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Jana Hensels Pakt mit dem Teufel

Potsdam Jana Hensels Pakt mit dem Teufel

Die Berliner Journalistin Jana Hensel hat einen Liebesroman geschrieben. Im Potsdamer Waschhaus erzählte sie am Mittwochabend, wie es ist, über Liebe zu schreiben und dafür auf ein völlig neues Terrain, nämlich das der Literatur zu wechseln.

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Wenn Journalisten über Liebe schreiben. Jana Hensel las im Waschhaus aus ihrem Roman „Keinland“.

Quelle: Michael Mann

Potsdam. Über eine Jugend zwischen DDR und vereinigtem Deutschland kann man einen Roman schreiben. Oder ein Sachbuch. Jana Hensel hatte sich vor dreizehn Jahren für das Sachbuch entschieden. „Zonenkinder“ wurde 350 000 mal verkauft. Ihr Bericht über das Lebensgefühl einer Generation, die in der DDR noch Kind war und plötzlich in einem neue Gesellschaftssystem erwachsen werden sollte wurde ein Bestseller.

Über Liebe kann man nur in der Literatur schreiben

Aber wie würde man über eine so persönliche Empfindung wie die Liebe schreiben? Jana Hensel ist Journalistin. Sie hat gelernt, genau zu beobachten, Zusammenhänge zu analysieren und für die Leser möglichst nachvollziehbar zu bewerten. Deshalb weiß sie: „Über Liebe kann man journalistisch nicht ernsthaft schreiben. Das geht nur in der Literatur.“ Hensel hat deshalb einen Roman geschrieben. „Keinland“ heißt ihr Erstlingswerk. Am Mittwochabend hat sie im Waschhaus daraus gelesen.

Der Plott ist komplex. Nadja, eine Berliner Journalistin ostdeutscher Herkunft erhält den Auftrag etwas über Länder zu schreiben, in denen es noch Mauern gibt. Sie entscheidet sich für Israel, versucht dort Kontakt aufzunehmen und gerät per Telefon an Martin, einen Mann, der bis 1989 in Frankfurt am Main lebte, dann aber das neue, große Deutschland fluchtartig verlassen hat. Sie verliebt sich spontan in ihn und reist nach Israel.

Zwei deutsche Vergangenheiten

Hensels Liebesroman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben. Nadja erzählt von dem Zeitpunkt aus, als sie verlassen wurde in Assoziationsketten und Zeitschleifen die Geschichte einer großen, konfliktreichen und enttäuschten Liebe. Die Liebe zweier Menschen, die unterschiedlicher und gegensätzlicher kaum sein könnten. Sie jung, deutsch, mit DDR-Vergangenheit. Er älter, Jude aus Westdeutschland und Nachkomme von Holocaust-Opfern. Sie kommt aus einem historisch als Unrechtsstaat qualifiziertem „falschen Land“, das sich mit dem „richtigen Land“ zu einem „neuen Land“ vereint hat. Er hat dieses „neue Land“ verlassen, um im „heiligen Land“ weiterzuleben. Doch für beide zusammen sehen sie kein Land.

„So haben wir oft geredet“, heißt es an einer Stelle des Romans. „Ja, nein, ja, nein, ja. Meinland, Deinland, Keinland. Vielleicht unser Land“ Immer wieder kreist die Geschichte um Fremdheit und Andersheit, um zwei deutsche Vergangenheiten und die Beziehung zweier Nachkommen der Täter- und der Opfergeneration. Am Anfang ist die Hoffnung, dass die Liebe all diese Gegensätze überwinden kann. Doch eines morgens ist Martin weg.

Die Macht des Erfindens

Jana Hensel liest konzentriert mit angestrengtem Blick. Unruhig wechselt sie die Posen, stützt den Kopf auf die Handfläche, zieht die Hände unter den Tisch, dann legt sie die Ellenbogen auf die Tischplatte. So ganz zuhause scheint sie sich in ihrer neuen Rolle als Romanautorin noch nicht zu fühlen.

Der Wechsel in eine andere Gattung war nicht einfach, erzählt sie. Journalismus und Literatur seien nun mal zwei grundverschiedene Dinge „Ich musste völlig neue schreiben lernen“, sagt sie. Zwei Jahre hat sie sich deshalb aus ihrem Zeitungsberuf zurückgezogen, um über Liebe zu schreiben und den richtigen Ton zu treffen. Für Journalisten sei es vor allem ungewohnt, etwas zu erfinden. Als ihr der Auftakt der Geschichte mit dem Auftrag des Chefredakteurs an die Journalistin in den Sinn kam , habe sie sich wie befreit gefühlt. „Das war wie ein Pakt mit dem Teufel“, sagt sie und lacht erstmals entspannt.

Jana Hensel: Keinland. Ein Liebesroman. Wallstein-Verlag, 196 Seiten, 20 Euro.

Von Mathias Richter

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