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Nachrichten Kultur Trauer um Mr.-Big-Drummer Pat Torpey
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11:47 09.02.2018
Bis zuletzt auf der Bühne: Pat Torpey bei einem Auftritt mit seiner Band Mr. Big im norwegischen Drammen am 3. November 2017. Auf der letzten Tour spielte Torpey meist Percussions, am Schlagzeug vertrat ihn Matt Starr.
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Los Angeles

Richtig „big“ wurden „Mr. Big“ – wie so viele der harten Rockbands – mit einer Ballade. „To Be With You“ hieß 1992 ihre fünfte Single, ein Song der in 15 Ländern auf Nummer Eins ging. Pole Position unter anderem in den Charts von Amerika, Australien, Deutschland – und Japan. Jedem mit Zugang zu Musik geisterte der Song mit der Akustikgitarre und dem schönen Harmoniesang damals durch den Kopf.

2014 wurde Parkinson diagnostiziert

Pat Torpey, der Schlagzeuger der Band, hatte speziell bei diesem Song nicht viel zu tun. Er schlug den Tamburin gegen die linke Hand und grinste breit. MTV spielte das Video rauf und runter, Mr. Big waren die Band der Stunde. Damals war von seiner Parkinson-Erkrankung noch nichts zu spüren, an der Torpey am vorigen Mittwoch im Alter von 64 Jahren starb.

„Mit gebrochenen Herzen sagen wir euch, dass unser Bruder, Freund, Schlagzeuger und Gründungsmitglied Pat am Mittwoch gestorben ist“, so meldete sich die Band auf Twitter mit Trauer zu Wort. Und mit dem Wunsch nach Besinnung: „Die Familie, die Band und das Management bitten darum, in dieser schwierigen Zeit in Ruhe gelassen zu werden.“

Im Juli 2014 hatte Torpey bekannt gegeben, dass bei ihm Parkinson diagnostiziert worden sei. „Ich beabsichtige, die Krankheit mit derselben Intensität und Zuverlässigkeit zu bekämpfen wie ich trommle und mein Leben lebe“, sagte er damals, „und ich werde mit Plattenaufnahmen und dem Spielen weitermachen so gut ich kann – wie immer.“

„Wow, das sieht nach Spaß aus!“

Pat Torpey wurde 1953 in Cleveland geboren. Erstmals schaute er mit sieben Jahren bei einem Familienpicknick dem Schlagzeuger einer Polkagruppe über die Schulter und befand, wie er 2011 in einem Interview mit der Website „OnlineDrummer.com“ erzählte: „Wow, das sieht nach Spaß aus!“

Zuhause habe er sich umgehend seine ersten „Designer-Trommelstöcke“ aus einem Ast gefertigt, der von einem Baum im Garten abgebrochen war. Auf der Highschool probierte sich Torpey in allen möglichen Musikformationen bis hin zur Marschkapelle aus. Nach einem Umzug nach Phoenix, Arizona, spielte er in ernsthafteren Bands mit – alles von Jazz bis Rock.

1983 zog es Torpey nach Los Angeles, er war Drummer zunächst für den britischen Popsänger John Parr („St. Elmo’s Fire“) und für die frühere The Go-Gos-Leadsängerin Belinda Carlisle. Jobs, Entrées in die Kreise der Bekannten und halbwegs Berühmten.

Das zweite Album brachte den Durchbruch

Dann sprang er bei den kalifornischen Sixties-Epigonen The Knack („My Sharona“) ein. Der Bassist Billy Sheehan und der Gitarrist Paul Gilbert sahen ihn bei einem Knack-Konzert und engagierten ihn sofort für ihre neue Rockband Mr. Big. 1989 erschien das Debütalbum, das zweite Werk „Lean Into It“ mit der abgestürzten Lokomotive auf dem Cover brachte der Band schließlich den Durchbruch.

Und während der Stern der Kalifornier in Europa und zu Hause in den USA noch in den Neunzigerjahren wieder sank – vielleicht weil sie mit den Nachfolgesingles „Just Take My Heart“ und der Cat-Stevens-Coverversion „Wild World“ zu sehr auf die Balladenkarte setzten, blieben Mr. Big „big in Japan“. Dort kamen ihre Alben bis zuletzt in die Top Ten der Charts. Dort veröffentlichte Torpey in den späten Neunzigern auch zwei Soloalben als Sänger.

Nach Bekanntgabe seiner Erkrankung, konnte Torpey seine Schlagzeugarbeit auf der Mr. Big-Tour zum Album „ …The Stories We Could Tell“ nurmehr eingeschränkt ausüben. Im Booklet des jüngsten Albums „Defying Gravity“ (2017) wurde er als „Schlagzeugproduzent“ vermerkt. Bei den Konzerten zum Album spielte er dann aber wieder Percussion, die körperlich anstrengendere Arbeit am Drumset übernahm für ihn – weitgehend – Matt Starr, der schon für Kiss-Mann Ace Frehley und den früheren Rainbow-Sänger Joe Lynn Turner getrommelt hatte.

„Wir wollen, dass es Paul, Eric, Billy und Pat bleiben“

In einem Interview mit dem Magazin „Rock Rebel“ sprach Bassist und Bandgründer Billy Sheehan 2017 davon, dass man bei Mr. Big das Motto der Navy Seals übernommen habe – „kein Mann bleibt zurück“. „Wir wollen, dass es Paul, Eric (Martin), Billy und Pat bleiben.“ Seit Mittwoch sind es nur noch Paul, Eric und Billy.

Von Matthias Halbig / RND

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