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Jazztrio Berlin im River-Café Molchow

Facettenreich und detailverliebt Jazztrio Berlin im River-Café Molchow

Jazz ist eben nicht nur Dixieland. Das zu beweisen, zogen die Musiker des Jazz-Trios Berlin am Sonntag im River-Café Molchow alle Register. Mit Schmelz und Schmackes arbeiteten sie sich durch die Jazzgrößen der Welt. Das Konzert ist das erste in der Reihe, die Café-Betreiber Tobias Netta für die Zukunft plant. Am 12. März geht es mit einem irischen Abend weiter.

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Jazz pur: Niko Meinhold, Jan Roder, Yorgos Dimitriadis (v.l.)

Quelle: Buddeke

Molchow. Bücherregal, Spiegel im Goldrahmen, heimeliges Licht: die Bühne gleicht einem gemütlichen Wohnzimmer. Gastgeber Tobias Netta ist das familiäre Flair recht – ohnehin passen nicht mehr als 40 Leute ins Innere seines River-Cafés, das er im vergangenen Jahr in lauschiger Wasserlage eröffnet hat. Um einen Platz für vorbeiziehende Wasser- und Wandertouristen zu bieten, die eine Rast einlegen. Und um ein wenig Kultur nach Molchow zu bringen. Netta, ein Jazztrompeter, plant regelmäßige Konzerte – im Sommer draußen. „Da ist dann auch die Platzanzahl kein Thema mehr“, sagt er. Zur Premiere der Kaffeehaus-Konzerte hat er sich am Sonntag – wen wunderts – eine Jazzband eingeladen: das Jazztrio Berlin. Auch für Niko Meinhold, Jan Roder, und Yorgos Dimitriadis ist es fast eine Premiere – alle drei kennen sich zwar aus dem Ber.I.O. – dem Berlin Improvisers Orchestra – „aber in der Dreierbesetzung sind wir brandneu“, erklärt der Pianist. Und geht auch gleich in medias res – wie er zum Jazz gekommen sei, in einem Haushalt, wo es nur Telemann- und Mozart-Platten gegeben habe. Irgendwann sei er über eine „vereierte Version“ von „Tea for two“ gestoßen – ein Jazz-Klassiker. Das lässt er denn auch folgen – in ganz eigener Interpretation. „Auweia“, sagt eine Zuschauerin angesichts der ersten Passage: da müht sich das Trio, die alte kratzige Aufnahme plastisch werden zu lassen – mit piepsigem Piano, die Besen des Schlagzeugs imitieren das Kratzen der Schellackscheibe. Das wirkt wunderbar angestaubt und passt ins Heim-Ambiente, bevor Meinhold sich des Stückes richtig annimmt, es in die Einzelteile zerlegt und neu zusammenbastelt. Seine Kollegen – allesamt improvisationserfahren – agieren per Blickkontakt. Das reicht aus, um lustvoll und detailverliebt dem Jazz zu huldigen. Niko Meinhold arbeitet sich im Laufe des zweistündigen Programms durch seine Hitliste der Jazzgrößen: Ron Carter, Thelonius Monk, Paul Desmond, Charles Mingus, Duke Ellington. Ein Überblick über die Klangarten des Jazz schlechthin. Während Jobims „Favela“ wie ein flirrender Bossa Nova voll lässiger Lebensfreude klingt, gerät Sun Ras „Ancient Ethiopia“ zur stampfenden Karawane, die sich unaufhaltsam ihren Weg durch die Wüste bahnt – in arabischen Klangfarben. Mal perlt das Piano süffig wie Likör, mal wird der Sound zum furiosen Inferno. Meinholds Hände flirren über die Tasten – tupfen, hämmern, streicheln. „Es gibt überall Jazz-Fans – die will ich erreichen“, sagt der Gastgeber. Der Schlussapplaus beweist: Mission erfüllt.

Von Regine Buddeke

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