Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Helm auf, ab ins Mittelalter
Nachrichten Kultur Helm auf, ab ins Mittelalter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 11.03.2018
Kunst des Schwertkampfs: In “Kingdom Come: Deliverance“ lernen die Spieler vielfältige Techniken – und ganz nebenbei auch einiges über die tschechische Geschichte. Quelle: Hersteller
Anzeige
Leipzig

So war das also damals vor 600 Jahren. In den Wirtsstuben östlich von Prag schimpften die Einheimischen bei frischem Kellerbier über arrogante “Deutschlinge“, König Wenzel der Faule frönte lieber dem Amüsement, anstatt sich ums Wohlergehen seiner Untertanen zu scheren, und alle paar Meter köchelte ein Topf mit Kesselgulasch to go über dem Feuer.

Kann das gut gehen? Kann es nicht. Im Rollenspiel “Kingdom Come: Deliverance“ (KCD) ist es schnell vorbei mit der Mittelalteridylle. Das Open-World-Abenteuer versetzt Spieler ins Böhmen des Jahres 1403.

Gerade noch grüßten sich der Sohn des Schmieds und die Stoffhändlerin freundlich auf dem Marktplatz. Von einer Sekunde auf die andere gerät das Dörfchen Skalitz in die Wirren eines Krieges, der Heinrich, einen rebellischen Jungspund, als Waisen zurücklässt und ihn zum Rächer seiner ermordeten Eltern macht.

Eine Reise durch die tschechische Geschichte

Es ist der Beginn einer mehr als 50-stündigen Reise durch die tschechische Geschichte, die schon allein durch ihr unverbrauchtes Setting fesselt. In “KCD“ erlernen Spieler die Kunst des Schwertkampfes mit komplizierten Angriffs- und Verteidigungstechniken.

Gegen eingerüstete Widersacher im Klingenduell zu bestehen erfordert viel Übung. Gleiches gilt für den Umgang mit Pfeil und Bogen. Gezielt wird nach Gefühl, denn die Bildschirmmarkierung verschwindet beim Anlegen des Bogens – da wird Treffen zur Glückssache.

Oft kann sich Heinrich entscheiden, ob er in Meisterdiebmanier wie im Klassiker “Thief“ lautlos durch Burgen schleicht oder sein Schwert zückt – was nicht selten unter der böhmischen Grasnarbe endet.

Mit viel Liebe zum Detail haben die Warhorse Studios aus Prag ihr Mittelalter-Epos in Szene gesetzt. Quelle: Hersteller

Generell ist “Kingdom Come: Deliverance“ ein Abenteuer, dem Hektik fremd ist. Es reißt Spieler langsam, aber dafür umso intensiver mit – falls sie über Fehler wie tschechische Dialoge, verschwindende Gliedmaßen oder irrlichternde Dorfbewohner hinwegsehen.

Zwischen den filmisch inszenierten Story-Aufgaben warten klassische Hol- und Bring-Missionen, die Abwechslung in das atmosphärisch erstklassige Historienszenario bringen.

Der Held ist die Spielwelt

Tatsächlich ist nicht Heinrich der Held von “KCD“, sondern die etwa 16 Quadratkilometer große Spielwelt. Mit viel Liebe zum Detail haben die Warhorse Studios aus Prag jedes Fachwerkhaus und jeden Grashalm ins Spiel gepflanzt. “Ja so warn’s, die alten Rittersleut!“ möchte man immer wieder in die böhmische Wildnis rufen.

Das per Crowdfunding finanzierte Abenteuer hält sich weitgehend an historische Vorlagen. In einem Lexikon kann sogar zu jedem Ort und jedem Herrscher geschmökert werden. Eine schmackhafte interaktive Geschichtsstunde – nicht nur wegen Kellerbier und Kesselgulasch.

Von Robert Nößler

Ex-Präsident Barack Obama verhandelt mit dem Streamingdienst über eine eigene TV-Show – ein Hoffnungszeichen, meint unser Autor.

11.03.2018
Kultur Das Debütalbum von Elise LeGrow bereitet Gänsehaut - Die schönen, alten Songmöbel

Elise LeGrow ist 30 und viel zu jung für die Musik von Etta James und Chuck Berry. Die Kanadierin hat für ihr Debütalbum “Playing Chess“ Perlen aus dem Archiv von Chess Records neu eingespielt. Ergebnis: Gänsehaut.

17.03.2018

Am 10. März erscheint „Skandinavisches Viertel“, der neue Roman von Torsten Schulz. Die MAZ-Kulturredaktion ist von dem Buch dermaßen begeistert, dass sie den Autor für den 19. März spontan zu einer Lesung mit anschließendem MAZ-Talk in den MAZ Media Store nach Potsdam eingeladen hat.

14.03.2018
Anzeige