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Fotografien der Unteren Havel

Ausstellung Fotografien der Unteren Havel

Götz Lemberg hat auf einem Hausboot zwei Wochen lang die Untere Havel bereist, er hat sie mit seiner Kamera dokumentiert - und die Fotos in kleine Fragmente zerlegt, um sie neu zusammenzusetzen. Es ergeben sich Effekte wie in einem Bilderbuch, die Landschaft wird neu definiert und idealisiert. Das ist sinnlich und klug. Und es gibt überraschende Einsichten.

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Die „H_V_L-Cuts“ sind eine schöne Täuschung: Auf gut 100 Kilometern der Havel zusammengetragen, werden sie als kompaktes Mosaik präsentiert.

Quelle: Götz Lemberg

Brandenburg/Havel. Götz Lemberg ist ein Mann, der für die Kunst nicht unbedingt die Schwermut braucht. Er lächelt, wenn es knifflig wird – zum Beispiel, wenn man sich erkundigt, wie er diese Bilder findet: Sigmund Freud, Willy Brandt und Peter Ustinov, die Porträts hat Armin Mueller-Stahl gemalt, Mischtechnik, eine offensive Buntheit dominiert diese Gemälde, eine Ab­straktion ist hier zu Hause, die gefällig wirkt.

Was sagt Götz Lemberg dazu, der hier nach Mueller-Stahl ausstellen wird? „Falsche Frage“, murmelt er, er meint das nicht mal böse, doch man merkt, ihm geht es um ganz andere Dinge in der Schau, die ihm bevorsteht in der Brennabor-Kunsthalle von Brandenburg/Havel. Aus dieser Industriebrache ist ein charmanter, weitläufiger und heller Ort für Bilder jedes Temperaments entstanden. Welches Temperament der Künstler Lemberg pflegt? „Ach“, sagt er, „ich habe die Untere Havel fotografiert, die fließt so langsam, da schlafen Sie schneller.“

Er hat sich einen Kaffee bestellt, gleich draußen vor der Kunsthalle, ein ayurvedisches Rezept, „riecht wie ein Weihnachtsbaum“, sagt Lemberg, „die haben das gut gemacht, alles Ungesunde raus aus diesem Kaffee, und trotzdem schmeckt er toll.“ Er ist ein geselliger Mensch, auch über Kaffee könnte man mit ihm jetzt eine Stunde reden, der Künstler liebt das Wort.

Reise mit dem Hausboot

Götz Lemberg wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren, er studierte Geschichte und Amerikanistik in Berlin und legte das Diplom im Fach Kulturmanagement ab.

Seine Ausstellung „H_V_L-Cuts“ konzentriert sich auf die gut 100 Kilometer der Unteren Havel, sie reicht von der Stadt Brandenburg bis Havelberg, wo die Havel in die Elbe fließt. Lemberg hat diesen Abschnitt 14 Tage lang mit einem Hausboot bereist.

Eröffnung der Schau am 3. Juli, 18 Uhr. Bis 11.  September. Kunsthalle Brennabor, Geschwister-Scholl-Straße 10-13, Brandenburg/Havel.

Wie hat er es alleine ausgehalten auf dem Hausschiff, mit dem er 14 Tage auf der Havel schipperte, „nicht als Landvermesser“, doch als Chronist, der die gut 100 Kilometer fotografierte? „Ich war nicht alleine, ein Skipper war dabei, der musste steuern, darum konnte ich mich nicht auch noch kümmern.“ Ansonsten hat ihm seine Kamera gereicht. Nikon D 800. Digital. Schwören Künstler nicht aufs Analoge, weil das noch nach Handarbeit und herrlichen alten Zeiten klingt? „Ach, ich reite auch nicht mehr auf einem Pferd. Ich bin den neuen Zeiten zugewandt“, sagt Lemberg, der jetzt den Laptop aufklappt, um die Bilder seiner Havelfahrt zu zeigen. „Wenn Sie meine Bilder analog bearbeiten, als Papierabzüge, werden Sie krank. Zu viel Arbeit, zu viel Schnipselei.“

Spektakulär sind seine „H_V_L-Cuts“. Das Kürzel steht fürs Havelland, die „Cuts“ für Schnitte. Es ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Collage, drei Ebenen übereinander, ungezählt nebeneinander. Die obere Reihe zeigt Wolkenbilder, darunter Horizont, unten Wasser. Es sind Fragmente, wie ein zerbrochener Spiegel, der akkurat wieder zusammengesetzt wurde, und dennoch in verschiedene Richtungen zeigt. Das hat was vom Kubismus, den Pablo Picasso und Georges Braque zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts entwickelten. Man schaut auf ein Bild, als würde man es gleichzeitig aus leicht versetzten Perspektiven sehen.

Ein leichter Schwindel liegt deshalb über dem Foto, doch auch der Zauber eines Wimmelbuchs lässt sich darin erkennen, mit dem man kleine Kinder an Komplexitäten eines Dorfes, einer Stadt, in diesem Fall eben ans Wasser führt. Es ist die helle Freude, all die Brüche dieses Bildes zu erkennen und sich von ihnen täuschen zu lassen, als stehe hier die heile, säuberlich sortierte Welt.

„Die Havel wird wieder befreit, sie war zu DDR-Zeiten kanalisiert, ein industrialisierter Fluss mit Kähnen und Frachtschiffen, oft gefüllt mit Kohle“, sagt Götz Lemberg, 52 Jahre alt. „Heute werden die Seitenarme wieder aufgemacht, die Natur regiert hier abermals, die Breite schafft sich Raum und dünnt dann wieder aus“ – Lemberg spricht von der Unteren Havel, die von der Stadt Brandenburg bis hin zur Elbe bei Havelberg führt, wie von einer eigensinnigen, reizvollen Frau.

„Ich wollte nicht jeden Kilometer dokumentieren, das wäre unsexy gewesen. Einfach nur hier und dort ein Havelbild, auch das wäre naiv, solch einfältigen Bildern könnte man nicht glauben.“ Lemberg wollte die Havel nicht werten, nicht in schön oder hässlich unterteilen. Ihm geht es um die Frage: Wie holt sich der Mensch den Fluss zurück? Das Ergebnis zeigt er ab 4. Juli in den Brennabor-Hallen, wo heute noch das Werk von Mueller-Stahl hängt.

Es wird ein anderer Wind in diesen Räumen wehen, wenn Lemberg erst die eigenen Bilder hängt. Doch zugegeben, ein echter Sturm ist auf der ruhigen Havel nicht zu haben.

Von Lars Grote

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