Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Heinz Bert Dreckmanns Objekt-Kunst

Atelierbesuch in Falkensee Heinz Bert Dreckmanns Objekt-Kunst

Aus Wäscheklammern, Scheren oder Löffeln: Heinz Bert Dreckmann aus Falkensee (Havelland) erschafft aus Alltagsgegenständen außergewöhnliche Objekte. Der 67-Jährige errichtete Hochhäuser einer Holzklammer-Stadt oder ein zylinderförmiges Gebilde aus Plastelöffeln. In seinem Atelier findet sich auch Lenin in einer Schöpfkelle.

Voriger Artikel
"My own way": Rihanna wirft "Anti" auf den Markt
Nächster Artikel
Auf dem Dschungel-Highway ist die Hölle los

Kunst aus Edelstahlbesteck: Dieses faszinierende Gebilde von Heinz Bert Dreckmann besteht aus 48 Löffeln.

Quelle: Julian Stähle

Potsdam. Die Wintersonne schickt ihre Strahlen durch die Fenster des Häuschens in Falkensee (Havelland), in dem Heinz Bert Dreckmann unten sein Atelier hat und oben wohnt. Das beseelt das Gemüt. Und der Kaffee, den er auf den Tisch gestellt hat, wärmt von innen. Neben der Tasse liegt ein Löffel. Nicht bloß ein praktisches Utensil zum Umrühren. Jedenfalls für Dreckmann. Aus dem Edelstahlbesteck hat er Kunstwerke erschaffen. Alles hält durch die Spannung, die ein Löffel auf den anderen ausübt. „Aber es geht nur, weil der Löffelstiel einen Schwung hat“, erklärt der 67-Jährige, „Löffelstiel kommt unter Löffelstiel. Und das Gebilde hält von selbst.“ So einfach ist das? Überhaupt nicht. „Lange hab’ ich herumprobiert. Ich bin ja kein Krake mit acht Armen“, sagt er und lacht. „Ich muss die Löffel in ihre endgültige Position bringen, ohne dass alles schon zerkratzt ist. Die polierten Oberflächen verzeihen nichts.“

Der beleuchtete Löffel-Turm hält bestens

Aus schnöden 5250 weißen Plastesuppenlöffeln – kalt verschweißt – errichtete Dreckmann eine Zylinder-Form, deren Oberfläche einem Vogelgefieder ähnelt. Je fünfzig Löffel ergeben einen Reif. Er hat Reif auf Reif gesetzt. „Jeder muss exakt gleich groß sein. Sonst erweist sich das Ganze als Katastrophe.“ Und: „Eigentlich wollte ich’s nicht. Doch mir wurde gesagt: Da muss ein bisschen Licht rein.“ Sein beleuchteter Löffel-Turm hält bestens.

Gewusst wie. Auch bei dem, was er mit Zollstöcken kreiert. Da wird nichts abgesägt oder abgebrochen. „Es kann nur geknickt werden.“ Er hat zum Beispiel ein Muster gelegt, das an eine isometrische Darstellung erinnert. Quadratisch und innen noch mal ein Quadrat. Wie Legosteine sind die Holzmaßstäbe ineinandergesteckt.

8273977c-be87-11e5-aa9b-b5716511b533

Verblüffend und faszinierend: Der Falkenseer Künstler Heinz Bert Dreckmann kreiert aus alltäglichen Dingen unserer Wegwerfgesellschaft Holzklammer-Hochhäuser, Objekte aus Zollstöcken oder wunderbare Löffel-Gebilde.

Zur Bildergalerie

Die drei Türme aus Holzwäscheklammern in seinem Atelier indes gehören zu einer Stadt, für die er über 11 000 Stück verwendet hat. Und wie verwandelbar doch diese Klammer-Hochhäuser – sein größtes misst 2,20 Meter – sind. „Sehen Sie, man muss bloß leicht dran drücken“, führt’s der Künstler vor. Prompt ist das obere Stockwerk genau in entgegengesetzter Richtung zum unteren.

