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Im neuen Programm der Berliner Distel geht’s um Geldwäsche im Wannsee

Kabarett Im neuen Programm der Berliner Distel geht’s um Geldwäsche im Wannsee

Amüsant: Im neuen, anspruchsvollen Programm „Wer zockt, ist länger reich“ des Berliner Kabaretts „Distel“ geht’s um Geldwäsche im Wannsee. Drei kauzige Provinzler stehen sich da fortwährend selber im Wege und sie lauern mit bunten Strumpfhosen über dem Kopf auf einer Autobahntoilette Wolfgang Schäuble auf. Unverhoffter Reichtum macht nicht froh.

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Wer früher zockt, ist länger reich (v.l.): Edgar Harter, Matthias Felix Lauschus und Michael Nitzel.

Quelle: Distel

Berlin. Das Finanzamt nimmt gern die Kassen kleiner Vereine unter die Lupe. Das weiß auch der Dorfverein von Ehmte, der unverhofft zu Wohlstand kommt, da der Vorsitzende mit der mageren Vereinskasse ins Casino gezogen ist. Wohin nun mit den hunderttausend Euro? Schließlich darf die Gemeinnützigkeit nicht gefährdet werden.

Das Distel-Programm „Wer früher zockt, ist länger reich“ folgt dem Vereinsvorstand auf der Suche, das Geld loszuwerden. Vorsitzender ist der hemdsärmlige Güllepumpenproduzent Millermann (Michael Nitzel). Den Kassenwart macht der pensionierte Lehrer Schmutzler (Edgar Harter), der dem gutbürgerlichen Bildungskanon nachtrauert. Beisitzer ist der großflächig tätowierte Kneipenwirt Hacki (Matthias Felix Lauschus).

Der Kölner Regisseur Hans Kieseier hat eine Art Olsenbande auf die Bühne gestellt: drei kauzige Provinzler, die sich fortwährend selbst im Wege stehen. Wie sollen sie den Geldkoffer entsorgen? Der Kämmerer von Ehmte hat kein Interesse – bei Mehreinnahmen würden ihm ja Fördergelder entgehen. Auch im Asylheim hebt man die Hände. Soll Ehmte etwa zum Massenziel der Flüchtlinge werden, weil es hier neue Matratzen gibt?

Und so machen sich die drei auf den Weg nach Berlin. Wenigstens als Parteispende wird man das Geld doch an den Mann bringen können. Herrlich, wie sie mit bunten Strumpfhosen überm Kopf Wolfgang Schäuble in einer Autobahntoilette auflauern. Der Finanzminister versteht gar nicht, warum ihn überhaupt jemand schmieren will: „Wir machen doch sowieso Politik für die Reichen.“

Da blödelt der Güllepumpenproduzent

Die drei Darsteller beweisen größte Wandlungsfähigkeit, wenn sie in allerlei Nebenrollen schlüpfen. Matthias Felix Lauschus geleitet das Publikum zudem mit gefühlvollem Lagerfeuer-Blues in die Pause.

Danach sitzen die drei immer noch auf dem Geld. Da kann wohl nur „Mutti“ helfen. Doch um zu Merkel vorzudringen, muss Millermann ein Casting bestehen. Gestattet wird ihm aber nur seine Frage nach einem leckeren Rouladenrezept.

Die kurzweilige Show spricht eine Vielzahl gesellschaftlicher Probleme an; vom Brexit über Korruption bis hin zur Flüchtlingspolitik. Sie ist bitterböser und anspruchsvoller als die meisten Distel-Programme der letzten Jahre. Sogar makabre Witze über Flüchtlinge erlaubt man sich – natürlich nur, um die hiesige Stammtischmentalität aufs Korn zu nehmen. „Viele Deutsche würden auch übers Mittelmeer schippern, wenn sie dort ihre Alte loswerden könnten“, blödelt der Güllepumpenproduzent.

Das Herz der Distel-Macher schlägt links, wobei sämtliche Lager ihr Fett abbekommen. Marxisten beantragen Artenschutz. Der FDP-Vertreter hält Gedankenfreiheit für die Abwesenheit von Gedanken aller Art. Der Grünen-Abgeordnete zieht als schwäbelnder Kampfradler ins Plenum.

Was den Geldkoffer angeht, so kann keine Partei helfen. Der wird schließlich im Wannsee versenkt. Fest steht für die drei Abenteurer, dass der „kleine Mann“ ohne Schwarzgeld ruhiger schläft.

info : www.distel-berlin.de

Von Antje Rößler

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