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Kultur Im Geiste des Geodreiecks
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16:40 05.07.2017
Klare Formen, gleichmäßige Winkel, und irgendwo ein Kreis: Die ehemalige Gewerkschaftsschule in Bernau hält sich streng an die Bauhaus-Maßgaben. Quelle: AP
Bernau

Kreise und Quadrate, von Zirkeln geschaffen, vom Geodreieck geprüft: Die Strenge eines akkuraten Mathelehrers weht durch diese Räume – denn der Geist des Bauhauses war hochmodern, aber humorlos, als er auf die Welt kam, 100 Jahre ist das her. Fenster, Giebel, Wände : All das hörte auf die Anmut eines funktionalen, aufgeräumten Ebenmaßes.

Im Innenhof der Bauhaus-Bauten in Bernau (Barnim) sitzt Mona Jas, die Sonnenbrille in das blonde Haar geschoben, mit der rechten Hand jongliert sie ein Glas Wasser. Sie greift zu einem Satz, der ihre sommerliche Lässigkeit noch untermalt und damit im Kontrast zum sorgfältigen Bauhaus steht: „Ich knie nicht vor jeder Säule der Gebäude nieder.“ Ein wenig trotzig spannt sie ihre Lippen, dann lächelt sie.

Natürlich mag sie das Gebäude, diese alte Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsverbundes, ein Komplex von Lehr- und Verwaltungsgebäuden, vier Kilometer vor Bernau. Gewerkschaft, Verwaltung, Komplex ... Da denkt man gleich an Backsteinklötze, die sich windschief gegen den Kapitalismus stemmen. Nicht so in Bernau. Sonst wäre Mona Jas vor sieben Jahren nicht hierher gezogen. „Damals dachte ich, hier ist ein Rückzugsort“, sagt sie. Heute weiß sie: „Es ist mein Handlungsraum!“

Drei neue deutsche Kandidaten fürs Welterbe

Das Unesco-Welterbekomitee berät derzeit in Krakau über die Aufnahme neuer Kultur- und Naturstätten in die begehrte Welterbeliste.

Weltweit sind 35 Stätten nominiert, Deutschland möchte das bestehende Welterbe Bauhaus in Dessau um die Bundesschule Bernau und die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau erweitern.

Deutschland hat sich außerdem mit den Höhlen der ältesten Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb und dem Naumburger Dom beworben.

Bisher umfasst die Liste des Unesco-Welterbes 1052 Stätten, 41 davon in Deutschland.

Die Informationen zur Internationalen Sommerschule im Bauhaus-Ensemble Bernau vom 14. -26. August unter www.summerschool-bernau.de

Sie wohnt mit Holger Friese, ihrem Mann, in einem der historischen Lehrerhäuser, flache Bungalows, zuletzt gesehen in den alten Filmen aus den USA, als grundentspannte Cadillacs noch 20 Liter schluckten. Entspannt aber ist im Bernauer Bauhaus-Trakt in diesen Tagen niemand, denn die Häuser stehen auf der Vorschlagsliste zum Unesco-Welterbe. Derzeit wird in Krakau über die Anträge beraten. Über Bernau soll an diesem Wochenende entschieden werden.

Neben den Bauhaus-Bauten liegt ein Gymnasium, „die Kinder wissen mit dem Bauhaus wenig anzufangen – ich stand schon vor der Tür des Bauhauses und wollte sie mit einer Mahlzeit in den Speisesaal locken“, sagt Mona Jas. Wenig Reaktion. Manche drehten sich weg, im Blick die Frage: „Was will die von uns?!“

Mona Jas ist Künstlerin, sie unterrichtet an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Auch wenn ihr der Kult ums Bauhaus fremd ist, weiß sie von dessen Vorzügen. Sie spricht von Licht, Form und Material, vor allem von den Bodensteinen – „das ist zeitlose Schönheit, nicht nur für Architekturgourmets ab 50 Jahren.“

Das Bauhaus lockt vor allem Spanier, aber auch Makler aus Hong Kong

Vom 14. bis 26. August wird sie mit Holger Friese, ihrem Mann, die Internationale Sommerschule ins Bauhaus-Ensemble holen. Zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr kamen während der zwei Wochen 42 Teilnehmer aus zwölf Ländern von drei Kontinenten. Veranstalter ist die Handwerkskammer Berlin. „Vor allem Spanier sind gekommen, auch eine Immobilienmaklerin aus Hong Kong“, sagt Jas. Das Wort „Bauhaus“ habe einen Klang, der weltweit Echo findet.

Im letzten Jahr ging es um „Universalism“, in diesem Sommer heißt das Thema „Architecture & ...“. Es wird nicht ausschließlich, doch viel auf Englisch gesprochen, um während der 14 Tage ein internationales Publikum zu erreichen. Friese ist der künstlerische Leiter, es wird sechs Kurse geben, einen bietet Mona Jas an. Sie widmet sich der Zeichnung im Raum: Die Teilnehmer malen räumliche Eindrücke, die sie im und um das Bauhaus-Gebäude gesammelt haben, mit digitalem Stift auf Papier, der Stift stellt die Zeichnungen auf dem iPad dar, diese Linien lässt man „ausplotten“ und klebt sie als Folie je nach gewünschter Größe an die Wand.

Welterbe und Zuckerdose agieren auf Augenhöhe

Die Teilnehmer der Kurse werden in den Bauhaus-Gebäuden essen, lernen und schlafen – für 120 Teilnehmer ist das Haus ausgelegt. „Diese Kurse tun dem Gebäude gut, denn oft sind sie verriegelt, der Aspekt des Lernens kommt hier derzeit etwas kurz“, sagt Mona Jas.

Wenn es den Gymnasiasten von nebenan schwer fällt, mit den historischen Bauten Freundschaft zu schließen, dann kommen immerhin die Flüchtlingskinder – gute 500 Meter weiter leben sie mit ihren Eltern, hinter der Landstraße in einer Unterkunft. Vor allem stammen sie aus Syrien und Afghanistan, sie lernen Deutsch in Eberswalde, „manchmal schaut eine Rasselbande von sechs Kindern und Jugendlichen bei mir vorbei und klingelt.“ Sie schauen auf gefaltete Papierkunst oder auf die Zuckerdose der Tochter. Und fragen: Ist die selbst geschnitzt?

Alles ist in Deutschland neu für sie. Was ist Bauhaus, was alltäglicher Gebrauch? Die Flüchtlingskinder trennen nicht. Denn sie spüren: Im Lehrerhaus von Mona Jas verwischen die Maßstäbe. Im Zweifel stellen sie Unesco-Welterbe und Zuckerdose auf Augenhöhe.

Von Lars Grote

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