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Intrige, Eifersucht und verratene Liebe in Cottbus

„Don Carlos“ am Staatstheater Cottbus Intrige, Eifersucht und verratene Liebe in Cottbus

Die Schiller-Oper „Don Carlos“ gehört zu den beliebtesten Opern von Giuseppe Verdi. Das Staatstheater Cottbus hat sich das erste Mal nach Jahrzehnten an eine Inszenierung gewagt. In Szene gesetzt von Martin Schüler und musikalisch geleitet von Evan Christ erleben die Zuschauer große Dramen in Liebe und Politik.

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Stella Motina (Elisabeth) umringt vom Volk.

Quelle: Marlies Kross

Cottbus. Am Beginn ein junges Paar, das innig seine Liebe besingt – sie in leuchtendem Rot, er ganz in Weiß. Don Carlos, Infant von Spanien, ist auf seine Zukünftige getroffen, die französische Prinzessin Elisabeth. Doch das Glück der beiden dauert nur Momente. Das aktuelle Machtgefüge will es, dass die Prinzessin nicht den Thronfolger, sondern dessen Vater König Philipp heiratet. Für Carlos ist das ein schwerer Schlag: Die Geliebte wird seine Stiefmutter.

Eine Konstellation mit unübersehbaren Folgen, die schon Schiller reizte, der 1787 das Drama „Don Carlos“ schrieb. Auch Giuseppe Verdi ist von dem Stoff angetan, enthält er doch alles, was eine große Oper braucht – Liebe und Verrat, Hoffnung und Enttäuschung, Eifersucht, Intrige, Misstrauen und Denunziation, aber auch eine große politische Dimension: Es geht um den Freiheitskampf der Niederländer, die nicht länger unter der Knute Spaniens leben wollen. Einer ihrer Exponenten ist Marquis Posa, ein Jugendfreund von Carlos, der diesem rät, statt länger über sein verlorenes Glück zu trauern, sich doch für die Rechte der Unterdrückten einzusetzen. Das wäre aber nicht nur ein Affront gegen den Vater, sondern auch gegen die katholische Kirche, die mit ihrem Großinquisitor die eigentliche Macht im Staate ist.

Herausgekommen ist bei Verdi eine große Oper mit hinreißender Musik, mal eher intim, mal mit dramatischem Atem, die aber auch einigen szenischen Aufwand erfordert. Martin Schüler hat sich jetzt mit seinem Bühnenbildner Walter Schütze und der Kostümbildnerin Nicole Lorenz der Sache am Cottbuser Staatstheater angenommen. Gemeinsam schaffen sie das Kunststück, die vom Stoff her vorgegebene Opulenz mit üppigem Festtagstrubel und sogar einem Feuerspektakel in klarer, konzentrierter Form auf die Bühne zu bringen. Man spielt vor schwarzsilbrigem Mauerwerk, das die Palastwelt andeutet, aber immer auch schon Kerker und Gruft mit assoziiert. Dazu einige geschickt gesetzte optische Signale: ein Kreuz, das erst grün, dann feuerrot erstrahlt, dazu ein weiteres brennendes Kreuz als Signum der Inquisition.

Schüler setzt ganz auf die Kraft seines Ensembles, und es ist immer wieder erstaunlich, zu sehen und zu hören, welches Vermögen in dieser letzten dem Land Brandenburg verbliebenen Operntruppe steckt. Gut, ganz ohne ein paar Gäste kommt er nicht aus, aber Tillmann Rönnebeck von der Dresdner Semperoper, ein überzeugender Philipp, hat am Beginn seiner Laufbahn auch in Cottbus gesungen, und mit der Ukrainerin Stella Motina steht ihm eine ausdrucksstarke junge Elisabeth zur Seite. Jens Klaus Wilde, einer der sängerischen Fixpunkte des Hauses, hat hier mit der Titelrolle wieder eine große Chance, Marlene Lichtenberg gibt eine souverän auftrumpfende Hofdame Eboli, Andreas Jäpel mit geschmeidigem Bariton den Posa. Ein stimmliches wie schauspielerisches Kabinettstück liefert Jörn E. Werner als Großinquisitor. Zusammengehalten wird das alles von dem Cottbuser Musikchef Evan Christ, der die dezenten Bläserstellen genauso zum Glänzen bringt wie die kraftvollen Chöre.


Vorstellungen am 2. und Karten unter Tel. 0355/78242424.

Von Frank Starke

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