Makellos sind alle Wäscheklammern seiner Häuser. Akribisch hat er jene mit Maserung aussortiert. Er kam auf die Idee, sie als Druckstock zu verwenden. „Ich hab’ ihre Federn ausgebaut, die Einzelteile auf ein Niveau gesägt, auf eine Grundplatte montiert und in ihrer Gesamtheit abgedruckt.“ Ein wunderbares Bild ist’s geworden.

Mit Wäscheklammern probierte er schon als Junge

Überhaupt: Wäscheklammern haben ihn schon als Junge daheim in Köln fasziniert. Er versuchte, was draus zu bauen. „Aber es waren ja viel zu wenige der gleichen Art. Das war so ein Sammelsurium von Mutter und Großmutter, mit dem ich nicht recht vorwärts kam.“ Und er zeichnete, tauchte ab in eine andere Welt. In dieser schweren Zeit – die Mutter starb, als er acht war. „Ich sah Fabelwesen in den Kieselsteinen, die ich sammelte, und brachte sie aufs Papier. Weil die Familie mein Talent sah, schickte sie mich in einen Mal-Kurs auf die Volkshochschule“, erzählt Dreckmann. Sommers aquarellierten sie am Tümpel. Im Winter entstanden Porträts. „Es war klar, das wird mein Beruf.“

Von Köln nach Falkensee

Heinz Bert Dreckmann wurde 1948 in Köln geboren . Er wurde Bühnenmaler an den dortigen städtischen Bühnen und studierte in seiner Heimatstadt von 1966 bis 1971 Wand- und Experimentelle Malerei an den Werkkunstschulen. Freischaffend ist der Künstler, der vor allem industriell hergestellte Produkte als Ausgangsmaterial seiner Arbeiten wählt, seit 1972 tätig.

Er arbeitet für Museen sowie Theater wie die Komödie am Ku’damm und das Grips Theater in Berlin. Seit 1992 lebt Dreckmann mit seiner Frau Gabriele Sehringer in Falkensee (Havelland). 2007 wurde er Mitglied im Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen & Künstler e.V. (BVBK).

Derzeit kann man seine Objekt-Kunst in der Ausstellung „seriell – miteinander“ im „Hotel am Markt“, Baderstraße 19, in Werder (Havel) sehen, Mi-So ab 12 Uhr, bis 29. Februar. Sowie in der Werkgalerie Hentzsch, Bahnhofstraße 151, Dallgow-Döberitz, Mi -Fr 11 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 15 Uhr, bis 6. Februar.

Er wurde Theatermaler an den städtischen Bühnen seines Heimatorts, ab 1966 studierte er an den Kölner Werkkunstschulen für Bildende Kunst, Architektur und Gestaltung. 1979 rief ihn seine einstige Freundin an, die an der Schaubühne in Berlin war. Schillers „Die Räuber“ sollte gespielt werden, Bühne und Zuschauerraum eine klassizistische Malerei erhalten. „Die schmale Truppe dort konnte das nicht schaffen. Ich trommelte ein paar Kölner Kollegen zusammen. Hinterher bekam ich an der Schaubühne den Posten des ersten Theatermalers“, sagt Dreckmann.

Bald wollte er wieder freiberuflich sein. Er arbeitet immer noch für Theater und Museen. Erst letztes Jahr hat er mit seiner Frau Gabriele Sehringer im Hedwig-Bollhagen-Museum in Velten ein Bollhagen-Muster aus den 1920ern auf den Linoleum-Fußboden gebracht.

Und seine Leidenschaft sind immer noch Objekt-Installationen aus Alltagsgegenständen unserer Wegwerfgesellschaft. Aus Drahtkleiderbügeln, Schwämmen, Partypikern, Regenschirmen. Oder vier große Papierscheren ergeben ineinandergesetzt Verblüffendes. Und 30 blitzeblanke Schlösser schließen sich gegenseitig im Rund. „Die können sich nicht entrinnen“, witzelt Dreckmann, „die sind aneinandergekettet.“ Dann muss er unbedingt noch seinen Lenin zeigen. Er hat die Büste, die er auf einem Markt erwarb, kurzerhand in eine Schöpfkelle gestellt, die einen Liter Suppe fassen kann. Man steht davor und schmunzelt.

Von Angelika Stürmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
www.esprit.de
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?