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Kultur Japanische Girlband Bridear spielt in Zossen
Nachrichten Kultur Japanische Girlband Bridear spielt in Zossen
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17:54 10.05.2016
Die jungen Frauen von Bridear: Einem kühlen Bier und einem harten Riff sind sie nicht abgeneigt. Ja, sie meinen es ernst. Quelle: Agentur
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Zossen

Ulla Meinecke war Samstagabend da, geschliffene deutsche Texte mit ein bisschen Poesie und einer Handvoll Herzschmerz. Die Gitarre war gestimmt, der Wein im Gästeraum wohltemperiert. Die Welt war heile, bis auf ein paar Fußnoten von Meinecke, wie immer kritisch, meist in Moll gehalten. Zossen war glücklich.

Doch es ist nicht sicher, wie die Welt im Ort am Donnerstag aussieht. „Wir wissen noch nicht viel über die Gäste, die wir eingeladen haben“, sagt Kerstin Niemeyer, Betreiberin des E-Werks, dem Kulturverein der Stadt. Bridear kommen, „Paradiesevögel“, sagt Kerstin Niemeyer, „junge Japanerinnen“. Details aber liegen noch hinter Nebel. Bridear spielen Heavy Metal, sie selbst nennen die Spielart „Gal Metal“, Mädchen-Metal. Das gibt nicht zwingend Aufschluss über musikalische Finessen, eher übers Publikum, für das die Band antreten wird.

Sie verhauen die Gitarren, sie brüllen ins Mikrofon

In Japan blüht der Markt der Mädchen, die sich niedlich kleiden, als absolvieren sie ein Praktikum im Kindergarten. Doch diese Mädchen spielen martialische Musik, denn sie verhauen die Gitarren, sie brüllen in ihr Mikrofon, als huldigten sie einem Gott, den wir nicht kennen in Europa – einem Gott, der es sehr laut mag und auf ungewöhnlich forsche, junge Frauen steht.

„Es wird ein kleines Abenteuer, wenn sie nach Zossen kommen“, glaubt Kerstin Niemeyer, „sie starten bei uns ihre Europa-Tournee.“ In Tokyo waren sie bereits Headliner, die Band des Abends, und es wurde viel gekreischt. „Sie wurden uns angeboten, und wir haben sie genommen“, sagt Niemeyer, die über einen Saal verfügt, der bestuhlt 400 Plätze bietet, ohne Stühle passen 600 Leute in die Halle. Natürlich stellen sie die Stühle raus, wenn Bridear kommen, denn genau darum geht es der Band, oder immerhin dem Manager: süße Mädchen, böse Musik – der Gegensatz treibt nicht nur Männerblut zum Kochen.

Erste weibliche Preisträgerinnen an der Gitarre

Bridear spielen an diesem Donnerstag im Zossener E-Werk, Am Nottehafen 4. Einlass um 19 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Karten für zwölf Euro, Reservierung unter 0 33 77/3 30 08 00.


Im Vorprogramm spielen Søne und Sugar’s Blue, zwei Bands aus der Zossener Region.

Zur Band Bridear zählen die Japanerinnen Kimi (Gesang), Haru (Bass), Kai (Schlagzeug), Mitsuru (Gitarre) und Misa (Gitarre).

Als erste weibliche Gruppe wurde Bridear beim GIT-Masters gekürt, dem Gitarrenwettbewerb, das vom Magazin „Young Guitar“ unterstützt wird.

Sicherlich kein Zufall, dass diese delikate Mischung aus jugendlichem Eros und Metal in Japan ihre Heimat hat, wo Sex sich hinter umständlichen Ritualen und nicht immer stubenreinem Fetisch angesiedelt hat. Man schaue nur in Manga-Comics, deren übergroß gemalte Augen wie ein Edelstein gehalten sind – und wenn man tief genug hineinschaut in die Augen, findet man Versprechen, die sich ein aufgeklärtes Publikum wohl nur im Unbewussten zugesteht.

„Der Manga-Style hat uns interessiert“, räumt Kerstin Niemeyer ein. Auch deshalb, „weil die deutsche Teilnehmerin beim Eurovision Song-Contest so ähnlich auftritt.“ Ja, auch die mit Blumen und bunten Ketten garnierte Jamie-Lee Kriewitz atmet das Flair der Unschuld, doch ihre Hippie-Seele zeigt zuweilen dunkle Seiten. Sie tritt an diesem Samstag beim Song-Contest-Finale in Stockholm an, Bridear spielen schon an diesem Donnerstag in Zossen.

Musikalisch trennen die süßliche Song-Contest-Teilnehmerin und die japanischen Metallerinnen freilich Welten. Bridear lieben schwere Riffs, sie sind Teil einer japanischen Girl-Metal-Offensive, zu der auch Bands wie Babymetal, Destrose, Mary’s Blood und Aldious zählen. Und gehören zu einer romantischen, handwerklich sehr soliden Märchenbewegung, die es mit der Weltflucht hält. Später werden wir sagen: Es war einmal in Zossen ... Und es war laut.

Von Lars Grote

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