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Kultur Inge Löhnigs Roman erinnert an den Fall Natascha Kampusch
Nachrichten Kultur Inge Löhnigs Roman erinnert an den Fall Natascha Kampusch
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00:17 18.06.2016
Inge Loehnig kommt in den MAZ-Mediastore nach Potsdam. Quelle: Frank Bauer
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Potsdam

„Auf mein Konto gehen mittlerweile etliche Morde, eine Entführung und einige weitere Verbrechen“, freut sich Inge Löhnig, verheiratet, zwei Kinder. Und fügt dann in ihrem Steckbrief kokett hinzu: „ – alles fiktiv, versteht sich“.

Vielleich sind Kriminalromane ja auch eine Erscheinungsform sogenannter Wohlstandskriminalität. Die Münchnerin, die von einem kleinen Häuschen in der Bretagne träumt und „Schokolade, Kaffee und grünen Tee“ als ihre persönlichen Schwächen bezeichnet, hat immerhin schon neun Krimis und vier Jugendbücher veröffentlicht. Am heutigen Abend, 18.30 Uhr (rechtzeitig vor Anpfiff des Fußballkrimis Deutschland gegen Polen!), stellt sich die 57-Jährige im Rahmen der MAZ-Lesereihe Krimi live in Potsdam vor.

Für alle Krimiautoren bisher galt: Ihre Bücher sind nicht allein das Ergebnis von Gewaltfantasien, die sich in ihren Hirnen abspielen. Auch die täglichen Nachrichten beeinflussen die Inspiration. So ist es kein Wunder, dass zwei extreme Untaten, die seit 2006 und 2008 die Gemüter bewegen, in der literarischen Sphäre immer wieder neue Variationen nach sich ziehen.

Inge Löhnigs aktueller Roman „Gedenke mein“ nimmt ausdrücklich Bezug auf die Verbrechen von Wolfgang Priklopil und Josef Fritzl. Beide Entführer hielten sich in planvoll angelegten Verliesen ein Mädchen als Sexsklavin. Fritzl ging so weit, dass auch die sieben Schwangerschaften seines Opfers, die Geburten sowie das Leben der eigenen Kinder auf den Lebensraum Keller beschränkt blieben. Im Krimi von Inge Löhnig reicht eine Geburt, die das Drama um die kleine Marie, die als vermisst gilt, jäh beendet.

Die Autorin setzt auf Handlungselemente, Psyche und biografische Prägungen von Täter und Opfer bleiben rätselhaft. Sie konstruiert einen vertrackten Fall, den sie aus Sicht einer jungen, erfolgreichen Kommissarin erzählt, einer Sympathieträgerin fast ohne Ecken und Kanten. Gina Angelucci ist gescheit, vertraut aber auch ihrer Intuition. Sie ist 38 und zum ersten Mal schwanger. Nebenher plant sie ihre Hochzeit mit Kollegen Tino. Ein Arrangement, das vor allem Leserinnen rühren soll.

Kommissarin Angelucci hat gerade einen Mordfall gelöst, der 28 Jahre zurücklag. Nun nimmt sie sich auf Drängen der verzweifelten Mutter Petra noch einmal den Fall der siebenjährigen Marie vor, die vor zehn Jahren verschwand und deren Leiche nie gefunden wurde. Nach der Exhumierung der Überreste des Vaters, dem nach dem Ehezerwürfnis ein sogenannter „Mitnahmeselbstmord“ angelastet wurde, ergibt sich nach 160 Seiten eine neue Sicht auf den Fall. Frakturen im Schädel weisen darauf hin, dass Chris erschlagen worden ist. Der unbekannte Täter konnte nur das eine Ziel verfolgt haben: Marie habhaft zu werden.

Die Bestseller-Autorin, die sich in allen Krimis auf die Ermittlungsarbeit einer Abteilung für ungelöste Fälle konzentriert, musste also mehrere Männerfiguren im Umfeld der zerbrochenen Familie platzieren, denen eine solche Brutalität zuzutrauen ist. Aber welcher Mann verbirgt hinter seiner bürgerlichen Fassade, dass er ein eiskalter Mörder, ein Kontrollfreak und eine Sexbestie ist?

Das ist zum Beispiel der Immobilienmakler Mark, auch heute noch ein guter Freund der Mutter – „immer besorgt, immer an ihrer Seite“. Mark hat keine feste Partnerin und sichert sein Haus mit auffällig viel Überwachungstechnik. Da ist auch Erik Terbek, ein einsamer, schrulliger Ex-Nachbar, der oft nackt in seinem Hof herumläuft. Er saß schon wegen Missbrauchs seiner Nichte im Gefängnis ein und tröstet sich mit einer Sexpuppe über seine Einsamkeit hinweg. Auch ein kinderloses Ehepaar, dass sich mit vielen Pflegekinder verbarrikadiert, steht im Verdacht ...

Nach 240 Seiten scheint der Fall klar auf der Hand zu liegen, doch dann wird nach weiteren 160 Seiten ein ganz anderer Täter überführt, den die meisten Leser nicht auf ihrer Rechnung hatten.

Hervorstechend an diesem Buch ist der pragamatische, weibliche Blick. Kommissarin Angelucci ist eine moderne, beherzte Frau, die um ihre bevorstehende Hochzeit nicht viel Aufhebens macht und mit einfachen Worten ihre Mitmenschen charakterisiert. Aufgrund ihrer Schwangerschaft, die noch ein Geheimnis darstellt, entwickelt sie einen scharfen Blick für den Körperfettanteil aller Mitmenschen. Vor allem aber liebt sie ihren Job, beteuert die Autorin: „Die Suche nach der Wahrheit war es, was sie an ihrem Beruf fasziniert, und zugegebenermaßen auch der Blick in menschliche Abgründe.“

Inge Löhnig: Gedenke mein. Kriminalroman. List, 400 Seiten, 9.99 Euro.

Krimi Live. Inge Löhnig liest am heutigen Donnerstag, 18.30 Uhr, im MAZ-Media Store, Friedrich-Ebert-Straße 85, Potsdam.

Von Karim Saab

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