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Kultur Holocaust-Zeugnisse des Grauens
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19:39 25.01.2016
Leo Breuer nannte sein Bild „Pfad zwischen den Baracken“ (1941). Quelle: OZBILD
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Berlin

Sie zeigen das nackte Grauen, aber auch Hoffnung und Sehnsucht: Das Deutsche Historische Museum in Berlin präsentiert ab Dienstag hundert Bilder bekannter und unbekannter jüdischer Künstler. Deren Werke entstanden während der nationalsozialistischen Herrschaft in mehreren Konzentrationslagern und Ghettos. Sie werden von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Israel zur Verfügung gestellt. Es ist die bislang größte Schau aus deren Sammlung außerhalb Israels.

Leo (Lev) Haas schuf die „Ankunft des Transportes“ 1942. Quelle: OZBILD

Die Ausstellung „Kunst aus dem Holocaust“ ist gleichzeitig Abschluss des 50-jährigen Bestehens der deutsch-israelischen Beziehungen und sei als „unschätzbares Zeichen der Freundschaft“ zu werten, sagt der Präsident des Museums, Alexander Koch.

Zeugnisse eines unbeugsamen, menschlichen Geistes

„Diese Werke, die den Holocaust überdauert haben, erlauben uns einen Einblick in die Fähigkeit der Kunst, die Perspektive der jüdischen Opfer zu vermitteln“, sagt der Vorsitzende von Yad Vashem, Avner Shalev. „Jedes dieser Werke ist sowohl ein lebendiges Zeugnis aus dem Holocaust als auch eine Bekräftigung eines unbeugsamen, menschlichen Geistes.“

Malen unter Lebensgefahr

Die überwiegend grafischen Blätter entstanden zum Teil unter unmenschlichen Bedingungen im Geheimen. „In einem kompromisslosen Akt des Widerstands zeichneten und malten die Künstlerinnen und Künstler unter Lebensgefahr“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Eliad Moreh-Rosenberg von Yad Vashem. „Einige schilderten deutlich die Grausamkeiten und Erniedrigungen, die sie erdulden mussten, andere widersetzten sich der fortschreitenden Entmenschlichung, indem sie das Individuelle und das innere Seelenleben betonten.“

Dieses Detail entstammt dem Bild „Ein Frühling“. Ein Schmetterling als Zeichen der Hoffnung im grauenhaften Lager-Alltag; von Karl Bodek und Kurt Löw (1941). Quelle: OZBILD

Auf deutscher Seite betreut die Bonner Stiftung für Kunst und Kultur die Ausstellung, die von der „Bild“-Zeitung initiiert wurde. „Die Bilder zeugen von der Kraft des Geistes im Angesicht von Elend und Tod und dem Widerstreit zwischen der Wirklichkeit des Holocaust und einer imaginativen Gegenwelt“, heißt es im Begleittext. Walter Smerling, der die Schau für die Stiftung kuratiert, hat die Bilder mit ausgewählt. „Kunst ist eine mächtige Antwort gegen Unterdrückung und Terror“, betont Smerling. „Diese Ausstellung ist eine Mahnung, die Würde des Menschen hochzuhalten, denn sie ist der unantastbare Kern unseres Daseins.“

24 von 50 Künstlern von den Nazis ermordet

Von den 50 präsentierten Künstlern wurden 24 von den Nationalsozialisten ermordet. Die Bilder wurden teils von anderen Häftlingen, teils auch von Aufsehern gerettet. Einige dienten in späteren Prozessen als Beweismaterial für die Verbrechen gegen die Juden.

Gedenken in Yad Vashem

600 Bilder aus der Zeit der Judenverfolgung hat die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem in der Sammlung.

Der Name Yad Vashem (hebr.: „Denkmal und Name“) entstammt der Bibel: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ (Jes. 56, 5)

Die Ausstellung ist zu sehen im Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin. Bis 3. April; täglich 10-18 Uhr; Eintritt bis 18 Jahre frei, Tagesticket 8, ermäßigt 4 Euro.

Besonders bewegend ist das Schicksal des tschechischen Arztes Pavel Fantl (1903–1945), der im Ghetto Theresienstadt mehr als 80 Bilder malte. „Das Lied ist aus“ – in unserem Bildblock oben – zeigt Adolf Hitler als traurigen Clown. Die Mal-Utensilien erhielt Fantl damals von tschechischen Wachmännern. Seine Werke konnte er noch aus dem Ghetto schmuggeln, bevor Fantl und seine Familie 1944 nach Auschwitz deportiert wurden. Im Vernichtungslager wurden seine Frau und sein Sohn ermordet. Fantl starb 1945 auf einem Todesmarsch.

„Kunst aus dem Holocaust“ wurde am Montagabend – zwei Tage vor dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet.

Von Axel Büssem

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