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Kultur Heckentheater als Jungbrunnen
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00:19 13.07.2018
Kammerzofe Lisette (Julia Borgmeier) und Monsieur Orgon (Willi Händler) vor der von Piet Mondrian inspirierten Bühne. Quelle: Katharina Seipt
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Sanssouci

Das Theater Poetenpack hat im Heckentheater mit der Premiere von Marivaux’ „Das Spiel von Liebe und Zufall“ bereits seine dritte Saison auf dieser barocken Naturbühne eingeläutet. Ein französisches Stück aus dem Jahr 1730, noch dazu in einem friderizianischen Heckentheater legte den Verdacht nahe, möglicherweise an einer Überdosis süßlicher und geschraubter Förmlichkeiten Schaden zu nehmen. Umso erfreulicher war es, schon vor dem Beginn des Stückes eine optische Merkwürdigkeit auf der Bühne zwischen den Heckengassen zu entdecken.

Die Beatles und Piet Mondrian als Gegenwelt zum Barock

Unter Baumriesen und eingebettet in die geballte Allgegenwart einer prächtigen Flora standen schockfarben-bunte Wände, Kästen, Podeste sowie Säulenstümpfe und fügten sich scheinbar zu einem begehbaren Riesenkunstwerk des holländischen Konstruktivisten Piet Mondrian zusammen. Diese von Janet Kirsten erdachte Gegenwelt zum Barock belebte sich dann mit leisen Klängen des Beatlessongs „Black Bird“ und über die Bühne hastenden Gestalten bis dann endlich der sein Amsellied singende Gitarrenspieler Martin Ludwig sichtbar wurde und das Spiel von Liebe und Zufall begann.

Die von ihren Vätern in Betracht gezogenen Heiratskandidaten Silvia (Clara Schoeller) und Dorante (Andreas Klopp) verfallen beide auf die gleiche idiotische Idee, in die Rolle ihrer Bediensteten zu schlüpfen, um so noch vor dem Traualtar zu letztlicher Gewissheit in dieser wichtigsten aller Lebensfragen zu gelangen. In Silvias erotische Kabale sind ihr Vater, Monsieur Orgon (Willi Händler), und ihr Bruder Mario (Felix Isenbügel) eingeweiht. Das Treffen der zukünftigen Eheleute im Hause Orgon entbehrt unter dieser Maskerade natürlich jeglicher Aussagekraft, da sich nun als Heiratskandidaten die Kammerzofe Lisette (Julia Borgmeister) und Dorantes Diener Arlequin (Jörg Vogel) gegenüberstehen. Das angedachte Ehepaar aber müht sich derweil tapfer als Diener ihrer eigenen Diener ab.

Eine entstaubte Textfassung mit viel Tempo

Dies allein wäre Komödienstoff genug, doch der Stückeschreiber treibt die Sache auf die Spitze indem er sowohl die falschen Herrschaften, wie auch die falsche Dienerschaft in den Liebesstrudel reißt. Beide Pärchen quält nun das Problem, einer aufgrund des vermeintlichen Standesunterschiedes gesellschaftlich völlig ausgeschlossenen Beziehung. Aus den daraus folgenden jeweils sehr individuellen Verdrängungs- und Bewältigungsstrategien der Protagonisten speisten sich die Komik und die Spannung des Stückes. Regisseur Andreas Hueck hat mit seiner konsequent entstaubten Textfassung und sehr viel Tempo im Spiel dafür gesorgt, dass diese Inszenierung vom Publikum suchtartig konsumiert wurde.

Sechs Darsteller und Musiker hinreißend besetzt

Alle sechs Darsteller und der Musiker verkörperten ihre Rollen so hinreißend, dass jeder von ihnen als unverzichtbare Idealbesetzung erschien. Händlers Monsieur Orgon war ein so toleranter, lebenskluger mit Witz geschlagener Vater, dass ihn jede Zweite im Theaterrund stante pede gegen den eigenen Papa getauscht hätte. Dessen Sohn Mario war lebensnah mit der familienüblichen Dosis Geschwistermissgunst ausgestattet.

Trotzdem eroberte auch der „Bad Boy“ Isenbügel mit dem Beatles-Song „Girl“ und seiner traumhaft tief knarrenden Stimme an der Seite des Gitarristen wandelnd die Gunst des Publikums. Ein Genuss auch das rasend verliebte Dienerpärchen. Vogels Arlequin hat einen solchen Überdruck auf den Lenden, dass man glaubte, es könne ihm augenblicklich das Hirn wegreißen und Borgmeisters Lisette bot selbst mit vom Zorn verzerrtem Gesicht noch ausreichend weibliche Anziehungskraft. Man hätte dazwischen schreien mögen, so kompliziert agierten Silvia und Dorante, die mit ständig verknoteten Hirnwindungen ihre Liebe blockierten.

Die alten Titel der Beatles klangen so unverbraucht, als würde sich ihre Poesie noch einmal neu entfalten. Die Besucher wirkten nach dieser Inszenierung, als wären sie durch einen Jungbrunnen geschritten. Sie glauben das nicht? Dann sollten Sie sich schleunigst Karten für das Heckentheater besorgen.

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