im Prinzip schon jetzt zu.

Böse Zungen werfen Plattner deshalb vor, er plane sein Museum ohnehin lediglich als „Durchlauferhitzer“, um Kunst öffentlich zu zeigen, damit er sie anschließend gewinnbringender verkaufen kann. Laut sagen will das freilich niemand. Aber auch wer Plattner nichts Unredliches unterstellen will – immerhin investiert er Millionen in ein Prestige-Projekt, dessen Glanz vor allem auf die Stadt Potsdam fallen wird – fragt sich, warum eigentlich die Aufregung?

Mix aus Impressionismus, Expressionismus und DDR

Der Software-Milliardär und Kunstmäzen Hasso Plattner sammelt seit Jahrzehnten moderne Kunst. Für das von ihm geplante Museum im Potsdamer Palais Barberini waren bislang vor allem Bilder der DDR-Moderne und Werke des Impressionismus und Expressionismus vorgesehen.

Als Vorgeschmack ist im Potsdamer Kutschstallhof am Neuen Markt die Skulptur „Der Jahrhundertschritt“ von Wolfgang Mattheuer zu sehen.

Zur DDR-Kunstsammlung Plattner gehören vor allem Werke aus den 70er und 80er-Jahren von Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer, Werner Tübke, Arno Rink, Willi Sitte, Ulrich Hachulla, Stefan Plenkers und Hartwig Ebersbach. Ihre Werke sind noch zu jung, um zum nationalen Kulturgut erklärt zu werden.

Ergänzt werden sollen die Werke der DDR-Maler durch Arbeiten der Stilrichtungen des Impressionismus und des Expressionismus. Plattner soll Werke von August Renoir, Claude Monet und Emil Nolde besitzen.

Hintergrund des geplanten Kulturgutschutzgesetzes ist, Einfuhren und Ausfuhren zu regulieren, damit Kunst nicht rigoros für reine Profitzwecke missbraucht werden kann. Bestes Beispiel sind Gegenstände, die von der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) irgendwo in Kriegsgebieten geplündert wurden und zu Höchstpreisen auf den internationalen Kunstmärkten gehandelt werden. Oder, anders gelagerte jüngere Beispiele in der Bundesrepublik: Das umstrittene Erbe des Münchener Kunsthändlers Cornelius Gurlitt, das nach seinem Tod Deutschland in Richtung Kunstmuseum Bern verlassen soll. Oder die beiden Werke von Andy Warhol, die im vergangenen Jahr von der landeseigenen NRW-Bank in Düsseldorf für rund 120 Millionen Euro verkauft wurden, um die eigene Kasse aufzubessern. Das neue Kulturgutschutzgesetz soll solche Praktiken verhindern, indem es ein Ausweichen auf andere EU-Länder verhindert und gegebenenfalls Kunstwerke wie die Warhols zu nationalem Kulturgut erklärt und so mit einem Ausfuhrverbot belegen kann.

Kunstmäzen Hasso Plattner wäre davon jedenfalls nicht betroffen, versichert der Sprecher der Kulturstaatsministerin, Hagen Philipp Wolf. Für private Leihgaben gelte eine Unterschutzstellung lediglich vorübergehend und nur bis Frist-ende. Zudem würde sich die Entscheidungspraxis der Sachverständigenkommission, was als nationales Kulturgut eingestuft wird, durch die neuen Regelungen nicht ändern. Sein Tenor: Was bislang nicht unter das Gesetz fiel, fällt auch künftig nicht darunter.

In Brandenburgs Kunstmuseen sieht man die Angelegenheit unterschiedlich. Jutta Götzmann, die Direktorin des Potsdam-Museums, das gerade eine Leihgabe mit elf Bildern des DDR-Malers Bernhard Heisig erhalten hat, warnt vor einem Vertrauensverlust bei den Sammlern. „Für den Kulturstandort Potsdam wäre ein Abzug des Sammlers Hasso Plattner ein immenser Verlust“, so Götzmann. Ihre Kollegin Ulrike Kremeier vom Museum Dieselkraftwerk Cottbus, wo ebenfalls gerade elf Heisigs aus einer Privatsammlung eingegangen sind, ist entspannter: „Das geplante Kulturgutschutzgesetz wird einen Ausgleich zwischen privaten und öffentlichen Interessen schaffen.“

Am aktuellen Bestand an Kulturgütern, die im Land unter Schutz stehen, wird das Gesetz ohnehin nichts ändern. Als nationale Kulturgüter sind vor allem die Anlagen der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg sowie des Pückler-Museums und des Schlosses Branitz im Süden des Landes eingestuft.

Von Mathias Richter

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