Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Kultur Isolation Berlin im Potsdamer Waschhaus
Nachrichten Kultur Isolation Berlin im Potsdamer Waschhaus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:56 16.03.2018
Isolation Berlin sind Freunde, keine Kollegen, betonen sie. Sänger Tobias Bamborschke sitzt rechts. Quelle: Noel Richter
Potsdam

Als Tobias spürte, dass er immer tiefen in den Strudel der Enttäuschung rutscht, weil die Bands um ihn herum zu schlicht, zu absehbar und wohlerzogen klangen, und mit jedem ihrer Song seine Enttäuschung wuchs, sagte er: „Dann muss ich mir die guten Lieder selber schreiben!“ Er nahm sich in die Pflicht, „hör’ auf zu nörgeln, mach’ es besser, du Affe.“

Vor sechs Jahren hat er eine Band mit Max gegründet, Max, mit dem er ohnehin fast jeden Tag zusammenhing, seit Tobias Freundin nach der Trennung ausgezogen war. Die Entwicklung ging rasant, ihr Debütalbum „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ wurde 2016 vom Fachblatt „Musikexpress“ zum besten deutschen Album des Jahres gewählt, zum achtbesten weltweit. Gerade ist das zweite Album „Vergifte dich“ erschienen, die Kritiken sind überschwänglich.

„Ich nehme das nicht wahr“, sagt Tobias Bamborschke, „ich lese keine Kritiken, es geht mir ums Musikmachen, nicht um die Musikbesprechung.“ In wenigen Tagen wird er 30 Jahre alt, ein unverwüstlich ruhiger, zugewandter, konzentrierter Mann, der als Einflüsse die Lyrik von Hermann Hesse nennt. Im Kunst Leistungskurs hat ihn ein Freund gefragt: „Kennst du eigentlich Element of Crime?“

Ein bisschen später Punk ist auch dabei

Er hat sich die Band angehört, fand sie toll, und hat für seine eigene Musik den späten Punk dazugerührt. Fertig war die Sensation. Lieder, die textlich so scharf, ungeschützt und belastbar sind, gesungen zu Melodien, die eine kaum überschaubare melodische Bandbreite abdecken. Das Eröffnungsstück „Serotonin“ des neuen Albums hebt perlende an wie ein Chanson, nur zwei Lieder später sind wir bei „Wenn ich eins hasse, dann ist das mein Leben“ und einem Sound, der den wirklich schlecht gelaunten Joy Division Ehre macht.

Sie sind die Lieblinge der Kritiker, „doch bei den Fans gibt es gespaltene Lager“, sagt Tobias, das sei wie bei einem Fußballspiel. „Manche rufen ,Scheiß BVB’, wenn es bei Dortmund nicht läuft, da hängt die Liebe der Leute an der Tagesform.“ In manchen Kreisen sei es schick, angesagte Bands nichts zu mögen, das stehe für kritischen Geist.

Donnerstag Auftakt der Tournee im Waschhaus

Die Band Isolation Berlin hat sich 2012 in Berlin gegründet, sie besteht aus Tobias Bamborschke (Gesang, Gitarre), Max Bauer (Gitarre, Orgel), David Specht (Bass) und Simeon Cöster (Schlagzeug).

Ihre zweites Album „Vergifte dich“ ist am 23. Februar erschienen.

Ihre Deutschlandtournee beginnt die Band an diesem Donnerstag im Potsdamer Waschhaus, 20 Uhr. Tickets an der Abendkasse.

Das Paradoxe an diesem Gedanken liegt darin, dass Isolation Berlin genau dieses kritische Denken verkörpern. Sie nehmen Kraftwörter in ihre Texte, aber können auch schwärmen. Sie behaupten: „Wir wollen nicht berühmt werden, aber Geld verdienen.“ Das sind Widersprüche, die diese Band am Leben halten und quasi unangreifbar machen. Außer bei jenen Leuten, die eben gegen alles sind, was Erfolg hat.

