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„Jazz in E“ bekommt den Blues

Musikfestival in Eberswalde „Jazz in E“ bekommt den Blues

Das Eberswalder Festival „Jazz in E“ erlebt vom Mittwoch bis Sonnabend seine 22. Auflage. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt des Musikfestes im Barnim auf dem Blues. Ihre ganz eigenen Visionen von einem „reifen“ Genre bieten diesmal Künstler aus Japan, Österreich und Kenia – samt „Übersetzungen“ in den Jazz.

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Der Tastenmann Raphael Wressnig reist aus Graz an.

Quelle: Miriam Koch

Eberswalde, . Guter Blues verdrückt ja immer eine Träne, er flüchtet sich ins gestenreiche, überhöhte Klagelied, ohne dass er wirklich weint. Immer liegt ein Knarzen in den Zeilen. Das Heulen ist im Blues die hohe Kunst, es ist ein Raunen und ein Mit-den-Füßen-Scharren – denn im Blues steckt eine Ungeduld, die sich mit Noten kaum notieren lässt. Diese Einsicht gilt auf siedend heißen Baumwollfeldern, wo der Blues aus Sklavenzeiten sein Zuhause hat, wie auch in Eberswalde, wo die Temperaturen Anfang Mai für einen echten Blues noch etwas frisch sind.

Aki Takase widmet sich dem Vater des Blues

Das Eberswalder Festival „Jazz in E“ läuft in seiner 22. Auflage vom 4. bis 7. Mai, es hatte schon immer eine Ausrichtung, die sich jenseits der Baumwollfelder seinen Platz gesucht hat. Aber auch fern des Elfenbeinturms. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt des Festes auf dem Blues, es ist kein Zufall, dass die Pianistin und Komponistin Aki Takase am Mittwoch um 20 Uhr zur Eröffnung im Paul-Wunderlich-Haus spielt. Intensiv hat sie sich der Musik von W. C. Handy gewidmet und dessen Musik ins neue Licht gerückt. Der Bandleader und Songwriter Handy (1873-1958) saß 1903 auf einem einsamen Bahnhof in Tutwiler, Mississippi, und sah einen Mann, der „die seltsamste Musik“ spielte, die er je gehört habe. Handy schrieb diese Musik auf, dokumentierte sie und hat ihr das Tor zur Welt geöffnet. Fortan hieß er „Father of the Blues“.

Festivalleiter Udo Muszynski

Festivalleiter Udo Muszynski.

Quelle: Steffen Gross

Festivalleiter Udo Muszynski, 54 Jahre, sagt, „der Jazz hat viele Kinder, auch der Blues gehört dazu, doch der Jazz wird bei uns im Vordergrund bleiben.“ Im vergangenen Jahr hat „Jazz in E“ die höchsten Zuschauereinnahmen seiner Geschichte erzielt, dennoch lässt sich so ein ehrgeiziges Festival nicht ohne Unterstützung von Sponsoren auf die Bühne heben. Bei 47000 Euro liegt der Etat aktuell, gestemmt mit Hilfe von Stadt, Landkreis und privaten Sponsoren. „Wenn wir alles selbst erwirtschaften müssten, ließe sich der Jazz nicht zeitgenössisch und ambitioniert präsentieren. Dann gäbe es Kompromisse, und der Pop würde sich weiter in den Vordergrund schieben“, sagt Udo Muszynski. Jazz, soll das bedeuten, lässt sich nur eingeschränkt kommerzialisieren.

Atmosphäre wie in einem engen Club

Die Atmosphäre bei „Jazz in E“ ähnele einem engen Club, „so nah wie hier in Eberswalde kommt man selten ran an die Musik“, freut sich Muszynski – fehlt noch der Zigarettenqualm, und man würde sich in einem dieser engen, legendären Keller wähnen, in Miles Davis angefangen hat. Im Verwaltungsgebäude des Paul-Wunderlich-Hauses finden 200 Menschen Platz, meist sind die Konzerte ausverkauft. Kein Wunder, wird doch die Qualität der Eberswalder Auftritte weit über Ostdeutschland hinaus gepriesen.

Kommen den weiten Weg aus Kenia

Kommen den weiten Weg aus Kenia: Ogoya Nengo & The Dodo Women’s Group.

Quelle: Promo

Mental liegen die Pole des aktuellen Festivals zwischen Kenia und Bob Dylan. Die Kenianerin Ogoya Nengo kommt mit ihrer Dodo Women’s Group, Nengo wurde in der Nähe des Victoriasees geboren, sie sang in ihrer Jugend auf Hochzeiten und Beerdigungen, längst aber ist die 1943 geborene Nengo in ihrer Heimat eine berühmte Folkmusikerin mit leidenschaftlicher Stimme – so, wie sie Blues interpretiert, hat er sich angehört, als man ihn noch nicht so genannt hat“, sagt Udo Muszynski.

Und eben Dylan. Nein, er kommt nicht persönlich vorbei, sondern lässt sich Feiern vom virtuosen Quartett Absolutely Sweet Marie (Trompete, Tuba, Saxofon, Schlagzeug), dessen Ehrgeiz sich darauf richtet, Bob Dylan in den Jazz zu übersetzen. Das mag eine weniger schwierig Aufgabe sein, als man zunächst glaubt, weil Dylan vor 50 Jahren, als er das hier zitierte Stück „Absolutely Sweet Marie“ auf dem Album „Blonde On Blonde“ aufnahm, noch verstanden werden wollte, Lust aufs Singen hatte und sich in einer uns verständlichen Sprache artikulierte. Wer Dylan heute hört, der spürt: Die Zeiten haben sich geändert – The Times They Are A-Changin’.

Von Kenia bis Garage

„Jazz in E“ geht in sein 22. Jahr. Es findet vom 4. bis 7. Mai im Eberswalder Paul-Wunderlich-Haus statt. Das Thema „Blues“ zieht sich in diesem Jahr durchs Festival.

Tickets je Abendveranstaltung 17Euro/13 Euro (ermäßigt), im Vorverkauf 15/11 Euro. Festivalpass für alle Veranstaltungen 43/34 Euro. Erhältlich unter Tel. 03334/64520 und unter www.mescal.de.

Mittwoch, 4. Mai, Eröffnung um 20 Uhr: Aki Takase.

Donnerstag, 5. Mai, 20 Uhr: Ogoya Nengo & The Dodo Women’s Group, anschließend Puts Marie.

Freitag, 6. Mai, 20 Uhr: Tobias Hoffmann Trio, anschließend Dirk Bergers Garagenjazz.

Samstag, 7. Mai, 20 Uhr: Absolutely Sweet Marie, anschließend Andromeda Mega Express Orchestra.

„Es kommen mehr junge Leute als früher“, sagt Muszynski. Es freut ihn, auch wenn er nicht ganz sicher ist, ob er eine Erklärung dafür hat. „In den 90er Jahren schien es, als stecke der Jazz in einem Tal“, glaubt der Leiter, seither hat sich die Gattung erholt. Im Zuge dieser Genesung scheint sie sich auch, was das Publikum betrifft, verjüngt zu haben. Und weil das Privileg der Jugend immer ihre Kondition gewesen ist, steht auch bereits das kommende Motto von „Jazz in E“ fest: „Atem“ wird das Thema 2017 heißen. Denn mit tiefem Atem lässt sich bestens singen, heulen und halt eine Zigarette rauchen. Zutaten, die dem Jazz seine spezielle Form von Würde geben.

 

Von Lars Grote

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