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Kultur Horst Eckert ließ sich von den NSU-Morden inspirieren
Nachrichten Kultur Horst Eckert ließ sich von den NSU-Morden inspirieren
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17:55 15.11.2016
Horst Eckert präsentiert morgen in Potsdam seinen Thriller „Wolfsspinne“. Quelle: dpa
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Potsdam

Das Leben ist kein Krimi, bei dem sich am Ende alle Fragen lösen lassen. Je mehr Ermittler sich in die Aufklärung eines Verbrechens hineinknien, desto mehr bohrende Zweifel und wilde Verschwörungstheorien können aufkommen. Die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) ist so ein Beispiel. Warum haben die staatlichen Behörden wichtige Akten geschreddert? Steuerten nicht vielleicht sogar die V-Leute des Thüringer Verfassungsschutzes den rechtsextremen Terrorismus? Und stimmt es, dass Uwe Mundlos und Uwe Böhnhard Selbstmord verübt haben, bevor dann auch noch ihr Wohnmobil in Flammen aufging?

Politisch hochbrisante Fragen dieses Kalibers greift der Krimi-Autor Horst Eckert auf, um in aller Öffentlichkeit durchzuspielen, welche dunklen Interessen am Werk gewesen sein könnten. In seinen beiden Thrillern „Schwarzlicht“ und „Schattenboxen“ ließ er seinen Hauptkommissar Vincent Che Veih bereits ermitteln, warum 1987 der CDU-Politiker Uwe Barschel und 1991 der Treuhand-Chef Detlev Rohwedder wirklich starben. Auch wenn Eckert Namen, Schlüsselszenen und Charaktere fiktionalisiert, weiß jeder Leser, wovon die Rede ist. Wer etwa in diesem Buch den namen Liese Schittko liest, denkt sofort an Beate Zschäpe.

Horst Eckert ist einer von 60 Autoren, die bis Sonntag beim Krimimarathon Berlin-Brandenburg mit neuen Mord- und Totschlagsgeschichten faszinieren wollen. Mit seinem Anliegen, staatlichen Ermittlungsergebnissen besser zu misstrauen, ragt der 57-Jährige aus dem Großaufgebot heraus. Am morgigen Donnerstag, 19 Uhr, stellt Eckert seinen neusten Coup im MAZ Media Store in Potsdam vor.

Ausgewählte Veranstaltungen des Krimimarathons

Mittwoch: Maxim Leo liest aus „Auentod“ 19.30 Uhr, Bürgerhaus Teltow, Marktplatz 1-3, Teltow.

Stephan Hähnel liest aus „Verschwiegne Wasser“, 18 Uhr, Kongresshotel, Am Luftschiffhafen, Potsdam.

Donnerstag: Horst Eckert liest aus „Wolfsspinne“ 19 Uhr, MAZ Media Store. Friedrich-Ebert-Straße 85, Potsdam.

Sabine Thiesler liest aus „Und draußen stirbt ein Vogel“ 18.30 Uhr, Landesbibliothek, Am Kanal 47, Potsdam.

Michael Tsokos liest aus „Sind Tote immer leichenblass?“ 19 Uhr, Stadtwerke, Steinstraße 101, Potsdam.

Declan Burke liest aus „The Big 0“ 19 Uhr, Carlotte & Company, Friedrich-Ebert-Straße 109, Potsdam.

Thomas Krüger liest aus „Erwin, Enten und Entsetzen“ 19.30 Uhr, VW Autohaus, Potsdamer Straße 96, Michendorf.

Freitag: Martin Krist liest aus „Märchenwald“ 19 Uhr, Bibliothek, Am Gutspark 6, Falkensee.

Melanie Raabe liest aus „Die Wahrheit“, 19 Uhr. Bücherhaus Ebel, Berliner Straße 36, Großbeeren.

Max Bentow liest aus „Der Traummacher“ 19 Uhr, Schmiede 9. Am Neuen Markt 9, Potsdam.

Tim Pieper liest aus „Kalte Havel“ 19 Uhr, Gasthaus Pusch, Hauptstraße 10, Trebbin.

Susanne Rüster liest aus „Abgedreht“ 19.30 Uhr. Kulturladen, Ketziner Straße 50 a, Potsdam-Fahrland.

Samstag: Anna Riebel liest aus „Silvaner trocken“ 19.11., 18 Uhr. Arcona Hotel. Zeppelinstraße 136, Potsdam.

Marvin Entholt liest aus „Schwarze Küken“. 18 Uhr, Ringhotel, Weinbergstraße 4, Caputh.

Alexander Hartun liest aus „Die Erinnerung so kalt“ 20 Uhr. Fontane-Klub, Ritterstraße 69 Brandenburg/Havel.

Sonntag: Gregor Weber liest aus „Asphaltseele“ 16 Uhr. P & B Buchhandlung im Hauptbahnhof, Potsdam.

Verena Turba liest aus „6Frauen ... Ein Mord?“ 19 Uhr. Kabarett Obelisk, Charlottenstraße 31, Potsdam.

Auf den letzten zehn Druckseiten des Romans „Wolfsspinne“ werden demonstrativ sämtliche „Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland seit dem 3. Oktober 1990“ verzeichnet. Auf eine Liste aller im Roman handelnden Personen, die beim Lesen sehr hilfreich gewesen wäre, hat der Verlag leider verzichtet. Horst Eckert benötigt viele Nebenfiguren, um sein Handlungsgeflecht durch die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Milieus zu führen. Was Kommissar Veih und der vom Verfassungsschutz eingesetzte Undercover-Agent Ronny unabhängig voneinander herausbekommen, gipfelt in einem komplexen und dramaturgisch überhitzten Finale. Finanzinvestoren und Drogenbanden, Kameradschaftstreffen der Nazis und Polizeieinsätze bei Gegendemonstrationen, Edelrestaurants und billige Frittenbuden – überall herrscht der Verdacht, dass intrigante Hintermänner die Strippen ziehen. Und dass Pizzakuriere, egal ob sie für arabische Großfamilien oder Nazis arbeiten, auch Chrystal Meth vertreiben können.

Eckerts Ermittler Veih steht für einen Hauptnerv der deutschen Zeitgeschichte. Sein Opa war strammer Nazi, die Mutter eine RAF-Terroristin, die nach der Verbüßung einer langer Haftstrafe wieder in Düsseldorf wohnt. „Dass ihr Sohn Polizist geworden war, empfand sie als Affront“, heißt es. Doch in diesem Buch wächst das Verständnis füreinander. Dabei weigert sich die Mutter weiterhin, ihrem Sohn zu verraten, wer sein Vater ist. Als der Verdacht entsteht, sie könnte als junge Frau eine Liaison mit Odin (einem Mann mit einer Biografie wie Horst Mahler) gehabt haben, fragt sich Veih entsetzt: „Wieviel Nazi-Gene stecken in mir?“ Mit deutscher Vergangenheit wird der Westdeutsche obendrein konfrontiert, als in Nordrhein-Westfalen unvermittelt Ronny, sein Großcousin aus Jena, auftaucht. Dass er immer noch mit seinem ehemaligen Stasi-Führungsoffizier arbeitet, der inzwischen als Schild und Schwert der Demokratie fungiert, macht die Geschichte nicht weniger suspekt.

Horst Eckert: Wolfsspinne. Wunderlich, 490 Seiten, 19,95 Euro.

Von Karim Saab

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