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Sechseinhalb Jahre Haft für 14 Gedichte

Unterdrückte DDR-Literatur Sechseinhalb Jahre Haft für 14 Gedichte

Die Schriftsteller Ines Geipel und Joachim Walther haben den Band „Gesperrte Ablage“ geschrieben, eine Geschichte der unterdrückten DDR-Literatur. Das Buch wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt, zur Sprache kam beispielsweise das Schicksal der Brandenburger Dichterin Edeltraud Eckert, die in Haft umgekommen ist.

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Ines Geipel forscht zum DDR-Unrecht.

Quelle: DPA

Berlin. Das Schicksal dieser jungen Frau habe sie stark an Sophie Scholl erinnert, sagte Ines Geipel, die gemeinsam mit Joachim Walther das Buch „Gesperrte Ablage“ verfasst hat, eine Geschichte der unterdrückten DDR-Literatur. Geipel sprach von Edeltraud Eckert, einer Dichterin, die als Widerstandskämpferin in Potsdam 1950 festgenommen und zu 25 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt wurde. Sophie Scholl hat gegen Verletzungen der Menschenrechte in der Nazi-Zeit gekämpft, Edeltraud Eckert engagierte sich in der „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“ gegen die SED-Herrschaft und hat in Rathenow Flugblätter verteilt.

Geipel schilderte am Dienstag, bei der Buchvorstellung in der Berliner „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“, jene Haftbedingungen, unter der Eckert litt: „Es gab Misshandlungen und keinerlei Papier, nur wegen guter Arbeitsleistungen ist ihr erlaubt worden, ein Oktavheft zu kaufen. Sie schrieb ihre ,101 Gedichte’ hinein, ein Vermächtnis.“ Denn Edeltraud Eckert erlitt als Mechanikerin in der Gefängnisschneiderei eine schwere Kopfverletzung, „sie wurde fast skalpiert.“ Eckert starb 1955 an den Folgen des Unfalls. Ihre Leiche ist eingeäschert worden, die Behörden setzten sie bei in einem geheim gehaltenen Massengrab.

Joachim Walther, Mitautor des Buches über unterdrückte DDR-Schriftsteller, warnte davor, zu glauben, in den 80er Jahren sei das Land „liberaler“ geworden: „Es gab auch dann noch junge Literaten, die für 14 Gedichte bis zu sechseinhalb Jahren ins Gefängnis mussten.“

Werner Schulz, DDR-Bürgerrechtler und heutiger Politiker von Bündnis 90/Die Grünen, hatte als Gast der Buchvorstellung betont, wie viel Literatur dem „viel beschworenen Leseland DDR“ vorenthalten wurde. „Die Zensur gab sich zuweilen versteckt: Verlage behaupteten, der Text passe nicht in ihr Profil, die Qualität sei ungenügend – oft war das ein Vorwand, der sich gegen die Gesinnung des Autors richtete.“ Meist reichten „Befindlichkeiten“, um ein Buch zu verbieten, es brauchte keinen Aufruf zum Putsch im Stile von Che Guevara.

Joachim Walther schloss: „Der Kanon der DDR-Literatur wurde nicht von den Lesern bestimmt, sondern vom Staat. Geschätzt wurden kritisch-loyale Autoren wie Christa Wolf, die das Land hinterfragten, doch an dessen Idee nicht zweifelten.“

Von Lars Grote

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