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Kultur „Ich hätte sagen sollen, leckt mich“
Nachrichten Kultur „Ich hätte sagen sollen, leckt mich“
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18:57 19.02.2013
Andreas Schmidt-Schaller. Quelle: dpa
POTSDAM

Wie die Sache an den städtischen Bühnen in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) lief, erfuhr die Staatssicherheit von einem ihrer Zuträger: Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller. Der heute 67-Jährige wurde in den 80er Jahren als Ermittler des DDR-TV-Krimis „Polizeiruf 110“ bekannt und bringt inzwischen in der ZDF-Serie „Soko Leipzig“ die Verbrecher zur Strecke.

Damals aber nahm er den Generalintendanten des Karl-Marx-Städter Theaters, Gerhard Meyer (1915-2002), ins Visier. Dieser habe bei jener Versammlung mit einem weiteren Genossen ganz hinten gesessen und sich die ganze Zeit lustig gemacht, petzte Schmidt-Schaller. Schon ein paar Monate zuvor, als das DDR-Volk über die neue Verfassung abstimmen sollte, schwärzte er jenen Chef bei der Mielke-Truppe an. Meyer habe von Genossen gefordert, zur Wahl zu gehen. Zugleich soll er jedoch gesagt haben, ob diese mit Ja oder Nein stimmen würden, sei ihm egal.

Das alles liegt weit zurück, und nach 1990 hat der Schauspieler viele Gelegenheiten verpasst, über seine Stasi-Vergangenheit zu reden. Das autobiografische Buch „Über Gott und die Welt ...“ von 2006 hätte die Chance geboten. In Interviews plauderte der einstige Leipziger Theaterstudent über seine früheren Lieblingskneipen – und verlor kein Wort darüber, dass er sich unter dem Decknamen Jochen von der Stasi anheuern ließ.

Erst jetzt, da die Unterlagen ans Licht kommen, räumt er die Anwerbung ein: „Ich hätte damals einfach sagen sollen, leckt mich am Arsch. Aber dazu war ich nicht in der Lage“, sagte er der „Bild“-Zeitung. Er habe die DDR für das bessere Land gehalten, aber auch Angst gehabt, seine Mutter könnte bei einer Weigerung ihre Arbeit verlieren.

Die Recherchen der Stasi-Unterlagen-Behörde waren aufwendig. Die Original-Akte jenes IM-Vorgangs ist nicht erhalten. Doch Durchschläge und Abschriften fanden sich in Ordnern zu anderen Personen. Ein Puzzle, aus dem mühsam ein mehr als 70-seitiges Gesamtbild entstand.

Schmidt-Schaller, der heute in Berlin lebt, wuchs in Gera bei seiner Mutter und Großmutter auf. Beide waren IM und stellten ein Zimmer ihrer Wohnung der Stasi zur Verfügung. Die brauchte solche Quartiere für diskrete Treffs. Sohn Andreas war eingeweiht, kaum 18-jährig schrieb er 1963 eine Schweigeverpflichtung. Er versprach, „den operativen Mitarbeitern“ Bescheid zu geben, falls jemand hinter das Wohnungsgeheimnis käme.

Als Schmidt-Schaller 1965 sein Studium in Leipzig begann, fasste die Staatssicherheit den Plan, ihn zur Aufklärung von Mitstudenten anzuwerben. Ab 1967 wurde er als IM-V (IM-Vorlauf) geführt. Zehn Berichte von ihm sind erhalten geblieben. Die gelieferten Informationen wurden meist von seinem Führungsoffizier zu Papier gebracht. In einem Fall blieb ein handschriftlicher Bericht von „Jochen“ über Meyer erhalten.

Schon 1965 lieferte Schmidt-Schaller nach Aktenlage Informationen über eine Person am Geraer Theater, die Verbindungen zu Westberliner Schieberkreisen unterhalten würde. Später plauderte er über einen jungen Chemnitzer Regisseur, den er des „Intellektualismus“ bezichtigte.

Laut Akte zeigte Schmidt-Schaller jedoch ab 1973 eine „schwankende Haltung zur Kulturpolitik der SED“, die Verbindung zum IM-V wurde beendet. Bis 1982 blieb er aber (wegen der Wohnung seiner Mutter) als IM-K (Konspiration) registriert.

Seiner Karriere hat das Ende der Zusammenarbeit nicht geschadet. Ab 1986 war er als dynamischer Volkspolizei-Leutnant Thomas Grawe im „Polizeiruf“ zu sehen, galt als Schimanski des Ostens. Seit zwölf Jahren spielt er in der ZDF-Serie „Soko Leipzig“.

Die DDR-Opfer-Hilfe hat das ZDF gestern aufgefordert, „Soko Leipzig" abzusetzen. Es sei eine Zumutung für ehemals politisch Verfolgte der SED-Diktatur, wenn frühere Spitzel gebührenfinanziert in vorderster Reihe beschäftigt würden, sagte Verbandsvize Roland Schulz. (Von Armin Görtz)

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