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Intendant: ORF will beim ESC neue Maßstäbe setzen

Medien Intendant: ORF will beim ESC neue Maßstäbe setzen

200 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen, insgesamt 100 000 Besucher in der Halle. Der Eurovision Song Contest ist eine der weltweit größten Bühnen. Die 60. Ausgabe soll nach dem Willen von ORF-Intendant Alexander Wrabetz einen besonderen Anstrich bekommen.

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Der ORF-Chef Alexander Wrabetz veranstaltet einen «grünen» ESC.

Quelle: Georg Hochmuth

Wien. "Wir wollen neue Dimensionen eröffnen", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Das reiche vom Öko-Charakter als "Green-Event" bis zum völkerverbindenden Motto "Building Bridges".

Frage: Die Ausrichtung des ESC kostet den ORF viel Geld. Woher kommen die Millionen?

Antwort: Es ist die größte Veranstaltung, die der ORF je organisiert hat. Sie kostet etwa 25 Millionen Euro, uns netto 15 Millionen. Der Rest kommt von Stadt, Land, aus dem Ticketverkauf. Das Glück ist, dass wir in diesem "ungeraden" Jahr kein Mega-Sportevent zusätzlich finanzieren müssen. Wir haben aus dem ORF-Etat von 950 Millionen Euro den Betrag herausgespart.

Frage: Das heißt, der ORF musste deshalb nichts aufgeben?

Antwort: Wir haben keine Pläne aufgegeben. Es gibt kein ESC-Opfer im Sender.

Frage: Was hat sich der ORF als Gastgeber vorgenommen?

Antwort: Wir wollen eine neue Dimension eröffnen. Düsseldorf hat 2011 Maßstäbe in puncto Größe gesetzt, Skandinavien in puncto Fröhlichkeit. Wir haben das Motto "Building Bridges" sehr bewusst gewählt - Brückenbau zwischen Ländern, Lebensstilen und Musikstilen. Das Verbindende soll unsere Botschaft sein.

Frage: Unterschiedliche Musikstile beim Popsong-Festival?

Antwort: Ja, zur Eröffnung und zur Pause bieten wir mit den Wiener Philharmonikern Klassik, außerdem Volkstanz-Elemente und mit Martin Grubinger einen der besten Schlagzeuger der Welt.

Frage: Das Verhältnis des ORF zum ESC war nicht immer ungetrübt.

Antwort: Eine Zeit lang hatten wir den Eindruck, dass Abstimmungsergebnisse politisch geprägt sind und es weniger um die Musik ging. Darum - und auch aus Kostengründen - haben wir 2006 und von 2008 bis 2010 gar nicht erst teilgenommen. Der Sieg von Lena Meyer-Landrut hat uns dann wieder Mut gemacht.

Frage: Nach dem Triumph von Conchita Wurst schickt Österreich diesmal The Makemakes ins Rennen. Was machen Sie, wenn es wieder zum Sieg reicht?

Antwort: Die Gruppe ist authentisch und ein sehr eigenständiger Beitrag Österreichs zum Contest. Wir würden auch einen weiteren ESC mit gleicher Professionalität organisieren. In einem "geraden" Jahr mit Ereignissen wie der Fußball-EM wäre das aber schwerer zu stemmen. Wir wären mit einem guten Platz zufrieden.

Frage: Einige Lieder, wie zum Beispiel das aus Armenien, kann man ganz gegen die ESC-Tradition auch als politische Botschaft verstehen. Befürchten Sie Proteste?

Antwort: Ich hoffe nicht, dass der ESC zu vordergründigen politischen Botschaften missbraucht wird. Diese Songs kann man auch schlicht als Liebeslieder verstehen. Ich setze auf ein faires Publikum.

Frage: Warum haben Sie ein Frauen-Trio als Moderations-Team ausgesucht?

Antwort: Drei Frauen als Moderatorinnen sind eine Weltpremiere. Das haben wir uns gut überlegt. Es sind drei ganz unterschiedliche Typen mit viel Live-Erfahrung. Zwei davon, Arabella Kiesbauer und Alice Tumler, haben einen Migrationshintergrund. Das passt wieder zu unserer Botschaft für Vielfalt und Toleranz. Außerdem sind es dreieinhalb Frauen. Conchita macht die Interviews im Green Room.

Frage: Welche Besonderheiten hat sich der ORF sonst noch einfallen lassen?

Antwort: Der 60. ESC ist der erste mit Öko-Zertifikat. Er ist ein Green-Event, angefangen vom Strom aus nachhaltiger Energie bis hin zum Catering. Außerdem ist er barrierefrei. Das sieht man auch an den Gebärdendolmetschern, die erstmals Musik für Gehörlose nachempfinden werden.

Frage: Was müssen Besucher beachten - und gibt es noch Karten?

Antwort: In der ESC-Woche werden 95 000 Besucher zu den insgesamt zwölf Shows erwartet. Wichtig ist, dass sie zwei Stunden vorher da sind. Wir nehmen die Sicherheitsvorkehrungen und damit die Personenkontrolle sehr ernst.

ZUR PERSON: Alexander Wrabetz (55) ist seit 2007 Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF). Zuvor war der gebürtige Wiener und promovierte Jurist unter anderem Kaufmännischer Direktor des ORF sowie Geschäftsführer des Stahlkonzerns Voestalpine.

dpa

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