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Kultur Jazzlegende Billy Cobham rockt das Waschhaus Potsdam
Nachrichten Kultur Jazzlegende Billy Cobham rockt das Waschhaus Potsdam
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18:31 12.03.2019
Billy Cobham am Montagabend im Potsdamer Waschhaus. Quelle: Foto: Detlev Scheerbarth
Potsdam

Im 20. Jahrhundert gab es Jahrzehnte, da war Jazz unter Jugendlichen die angesagteste Musik. Billy Cobham wurde in der Swing-Ära in Panama geboren. Mit drei Jahren, 1947, zog seine musikaffine schwarze Familie nach New York. „Wir wohnten zunächst in Harlem, später in Brooklyn“, erzählte der 74-Jährige am Montagabend vor mehr als 400 Besuchern in der Potsdamer Waschhaus-Arena.

Paul Hanson fasziniert mit seinem Fagott. Quelle: Detlev Scheerbarth

Dort, wo gewöhnlich Popkonzerte stattfinden, die derzeit von jungen Leuten bevorzugt werden, saßen in der Mehrheit weiße, alte Männer zwischen 60 und 70 Jahren. Laut, ungestüm und gefühlsbetont ging es dennoch zur Sache. Dass sich Mainstream und Komplexität im Musikbusiness nicht ausschließen müssen, diesen Beweis trat in den 1970er Jahren die Fusion-Szene um Billy Cobham an. Auf seinem legendären Album „Crosswinds“ verbinden sich Jazz, Rock und karibische Klänge so genial, dass die Fans aller Lager gleichermaßen begeistert waren. Gemeinsam mit vier virtuosen Altersgenossen haucht der Doyen polyrhythmischer Beatmusik seinen guten alten Crosswinds-Kompositionen noch einmal frischen Wind ein.

Zur Person

Für Schlagzeuger stellt Billy Cobham eine große Autorität dar. Er hat „den spieltechnischen Unterschied zwischen rechter und linker Hand aufgehoben“, betont Musikwissenschaftler Hannes Schweiger. Cobham vereine „Rockmotorik, unorthodoxe Off-Beat-Elastizität und polymetrische Raffinesse der Jazzrhythmik“.

Cobham saßauch im Mahavishnu Orchestra am Schlagzeug. Es wurde 1971 von dem Gitarristen John Mc Laughlin gegründet. Eine Langspielplatte des Orchestras erschien 1980 in der Reihe Amiga Jazz. Ein Jahr darauf gab es noch eine Sammlung eigener Stücke.

Sein Album „Crosswinds“ (1974) gilt als eine epochale Aufnahme. Cobham schrieb alle Stücke selbst und wird sie bald mit seiner Band „Crosswinds“ neu einspielen.

Normalerweise gibt es vor dem Auftritt einer Band kein Podiumsgespräch mit dem Star des Abends. Doch Billy Cobham nahm zunächst in einem Sessel Platz und ließ sich von Radiomoderator Johannes Paetzold befragen. Veranstalter war nämlich die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung. Und um dem politischen Bildungsauftrag gerecht zu werden, hatte deren Regionalleiter Ralf Erbel einige grundsätzliche Worte vorausgeschickt. Jazz sei der Sound gelungener Integration, der Inbegriff von Freiheit und Toleranz, Individualität und Aufgeschlossenheit. „Zölle, Abgrenzungen und völkisches Denken sind dem Jazz fremd. Dadurch ist Jazz politisch“, sagte er.

Gitarrist Fareed Haque. Quelle: Detlev Scheerbarth

Billy Cobham, der heute in der Schweiz lebt, quittierte die an ihn gerichteten politischen Fragen dann aber nur mit freundlichem Gleichmut. Nicht einmal ein Trump-Bashing war ihm zu entlocken. Rassismus und Missstände gebe es überall auf der Welt. „Als 13-Jähriger wollte ich lernen, so zu swingen wie Miles Davis“, erzählte er. Große Namen wie Thelonious Monk, Ella Fitzgerald, Stan Getz, George Benson, Horace Silver, Herbie Hancock, John Mc Laughlin und Roberta Flack kreuzten seine Karriere. „Das Tolle war, wir haben einfach zusammen gespielt und es gab keinen, der gesagt hat, schau mal, da ist Miles Davis.“

Bassist Tim Landers. Quelle: Detlev Scheerbarth

Diese grundsympathische Bescheidenheit strahlte Cobham dann auch während des 90-minütigen Konzertes aus. Der Mann in Turnschuhen und mit dem obligatorisch bunten Stirnband gab nicht den Egozentriker und räumte sich nicht einmal extralange Soli ein. Mit sichtlicher Begeisterung gab er den Takt vor und die rhythmischen Strukturen, die sich im Jazzrock oft blitzartig ändern. Cobhams Spiel lebt von kraftvollen Kontrasten zwischen harter Snare und einer Batterie aus warmen, harmonisch gestimmten Trommeln bis hin zu den zwei Bassdrums, die als seine Spezialität gelten. Die sechs Becken auf Kinnhöhe setzte er nur sparsam ein. Ihm unterläuft kein Schlag zu viel, er akzentuiert auch leise Flächen, wodurch sich der Effekt der Eruption verstärkt. Nuancen und Draufgängertum halten sich die Waage. Bassist Tim Landers und Gitarrist Fareed Haque befeuern das freudvolle Umschaltspiel, liefern aber auch lyrisch-romantische Impros.

Keyborder Scott Tibbs. Quelle: Detlev Scheerbarth

Dramaturgisch geschickt wechselt die Band Tempi und Stilistiken. Die rasanten Geradeaus-Stücke sind inspiriert von der Bebop-Ära. Der Chorus wird oft von zwei Musikern gleichzeitig wie in Stein gemeißelt, meist vom Keyboarder Scott Tibbs und vom Bläser Paul Hanson. Mit atemberaubender Leichtigkeit entlockt Hanson einem großen Fagott die schnellsten Läufe und verleiht dem homogenen Fusionsound einen tiefen, satten Glanz. Manchmal greift er auch zum Sopransaxophon.

Kein Wunder, dass sich alle – das Publikum wie die Musiker – noch einmal darin bestätigt fühlten, in ihrer Jugend etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Irgendwann wird auch wieder eine Jugend kommen, die diesen Reichtum entdeckt.

Billy Cobham’s Crosswinds beim Schlussapplaus: Scott Tiipps, Tim Landers, Billy Cobham, Fareed Haque, Paul Hanson (v.l.n.r.) Quelle: Detlev Scheerbarth

Von Karim Saab

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