Das Leben des Rockmusikers bloß nicht glamourös vorstellen!

Nun lebt Tobias das Leben eines Rock’n’Rollers. Er ist ein Denker und ein leiser, sanfter Punk, unterfordert ihn der monotone Touralltag nicht geistig? „Nein, er überfordert mich, denn er führt mich an Grenzen: Um acht Uhr klingelt der verdammte Wecker, nach fünf Stunden Schlaf, bis zehn Uhr gibt es Frühstück im Hotel, um elf Uhr Aus-Checken, dann auf die Autobahn, an der Halle ankommen, telefonieren, weil keiner aufmacht, merken, dass die Orgel kaputt ist, und plötzlich kommen Interviewer, die nicht angekündigt waren.“

Man solle sich als Außenstehender nicht zu viel Schampus oder Groupies vorstellen. Obwohl, „es gibt natürlich Frauen und Männer, die mit einem schlafen wollen, weil man auf der Bühne steht.“ Er selber frage sich, warum. Ihm selber gehe es mitunter auch so, dass er jemanden begehre, der im Rampenlicht steht.

Tobias Bamborschke, der in Köln aufwuchs und mit 13 Jahren nach Berlin zog, wirkt nicht wie einer, der auf der Bühne zu Hause ist. Seine Aufmerksamkeit, der freundliche Blick weisen ihn aus als Zuhörer. Das trifft zu, doch nur zu Hälfte. „Ich brauche die Bühne, ich kann dort Dinge mit mir klären, auf die ich draußen im Leben keine Antwort habe.“ Was nicht bedeutet, dass ihm der Gang vor die Leute leicht fällt. „Ich habe wirklich großes Lampenfieber, jedesmal fürchte ich, dass der Funke zum Publikum nicht überspringt.“ Er kenne noch die Tage aus den Anfangsjahren, „als uns niemand hören wollte.“ Um dem vorzubeugen, stellen sie wohl ihre aktuelle Single „Marie“ an den Anfang der Konzerte. Das Lied kennen die Leute, es greift nach ihnen. Marie, die gerade fortgegangen ist.

Mädchennamen motivieren bei der Arbeit

Mädchennamen in den Titel zu packen, „das ist ein Arbeitstrick von mir, das zieht mich gleich beim Schreiben sehr emotional ins Stück“. Ihre erste Single hieß Annabelle. Nein, Tobias braucht nicht immer Mädchennamen. Manchmal reicht auch die Wut auf die Welt.

Auf dem neuen Album geht es los mit „Serotonin“, die ersten Zeilen lauten: „Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat / Da hol’ ich mir zurück, was mir gehört.“ Niemand begleicht alte Rechnungen derzeit so leichthändig wie Isolation Berlin.

Von Lars Grote

Kultur Streit um Jeff Koons und Michel Déon - Revolte der Pariser Kultur

Die Bürgermeisterin Anne Hidalgo steht wegen des Grabs von Schriftsteller Michel Déon und der geplanten Skulptur des US-Künstlers Jeff Koons in der Kritik.

14.03.2018
Kultur Gewandhaus-Saison 2018/19 - Leipziger Gewandhaus-Saison

223 Veranstaltungen bietet das Gewandhaus in der Saison 2018/18, 75 davon sind Große Concerte, 30 dirigiert der neue Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons, dazu noch einmal so viele auf Tour. Es gibt eine neue Reihe für neuere Musik, sowie Gastspiele im alten Interim am Zoo.

12.03.2018
Kultur Brandenburger reisen nach Asien - Landesjugendchor in Vietnam

Der Landesjugendchor Brandenburg fliegt an diesem Dienstag nach Vietnam, um vier Konzerte zu geben – die klimatischen Bedingungen werden extrem, dort gehen die Temperaturen hoch bis 35 Grad. Neben dem europäischen Liedgut haben die Märker auch ein Stück aus Vietnam im Gepäck.

15.03.2018