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Kultur „Die Leute wollen mich, was soll ich machen“
Nachrichten Kultur „Die Leute wollen mich, was soll ich machen“
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00:19 29.10.2017
Jürgen Drews, König von Mallorca ehrenhalber. Quelle: DPA
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Nauen

Spätestens mit seinem Hit „Ein Bett im Kornfeld“ von 1976 wurde Schlagersänger Jürgen Drews (72) bundesweit bekannt. Thomas Gottschalk nannte ihn 1999 in einer „Wetten, dass...?“-Show „König von Mallorca“, da begann die zweite, noch verrücktere Karriere von Drews. Im Interview sagt er, warum seine Frau nicht glücklich war über den „Königstitel“. Außerdem spricht er über sein neues Album und Helene Fischer.

„König von Mallorca“, was ist das für ein eigenartiger Titel. Herr Drews, lieben Sie diese Anrede, oder ist sie letztlich auch ein Fluch?

Mallorca ist unglaublich. Ich spiele dort ab Ende Mai und habe erst vor einer Woche aufgehört. Mitunter singe ich dort zweimal in der Woche. Meine Frau Ramona möchte lieber, dass ich mehr in Deutschland arbeite. Ich sage ihr: „Engel, diese Insel ist mein Reich, die Leute wollen mich, was soll ich machen?!“

Warum wollen die Leute Sie immer noch? Sie sind 72 Jahre, da geht mancher Sänger ins Möbelhaus.

Jetzt ist die nächste Generation dran, die mich kennenlernen will. Die haben gerade Abitur gemacht, für die ist Mallorca ein Abenteuer, wenn Jürgen Drews kommt, ist das für die Magie. Deshalb nun das Album mit den Hits im neuen, zeitgemäßen Gewand.

Sie sind der König, der auf Mallorca alle kriegt und immer vor vollen Rängen spielt?

Klar, da kommt auch Doktor Soundso mit seiner Frau vorbei. Selbst Professor Mang, der Schönheitschirurg, schaute sich eine Show an. Die anderen Künstler werden durchgewechselt, doch mich buchen sie auf Mallorca permanent.

Hits im polierten Sound

Jürgen Ludwig Drews kam am 2. April 1945 in Nauen (heute Kreis Havelland) zur Welt. Den Durchbruch als Sänger schaffte er 1976 mit „Ein Bett im Kornfeld.“

Sein aktuelles Album heißt „Drews feat. Drews“ (Rhingtön/Universal).

Bei einem König muss das wohl so sein ...

Soll ich Ihnen mal die Geschichte erzählen, wie ich dort König geworden bin?

Bitte!

Die Leute merken, dass ich meine Lieder mit einem Augenzwinkern singe. Wenn ich ernsthaft glauben würde, ich sei der König von Mallorca, müsste ich in die Anstalt. 1999 wurde ich mit Costa Cordalis nach Mallorca zu „Wetten, dass…?“ bei Thomas Gottschalk eingeladen, doch zur Generalprobe wurden wir wieder ausgeladen. Aus Angst, dass aufgebrachte Spanier die Sendung stören, weil die Deutschen sich nicht so breit machen sollen mit ihren Shows. Um die Spanier zu versöhnen, sollte ihr damaliger König Juan Carlos zu Gottschalk kommen, der damals auf Mallorca Urlaub machte. Der sagte ab. Gottschalk hat die Show trotzdem durchgezogen und gesagt: „Unser heimlicher König von Mallorca ist sowieso Jürgen Drews.“ Siebzehneinhalb Millionen Zuschauer guckten zu.

Ein Titel, der sich für Sie finanziell gelohnt hat, Ihre Karriere nahm ungeahnte Fahrt auf.

Naja, ich hatte das als Spaß verstanden. Zwei Wochen später wird mir ein Song vorgeschlagen: „Ich bin der König von Mallorca!“ (Er singt ihn krächzend und gewollt albern). Ich dachte: Spinnt ihr? Mache ich nicht! Ramona kam runter. „Schatz, hör’ dir das mal an“, habe ich gesagt. Ramona steht nicht auf Schlager, muss man wissen, wir hören zu Hause nur Popmusik. Schlager ist tabu. Ramona meinte, „das singst du auf keinen Fall, das ist Schrott!“ Sie hat sehr streng geguckt.

Aber zum König von Mallorca sind Sie trotzdem geworden!

Ich kannte damals einen DJ, der hat das Demo-Band mit „König von Mallorca“ von der Plattenfirma bekommen und es auf einer Party ausprobiert. Er rief mich an, „Jürgen“, sagte er, „ich habe das Stück dreimal gespielt, die Leute wollten immer mehr davon. Die haben das die ganze Nacht gesungen. Nimm das auf, du hast keine andere Wahl.“ Ich habe es dann ans Ende meines neuen Albums gesteckt. Es sollte nicht mein Schaden gewesen sein.

So eine Aufregung wäre vor 40 Jahren undenkbar gewesen, als Sie bei Dieter Thomas Heck in der ZDF-„Hitparade“ auftraten. Hat sich das Show-Geschäft seither massiv verändert?

Klar, es ist alles viel lockerer geworden. Selbst die öffentlichen Sender wollen mehr Emotionen und Schlagzeilen. Mittlerweile gibt es in der Musikbranche eine riesige Konkurrenz. Der Kreis an Bands und Musikern war früher deutlich überschaubarer.

Hat Helene Fischer die Schlagerbranche wiederbelebt?

Ja, sie hat zum richtigen Zeitpunkt das Richtige gemacht, ist eine tolle Sängerin, sie bewegt sich tierisch. Sie hat dem Schlager das Altbackene ausgetrieben und es mit dem Musical gemischt. Das weckt Interesse und tut uns allen wahnsinnig gut. Ich warte darauf, dass sie in den USA startet. Sie hätte das Zeug dazu.

Kennen Sie sich persönlich?

Sie scheint mich besser zu kennen als ich sie. Ich bin die Treppe bei einer Show runtergelaufen und sie hat mich umarmt. Nicht schlecht! Jeder steht auf Helene.

Sie gelten als Frauenexperte: Hat sich das Verhalten der Frauen in den letzten Jahrzehnten verändert?

Auch da ist es lockerer geworden. Verklemmtheiten gibt es nicht mehr, heute macht alles noch mehr Spaß. Auch die Partys sind wilder. Die Frauen mögen dich oder sie mögen dich nicht, beides merkst du ganz drastisch.

Sie kommen aus Nauen im Havelland, vielleicht der Anti-These zu Mallorca. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Geburtsstadt?

Ich komme eigentlich gar nicht aus Nauen. Dort habe ich meinen ersten Atemzug gemacht, deshalb ist es genau genommen doch meine Heimat. Mein Vater war Arzt, in meinem Geburtsjahr 1945 auch Militärarzt. Meine Mutter lag in den Wehen, er wollte bei der Geburt helfen, fand aber in den letzten Kriegswochen keinen freien oder unzerstörten Kreißsaal in Berlin. Er hatte Beziehungen, kriegte einen Geländewagen und fuhr mit meiner Mutter nach Nauen, wo er mich entband. Schnell ging es zurück nach Berlin. In Nauen kam ich während der letzten Kriegstage in Ruhe auf die Welt.

Hat Sie das geprägt?

Im Grunde nicht, mein Leben ist später trotzdem noch sehr wild geworden.

Von Lars Grote

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